Die Blutgräfin

29.10.2026

Ulrike Ottinger ist eine avantgardistische deutsche Künstlerin, Filmemacherin, Malerin und Fotografin. Im stattlichen Alter von 84 Jahren offeriert sie nun die Vampirkomödie DIE BLUTGRÄFIN mit der französischen Star-Schauspielerin Isabelle Huppert („Elle“, „Die Klavierspielerin“) in der Titelrolle. Blutrotes Kunstkino zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz, das Wien gut in Szene zu setzen weiß!

DIE BLUTGRÄFIN (Isabelle Huppert) ist vor Jahrhunderten auf mysteriöse Weise verschwunden. Nun taucht sie im heutigen Wien wieder auf. Der Legende nach ist sie eine der fleißigsten Vampirinnen des 16. Jahrhunderts, die sich reihenweise Dienstmädchen schmecken ließ. Der Grund ihrer Rückkehr: Ein gefährliches Buch, dem nachgesagt wird, es hätte die Macht, die Vampir-Sippe zu vernichten. Gemeinsam mit ihrer treuen Zofe Hermine (Birgit Minichmayr) versucht sie nun, das Buch aufzuspüren. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht: Die Ordnungsmächte Wiens ermitteln gegen die Wiener Vampir-Bande und ein Kongress kleingeistiger Geisteswissenschaftler plant gar die Analyse der „Identität der Vampire im Zeitalter ihrer digitalen Reproduzierbarkeit“.

Das historische Wien sieht übrigens prächtig aus in DIE BLUTGRÄFIN. Mit ihrem Dokumentarfilm „Prater“ über den traditionsreichen Wiener Vergnügungspark zog es Ulrike Ottinger 2007 erstmals filmisch in die österreichische Hauptstadt. Sie ist bekannt dafür, ihre Filme jahrelang vorzubereiten. Mit diesem nun vorliegenden Vampirfilm ist sie mehr als ein Vierteljahrhundert schwanger gewesen. Grund natürlich: Die Finanzierung.

1998 wurde ich nach Wien eingeladen und fuhr mit dem Auto hin. Dabei machte ich einen Umweg durch Osteuropa. Diese Orte waren einfach wundervoll, so viele schöne, alte Städte, in denen die Zeit stehengeblieben schien. Dabei kam mir die Idee eines Vampirfilms. In Wien angekommen, machte ich mich sofort auf die Suche nach interessanten Drehorten. Es gibt den sogenannten ‚Narrenturm‘, eine der ältesten psychiatrischen Einrichtungen Europas, der heute ein Museum ist. Außerdem ist die Stadt voll von alten Tunneln und Gräbern. Es gibt zahlreiche Minenschächte im Umland und während der Nazizeit entstanden auf Anweisung Hitlers geheime unterirdische Flugzeug- und Waffenwerkstätten. Diese Reise war meine Hauptinspiration. Ich wollte einen Film machen, der zwischen den Welten wandelt: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Komik und Gefahr, mit einem Auge für politische und wirtschaftliche Schieflagen, die zu Ängsten und Erlösungsfantasien führen.

Ulrike Ottinger erinnert sich an die Ursprünge der Filmidee

Neben ihrer Arbeit beim Film arbeitet Ulrike Ottinger („Paris Calligrammes“) auch als Regisseurin für Theater und Oper. Sie inszenierte unter anderem Elfriede Jelineks Stücke „Das Lebewohl“ (Berliner Ensemble, 2000), „Clara S.“ (Staatstheater Stuttgart, 1983) und „Begierde und Fahrerlaubnis“ (Steirischer Herbst, Graz 1986). Das erklärt auch, dass die Dialoge unter der Mitwirkung von Elfriede Jelinek geschrieben wurden. Außerdem kennt Jelinek natürlich Wien und die spezifischen Referenzen auf die österreichische Kultur und Geschichte. Ottinger gestaltet übrigens die Bühnenbilder aller ihrer Inszenierungen selbst. Die Grande Dame zeigt DIE BLUTGRÄFIN pompös und theatralisch, vor allem: blutrot.

Rot dominiert alle Formen und Materialien: Brokat, Tüll, Samt, Seide und sogar die leuchtenden Beinhäuser. Brände, Treppenhäuser, Wachsherzen, Granathalsketten, Tartar und Blutwurst ergeben eine einzige Symphonie in Rot. Außerdem das rote Blut aus rubinroten Kelchen. Sogar die Fledermäuse haben rote Augen.

Ulrike Oettinger zur blutroten Farbe

Die Geschichte, die uns entlang der prächtigen historischen Orte Wiens mit auf eine Schnitzeljagd nimmt, ist mitunter abstrus und aberwitzig. Zwei Vampirforscher und Oberinspektor Unglaube (Karl Markovics) sind der Blutgräfin Elizabeth Bathory dicht auf den Fersen durch gesellige Gruften, über Friedhöfe und auf Riesenräder: überall sind Spuren zu entziffern, die zum Buch der Bücher führen. Mit Rudi Bubi Baron von Strudl zur Buchtelau (Thomas Schubert) ist sogar ein vegetarischer Vampir am Start. Der ist regelmäßig bei seinem Therapeuten Theobald Tandem (Lars Eidinger), der den Familiengeschichten von Bubi natürlich zunächst keinen Glauben schenkt. DIE BLUTGRÄFIN ist also auch erlesen besetzt. Doch was die Rollennamen bereits andeuten: Kinderfilm und Kasperletheater vereinigen sich hier zur Melange mit dem Arthouse-Kino. Isabelle Huppert („Eine Frau mit berauschenden Talenten“, „Elle“) überzeugt allerdings in der Titelrolle, gerade weil sie hier nicht so geschwätzig ist wie in vielen ihrer anderen Filme. Tom Neuwirth ist übrigens als Zeremonienmeister, Rote Erika und in seiner Paraderolle Conchita Wurst mit von der Partie.

Ulrike Ottinger lässt uns mit DIE BLUTGRÄFIN in die morbide Welt des alten Wiens eintauchen – zum ersten Mal stand sie dabei nicht selber hinter der Kamera, doch der vielfach ausgezeichnete Österreicher Martin Gschlacht („Club Zero“, „Des Teufels Bad“) hat hier wirklich abgeliefert. „Diese Bilder waren für mich der Ausgangspunkt und ich habe darum eine Geschichte entworfen, die sich auf die breite filmische Palette rund um Verfolgung und Flucht verlässt“, ergänzt Ottinger („Chamissos Schatten“). Und: „Ich arbeite gerne im Genre und war daran interessiert, den Vampirmythos neu zu interpretieren, weshalb ich die Rolle des vegetarischen Vampirs besonders hervorgehoben habe – ein junger Rebell, der sich gegen seine Familie stellt und eine Therapie macht, um wieder normal zu werden. Auf der anderen Seite stehen die Blutgräfin und ihre Zofe für die extremen Verführungserzählungen, die sich um Vampire ranken.“

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Die Blutgräfin (Luxemburg / Deutschland / Österreich 2026)

Länge

120 Minuten

Genre

Tragikomödie

Regie

Ulrike Ottinger

Drehbuch

Ulrike Ottinger

Kamera / Bildgestaltung

Martin Gschlacht

Darsteller

Isabelle Huppert, Birgit Minichmayr, Thomas Schubert, Lars Eidinger, André Jung, Marco Lorenzini, Karl Markovics, Felix Oitzinger, Tom Neuwirth, Maresi Riegner, Branko Samarovski, Inge Maux, Paul Matic, Elisabeth Augustin, Lino Gaier, Noah Saavedra, Valentin Postlmayr, Alex Kapl

Verleih

Neue Visionen Filmverleih GmbH

Filmwebsite

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