Klara und die Sonne

29.10.2026

Die filmischen Adaptionen der Romane von Literatur-Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro standen schon immer unter einem besonderen Stern – man denke nur an das tieftraurige Meisterwerk „Alles, was wir geben mussten“ (2010). Mit KLARA UND DIE SONNE wagt sich nun kein Geringerer als Taika Waititi an die Geschichte der künstlichen Freundin Klara, die darauf programmiert ist, der kranken Teenagerin Josie Einsamkeit und Leid zu nehmen.

Klara (Jenna Ortega) wünscht sich nichts sehnlicher, als das perfekte Zuhause zu finden, doch noch steht sie Tag für Tag in einem Schaufenster – denn Klara ist kein Mensch, sondern eine täuschend echt aussehende künstliche Freundin. Angesichts der neueren Modelle, die im Shop direkt gegenüber angepriesen werden, schwindet ihre Hoffnung, ein Zuhause zu finden. Schließlich entscheidet sich Josie (Mia Tharia) für sie, die allerdings ihre angespannte Mutter (Amy Adams) erst noch davon überzeugen muss, dass gerade dieses etwas sonderbare Modell die richtige Wahl ist. Beide haben einen schweren Verlust erlitten, doch Klaras unschuldiges Staunen und ihre unerschütterliche Loyalität beginnen die Familie zu heilen und Licht in Josies komplizierte Welt zu bringen.

Eine schwermütige literarische Vorlage trifft auf einen Regisseur, der für seinen exzentrischen Humor bekannt ist – eine Verbindung, die bereits im Vorfeld ein polarisierendes Experiment versprach. Entsprechend geteilt fallen nun die Reaktionen auf KLARA UND DIE SONNE aus. Während viele Kritikerkollegen mit Waititis eigenwilligem Zugriff auf den dystopischen, aber zutiefst humanen Stoff fremdeln, entfaltet der Film bei genauerem Hinsehen einen ganz eigenen, unbestreitbaren Charme. Waititi setzt auf eine eigenwillige Wärme und skurrile Zwischentöne, macht aber auch Klaras künstliche Wahrnehmung sichtbar: Wenn ihre Sicht auf die Umgebung in einzelne Bildfelder zerfällt, wird das vermeintlich Selbstverständliche zur Entdeckungsreise. Gerade dieser fremde Blick lässt ihre Neugier auf die menschliche Welt so nahbar wirken.

KLARA UND DIE SONNE profitiert enorm von seiner Hauptdarstellerin Jenna Ortega, die die Balance zwischen mechanischer Naivität und emotionalem Erwachen perfekt hält. Klaras unschuldiger Blick auf eine zunehmend zynische Menschheit ist das schlagende Herz der Erzählung. Waititi gelingt es phasenweise hervorragend, die Melancholie des Romans mit seiner typischen Leichtigkeit zu verbinden – ein Seiltanz, bei dem er allerdings nicht über die gesamte Laufzeit die Balance hält. Manchmal beißt sich die existenzielle Tragik der Vorlage mit dem inszenatorischen Augenzwinkern des Regisseurs, was dem Drama in den entscheidenden Momenten etwas an emotionaler Wucht nimmt.

KLARA UND DIE SONNE dürfte auch beim Publikum polarisieren – wie so viele Werke von Taika Waititi zuvor. Wer eine buchstabengetreue, durchgehend schwermütige Adaption erwartet, dürfte enttäuscht werden. Lässt man sich jedoch auf den Tonfall ein, bleibt ein warmherziges, visuell spannendes und durchaus charmantes Sci-Fi-Märchen, das wichtige Fragen über Liebe, Verlust und das, was uns menschlich macht, stellt.

Trailer

ab12

Originaltitel

Klara and the Sun (USA 2026)

Länge

117 Minuten

Genre

Drama / Komödie / Science-Fiction

Regie

Taika Waititi

Drehbuch

Taika Waititi, Dahvi Waller, basierend auf dem Roman von Kazuo Ishiguro

Darsteller

Jenna Ortega, Amy Adams, Mia Tharia, Aran Murphy, Steve Buscemi, Natasha Lyonne

Verleih

Sony Pictures Releasing GmbH

Filmwebsite

» zur Filmwebsite

Weitere Neustarts am 29.10.2026