Geister

05.11.2026

Mit seinem neuesten Werk GEISTER meldet sich Fatih Akin eindrucksvoll an der Elbe zurück. Nach Ausflügen in andere Genres und Gefilde liefert der Regisseur ein poetisches Fantasy-Drama ab, das vor allem eines ist: eine zutiefst atmosphärische Liebeserklärung an seine Heimatstadt Hamburg. Akin fängt das raue, melancholische und doch unheimlich herzliche Gefühl der Hansestadt so intensiv ein, dass die Stadt selbst zur heimlichen Hauptfigur avanciert.

Die Geschichte von GEISTER beginnt in einer schicksalhaften Nacht: Auf einer Abiparty begegnen sich die 20-jährigen Faris (Eren M. Güvercin) und Farasha (Mariam Dawoud). Es ist die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick – ein magischer Moment, der jedoch jäh in einer Tragödie endet, als Farasha noch in derselben Nacht bei einem Autounfall stirbt. Gefangen zwischen Leben und Tod sucht die Verstorbene verzweifelt nach einem Weg, ihrem geliebten Faris nahe zu sein. Die Möglichkeit dazu eröffnet sich in seiner Traumwelt: Genau 40 Nächte lang bekommt das Paar die Chance, sich in Faris’ Träumen zu begegnen, um seine unmögliche Romanze fortzuführen. Doch mit jeder verrinnenden Nacht rückt der unausweichliche Abschied näher.

Schon nach wenigen Minuten stellte sich bei mir ein zutiefst vertrautes Gefühl ein. Diese bittersüße, nächtliche Einsamkeit und die urbane Romantik weckten in mir unweigerlich Erinnerungen an Sebastian Schippers Meisterwerk „Absolute Giganten“ – für viele Filmfans der bis heute unangefochtene König des Hamburger Kinos. Doch Akins neues Werk rüttelt gehörig an dessen Thron. Das absolute Highlight und das emotionale Epizentrum des Films ist zweifellos die Sequenz auf dem Dach der Aussichtsplattform des Hamburger Fernsehturms. Hier, hoch über dem Lichtermeer der Stadt, verschmelzen Traum und Realität zu einer Kinomagie, die einen so schnell nicht wieder loslässt.

Dass diese urbane Kulisse eine so meditative, fast magische Sogwirkung entfaltet, ist maßgeblich der atmosphärisch dichten Kameraarbeit von DOP Frank Griebe zu verdanken. Griebe, der bereits visuelle Meilensteine wie „Lola rennt“ oder „Das Parfum“ prägte, fängt Hamburg in berauschenden, fließenden Bildern ein. Dabei ist die Stadt nicht bloß Schauplatz: Sie atmet, fühlt und agiert wie ein eigenständiger Charakter. Besonders eindrucksvoll ist die Kamerafahrt, die den Fernsehturm über dem nächtlichen Hamburg umkreist. In dieser kreisenden Bewegung findet die traumverlorene Stimmung des Films ihren visuellen Ausdruck.

Unterstützt wird diese visuelle Wucht von einem einzigartigen Soundtrack: Die atmosphärischen, klaviergeprägten Kompositionen von Malakoff Kowalski verleihen im Zusammenspiel mit den urbanen Songs der Jugglerz den Traumszenen genau die richtige Mischung aus Melancholie und moderner Dynamik. Dabei war Akin der Musiker Malakoff Kowalski noch überhaupt kein Begriff, als Produzent Herman Weigel dessen Namen ins Gespräch brachte. Man traf sich, und sofort entstand diese „Freundschaft fürs Leben“, erzählt Akin.


Nachdem wir davor die ganze Zeit über Musik geredet hatten, fingen wir jetzt an, Musik zu hören – bis zum Morgengrauen. Mit so jemandem habe ich noch nie gearbeitet. Der das so sehr versteht. Der eine solche Leidenschaft mitbringt.

Fatih Akin über seinen Komponisten Malakoff Kowalski

Nicht durchgehend überzeugen können dagegen die schauspielerischen Leistungen. Das Nachwuchsensemble um die beiden Hauptdarsteller kann leider nicht immer mit der handwerklich makellosen Regie und der visuellen Brillanz mithalten. In den intimeren Momenten werden die Dialoge immer wieder hölzern vorgetragen, und das Spiel wirkt etwas steif und ungelenk. Das nimmt manchen Szenen die emotionale Tiefe und Authentizität, die das Drehbuch eigentlich verlangt.

Trotz dieser darstellerischen Schwächen ist GEISTER ein visuell und musikalisch mitreißender Volltreffer geworden. Ein wirklich wunderschöner Hamburg-Film, der beweist, dass niemand die urbane Magie dieser Stadt so grandios einfangen kann wie Fatih Akin und sein Team – neben Sebastian Schipper, selbstverständlich.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Geister (Deutschland 2026)

Länge

106 Minuten

Genre

Drama / Fantasy / Romanze

Regie

Fatih Akin

Drehbuch

Ruth Thoma, Fatih Akin

Kamera / Bildgestaltung

Frank Griebe

Darsteller

Mariam Dawoud, Eren M. Güvercin, Carlotta Von Falkenhayn, Gabriel-Winner Amorin, Anna Bederke, Lama Alhalabi

Verleih

Warner Bros. Entertainment GmbH

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