Cotton Queen

23.04.2026

Filme aus dem Sudan bilden auf der Kino-Weltkarte eher eine Ausnahme – das vom Bürgerkrieg erschütterte Land ist zudem eines der ärmsten der Erde und hat zur Zeit wohl Probleme genug und kaum Interesse an kulturellen Themen. So grenzt es fast schon an ein Wunder, dass mit COTTON QUEEN von Suzannah Mirghani der erste Film einer sudanischen Regisseurin in die Kinos kommt und durch die raffinierte Verzahnung von Realität, Mythologie und Traumwelt verzaubert.

Die 15-jährige Nafisa (Mihad Murtada) lebt in einem traditionellen Baumwolldorf im Sudan. Sie hat Sommerferien und muss mit ihren Freundinnen bei der Baumwollernte helfen. Ihre Großmutter Al-Sit (Rabha Mohamed Mahmoud), der die Felder gehören, brüstet sich damit, die reinste und schönste Baumwolle des Dorfes anzubauen. Als Dorfälteste hat sie das Zepter in der Hand und schürt die Legende, dass sie als ehemalige Baumwoll-Königin vor Jahrzehnten das Dorf von den britischen Kolonialherren befreit hatte, als sie den General der Besatzungsmacht im Bett ermordete.

Nafisa ist zum ersten Mal verliebt – in einen Zwiebel-Jungbauern, dem sie selbstgeschriebene Gedichte schenkt. „Die sind ja gar nicht gereimt“, ist seine verstörte Reaktion. Nach dem Baumwollpflücken gönnen sich die Freundinnen ein heimliches Bad im nahegelegenen Nil, was Al-Sit argwöhnisch registriert und am Ende strikt verbietet.

Mit der Ankunft von Nadir (Hassan Kassala), einem jungen sudanstämmigen Geschäftsmann aus dem Ausland, wird das Gleichgewicht innerhalb der Dorfgemeinschaft erschüttert. Mit genetisch verändertem Saatgut will er die Technologien im Baumwollanbau revolutionieren und lockt die Dorfbewohner mit viel Geld. Mit großem Hallo bezieht er die er die ehemalige Prunkvilla der Kolonialherren – inzwischen ein Geisterhaus. Seine ärgste Widersacherin ist Al-Sit, die kompromisslos an der Tradition festhalten will.

Doch Nafisas Eltern wittern die Chance, ihre Tochter mit Nadir, der offensichtlich auf Brautschau ist, zu verheiraten und so den Wohlstand der Familie zu sichern. Und Nafisa sitzt zwischen allen Stühlen: Liebe oder Reichtum? Tradition oder Fortschritt?

Im Stil des „magischen Realismus“ der lateinamerikanischen Literatur und des brasilianischen Kinos erzählt Regisseurin Suzannah Mirghani, die auch das Drehbuch schrieb, eine märchenhafte Geschichte voller Mythen und Magie: Da taucht ein Engel namens Amor auf, da spielt eine Szene vor begeisterten Kindern in einem Puppentheater – und kommentiert so das Ganze auf einer Metaebene.

Das alles bettet Kamerafrau Frida Marzouk in leuchtende Farben unter afrikanischer Sonne. Und die bildschöne Mihad Murtada ist eine Augenweide. Nur schade, dass der Bürgerkrieg so gar nicht vorkommt. Da stellt sich die Frage: Darf ein Film in diesen finstreren Zeiten so unpolitisch sein? Immerhin: Über Baumwolle erfährt man viel!

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Cotton Queen (Frankreich / Palästina / Sudan / Katar / Deutschland 2025)

Länge

95 Minuten

Genre

Drama

Regie

Suzannah Mirghani

Drehbuch

Suzannah Mirghani

Kamera / Bildgestaltung

Frida Marzouk, AFC

Darsteller

Mihad Murtada, Rabha Mohamed Mahmoud, Talaat Fareed, Haram Bisheer, Mohamed Musa, Hassan Kassala, Fatma Farid

Verleih

jip film & verleih GbR

Filmwebsite

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