Das Mädchen und die Spinne

Kinostart: 08.07.2021

ab16 OT: Das Mädchen und die Spinne (Schweiz 2020)
Länge: 98 Minuten
Genre: Drama
Regie: Ramon & Silvan Zürcher
Drehbuch: Ramon & Silvan Zürcher
Darsteller: Henriette Confurius, Liliane Amuat, Ursina Ladi, Flurin Giger, André M. Hennicke, Ivan Georgiev, Dagna Litzenberg Vinet, Lea Draeger, Sabine Timoteo, Margherita Schoch, Seraphina Schweiger, Birte Schöink, Yuna Andres, Dorian Heiniger, Ella Gfeller
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

Die Schweizer Zwillinge Ramon und Silvan Zürcher lieben die Reduktion. 2013 feierte das Paar mit „Das merkwürdige Kätzchen“ einen großen Erfolg bei der Berlinale – jetzt haben die Brüder mit „Das Mädchen und die Spinne“ den zweiten Tel ihrer Trilogie über menschliches Zusammensein vorgelegt. Auch wieder auf der Berlinale, geehrt mit zwei Preisen. Die Zürcher-Twins machen es dem Zuschauer nicht einfach. Wer sich auf den langsamen Erzählrhythmus der beiden nicht einlassen will, hat keine Chance. Ganz im Stil des französischen Altmeisters Robert Bresson verweigern sich die Zürchers der gängigen Filmsyntax. Hier darf sich der Zuschauer seine eigene Geschichte zusammensetzen – ein Puzzle, dessen einzelne Teile lange rätselhaft bleiben. Arthouse in Reinkultur!

Soviel ist klar: Mara (Henriette Confurius), Lisa (Liliane Amuat) und Markus (Ivan Georgiev) leben seit Jahren in einer Züricher WG zusammen. Mara und Lisa sind offensichtlich ein lesbisches Paar, das sich vor kurzem getrennt hat. Lisa zieht in eine eigene Wohnung, wobei ihr beim Umzug ihre Mutter Astrid (Ursina Lardi) und zwei Helfer (Andre M. Hennicke, Flurin Giger) zur Seite stehen. Auch Mara ist dabei – mit einem Grundriss der Wohnung frisch aus dem Drucker. Leider gehandicapt: mit Herpes auf der Oberlippe. In der ersten Hälfte des Filmes wird die neue Wohnung eingerichtet, in der zweiten werden Lisas restlichen Gegenstände aus der alten WG entfernt. Was genau zwischen den beiden jungen Frauen passiert ist, wird nie ganz deutlich. Aber offenbar ist der Bruch nicht mehr zu kitten. Mara macht Umzugshelfer Jan schöne Augen, doch der bandelt mit der Nachbarin an.

Die Züricher Zwillinge erzählen das schmerzhafte Ende einer Beziehung mit viel Sympathie für alle Figuren. Die Spinne aus dem Titel hat symbolischen Charakter: Diese Spinne, die ständig durchs Bild krabbelt, ist harmlos. Hier hat hat niemand Angst vor diesem Tier – ganz im Gegensatz zu den meisten Europäern. Das Ensemble spielt grandios – doch der Star des Films ist die Berlinerin Henriette Confurius. Wie sie den kompletten Film mit einem Herpes-Mal spielt, ohne mit der Wimper zu zucken, ist aller Ehren wert.

Wer sich auf diesen ungewöhnlichen, spröden Film voller Andeutungen einlässt, wird reich belohnt.

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