„Das Ende der Welt war erst der Anfang“ ist auf dem Filmplakat von GREENLAND 2 zu lesen. Und ja, der Katastrophenthriller „Greenland“ hatte 2020 zur Covid-Zeit einen Nerv getroffen, der nach einer Fortsetzung förmlich schrie. Nun ist es endlich soweit – und das Thema „Migration“ im Film wie im echten Leben omnipräsent.
Schon der Vorgänger „Greenland“ hat nicht nur vom drohenden Weltuntergang erzählt, sondern war vor allem auch ein Familienfilm. Vater John Garrity (Gerard Butler), Mutter Allison (Morena Baccarin) und Sohn Nathan (damals: Roger Dale Floyd) kämpften sich trotz aller Widrigkeiten durch einen actionreichen Überlebens- und Katastrophenplot, den der US-amerikanische Regisseur und Stuntman Ric Roman Waugh („Angel Has Fallen“) stilsicher inszeniert hat.
Der interstellare Komet Clarke hat zwar den größten Teil der Erde zerstört, doch Familie Garrity fand schließlich Schutz in einem Bunker in Grönland. Und hier setzt GREENLAND 2 an: Es sind fünf Jahre vergangen, doch draußen wüten noch immer Strahlungsstürme, Luft und Wasser sind verseucht und kleinere Teile des Kometen schlagen als Nachzügler immer noch auf der Erde ein. Zudem werden die Vorräte im Bunker knapp. Als ebendieser einzustürzen droht, müssen die Menschen flüchten.
Die Garritys greifen also die Atemschutzmasken, Sohn Nathan (jetzt: Roman Griffin Davis) steckt auch sein überlebenswichtiges Insulin ein (das dann aber im gesamten Film nicht mehr zum Vorschein kommt). Es gibt nur wenige rettende Boote, die hart umkämpft sind. Doch die Familie schafft es zusammen mit der Wissenschaftlerin Dr. Casey Amina (Amber Rose Revah) gerade noch rechtzeitig vor einer Riesenwelle, die die Zurückgebliebenen platt macht!
Die gefahrvolle Reise führt vom überschwemmten Liverpool nach London, wo sie die alte Freundin Mackenzie Matthews (Sophie Thomson) aufsuchen, die sich in einem Krankenhaustrakt aufopferungsvoll um Alte und Demenzkranke kümmert. Der gigantische Krater des Clarke-Kometen in Südfrankreich verheißt Hoffnung. Dr. Casey Amina vermutet dort ideale Bedingungen für einen Neuanfang der Menschheit. Mit dem Auto fährt die Reisegruppe also weiter, doch im ausgetrockneten Ärmelkanal lauern weitere Gefahren.
Vater John hustet immer mehr, spukt schließlich Blut. Er hat nur noch ein Ziel: Seine Familie ins gelobte Land zu bringen. Das inszeniert Genre-Experte Ric Roman Waugh („Kandahar“) in GREENLAND 2 zwar gekonnt actionreich, doch die Glaubwürdigkeit bleibt ziemlich auf der Strecke. Spielerisch meistert die Familie einfach alle Gefahren. Und warum braucht Sohn Nathan sein Insulin nicht mehr? Stattdessen lernt er die gleichaltrige Französin Camille (Nelia Valery Da Costa) kennen, die sie auf dem Weg zum Krater begleitet.
Die postapokalyptischen Landschaften und die Spezialeffekte sind solide. Gedreht wurde von April bis Juli 2024 in den Shinfield Studios in Alton und auf Island. Bereits 2021 sicherte sich STX auf dem Filmfestival von Cannes die weltweiten Vertriebsrechte für 75 Millionen US-Dollar. Doch dann meldete das Produktionsstudio Insolvenz an. Wohl einer der Gründe, weswegen GREENLAND 2 erst jetzt in unsere Kinos kommt (ursprünglich war der Kinostart im März 2025 vorgesehen).
Das Darstellerensemble ist überzeugend: Gerard Butler hat bereits zum vierten Mal mit Filmemacher Ric Roman Waugh zusammengearbeitet (und GREENLAND 2 auch wieder als Produzent unterstützt). Action können beide! Die gebürtige Brasilianerin Morena Baccarin („Deadpool & Wolverine“, auch in den TV-Serien „Homeland“ und „Firefly“) ist fast schon eine Charakterdarstellerin, die öfter eine Chance in großen Produktionen bekommen sollte. Und Roman Griffin Davis ist als Sohn Nathan gewohnt gut. Er war gerade erst in der Stephen King-Verfilmung „The Long Walk“ zu sehen, spielte neben Keira Knightley in der apokalyptischen schwarzen Komödie „Silent Night – Und morgen sind wir tot“ – und für seine Rolle in „Jojo Rabbit“ von Taika Waititi wurde er gar mit dem Critics‘ Choice Award als “Best Young Performer“ ausgezeichnet.
Während „Greenland“ insgesamt als Katastrophen-B-Movie wirklich überzeugen konnte, sorgt bei GREENLAND 2 vor allem die mangelnde Glaubwürdigkeit der Geschichte für Punktabzug. Die Action ist cool – und es gibt sogar richtig gute ruhige Momente. Regisseur Ric Roman Waugh ist übrigens 2026 auch noch mit „Shelter“ in unseren Kinos am Start: Diesmal darf Actionstar Jason Statham während eines Sturms ein Mädchen aus dem Meer retten. Sein Charakter Michael Mason kann daraufhin sein zurückgezogenes Leben auf einer schottischen Insel knicken.
Greenland 2 (USA 205)
99 Minuten
Action / Thriller
Ric Roman Waugh
Mitchell Lafortune Und Chris Sparling
Martin Ahlgren
Gerard Butler, Morena Baccarin, Roman Griffin Davis, Amber Rose Revah, William Abadie, Sophie Thompson, Trond Fausa Aurvåg, Nelia Valery Da Costa, Ken Nwosu, Denez Raoul
Tobis Film GmbH & Co. KG