Mit über 70 Millionen US-Dollar Produktionskosten ist HOPE die teuerste südkoreanische Kinoproduktion aller Zeiten. Nach der viel diskutierten Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes 2026 rollt dieser wuchtige Sci-Fi-Action-Thriller nun in die deutschen Kinos.
In dem abgelegenen südkoreanischen Dorf Hope Harbor werden Polizeipostenleiter Bum-seok (Hwang Jung-min) und die Polizistin Sung-ae (Hoyeon) gerufen, um eine mysteriöse Kreatur aufzuspüren, die im Dorf Chaos angerichtet hat. Im nahe gelegenen Wald nimmt ein Jägertrupp um Sung-ki (Zo In-sung) die Verfolgung der Bestie auf – nur um selbst zur Beute zu werden. Doch der Schein trügt. Aus Unwissenheit erwächst eine Katastrophe, die durch menschliche Konflikte zu einer Tragödie kosmischen Ausmaßes eskaliert.
Wer einen klassischen Hollywood-Katastrophenfilm erwartet, kennt den südkoreanischen Regisseur Na Hong-jin schlecht. Wo Hollywood oft auf patriotische Helden und kalkulierte Momente für die Tränendrüsen setzt, regiert bei Na das pure, unvorhersehbare Chaos einer menschlichen Jagdgesellschaft, die sich im Angesicht des Unbekannten selbst zerfleischt.
In der ersten Stunde des Films zeigt HOPE eindrucksvoll, warum Na Hong-jin zu den visuell versiertesten Regisseuren der Gegenwart gehört. Die Kamera von Hong Kyung-pyo zieht den Zuschauer unmittelbar ins Geschehen und damit in einen Überlebenskampf sondergleichen. Das ist Action pur, die sofort ins Blut geht. Und solange das Monster nicht wirklich zu sehen ist, ist das alles auch wirklich beeindruckend.
Doch wenn sich das gejagte Biest endlich einmal zeigt, lässt sich die Enttäuschung nicht verbergen. Die Spezialeffekte sind zwar gut, aber lange nicht auf Hollywood-Niveau. Gerade das Monster wirkt erstaunlich unpoliert. Das ist schade, nimmt es doch dem Film ein wenig den Drive. Wenn man sich jedoch darauf einlassen kann, dann steht einem ungetrübten Kinogenuss eigentlich nichts mehr im Wege.
Gerade wenn wir glauben, wir haben das Spiel durchschaut, legt der Regisseur noch einmal eine weitere Erzählschicht frei. Kaum zu glauben, aber so verlagert HOPE seine Prämisse noch einmal auf ein gänzlich anderes Level. Aber dazu möchte ich an dieser Stelle nichts verraten. Das möge bitte jeder selbst im Kino seines Vertrauens entdecken.
Charmant ist übrigens auch, dass HOPE nie seinen Humor verliert. Skurrile Dorfbewohner und herrlich ausschweifende Anekdoten sorgen für pures Comedy-Gold und lockern die düstere Atmosphäre immer wieder gekonnt auf.
Und wer von den Namen Alicia Vikander, Michael Fassbender und Taylor Russell angelockt wurde, dem sollte man fairerweise sagen, dass man sie in den stolzen 157 Minuten des Films nicht wirklich zu Gesicht bekommt. Aber das würde jetzt zu viel verraten.
HOPE ist ein wilder, unvorhersehbarer Ritt, der Genregrenzen sprengt und das Publikum spaltet. Keine Hollywood-Stangenware, sondern ein mutiges, tonal unberechenbares Stück Kino, das zwischen Arthouse-Anspruch und B-Movie-Wahnsinn pendelt. Trotz visueller Schwächen im CGI-Bereich und Längen im Mittelteil bleibt HOPE ein packendes und hochspannendes Spektakel, das man auf der größtmöglichen Leinwand erleben sollte.
Hope (Korea 2026)
158 Minuten
Action / Science-Fiction / Thriller
Na Hong-jin
Na Hong-jin
Hong Kyung-Pyo
Hwang Jung-min, Zo In-sung, Hoyeon, Michael Fassbender, Alicia Vikander, Taylor Russell, Cameron Britton,
MUBI