DER FILM DER WOCHE

Helden der Wahrscheinlichkeit

Der Däne Anders Thomas Jensen ist derzeit der wohl berühmteste Drehbuchautor seines Landes. Niemand versteht es besser, die Skurrilitäten seiner Landsleute auf die Leinwand zu bringen – seinen absurden schwarzen Humor macht ihm keiner nach. Manchmal setzt er sich auch auf den Regiestuhl: Sein letzter Film war „Men & Chicken“ von 2015, wobei er in meinen Augen den Bogen etwas überspannt hatte. Das war damals alles zu krank und durchgeknallt, um noch witzig zu sein. In seiner neuesten Regiearbeit HELDEN DER WAHRSCHEINLICHKEIT – natürlich wieder nach eigenem Drehbuch – macht er dagegen alles richtig, diese schwarze Komödie ist einer der Höhepunkte des Kinojahres. Und er hatte das Glück, mit Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas die beiden aktuell wohl besten dänischen Schauspieler an seiner Seite zu haben.  Weiterlesen

Weitere Kinostarts am 23.09.2021

Toubab

Durch seine Arbeit in Theaterprojekten in einer Jugendstrafanstalt in Wiesbaden kam Regisseur Florian Dietrich in Kontakt mit Jugendlichen, denen eine Abschiebung droht, obwohl sie in Deutschland geboren sind und vielleicht niemals in ihrer „Heimat“ waren. Aus diesen Begegnungen ist TOUBAB entstanden, der gleichzeitig auch Dietrichs Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) ist. Dabei ist ihm ein wirklich differenzierter Blick auf einen Mikrokosmos gelungen.  Weiterlesen

The Many Saints of Newark

Die Kamera streift zu Beginn über die Gräber auf dem Friedhof von Newark, der hässlichen Stadt am Hudson River gegenüber von New York. Aus jedem Grabstein erklingt eine Stimme – letzte Worte eines oder einer Toten. Eine Stimme ist die der Familie der Moltisantis („Many Saints“) und Sopranos. Und deren Geschichte erfahren wir jetzt. Genialer kann ein Film nicht anfangen! Weiterlesen

Lionhearted – Aus der Deckung

Dokumentarfilme über das Boxen – gibt es davon nicht schon genug? Scheinbar ja, doch LIONHEARTED – AUS DER DECKUNG der deutschen Regisseurin Antje Drinnenberg ist völlig anders. Schon das vorangestellte Motto von Ex-Weltmeister George Foreman zeigt die Richtung an: „Life is a metaphor for boxing.“ (Das Leben ist eine Metapher für das Boxen.) Und genau das zeigt die Regisseurin in ihrem mitreißenden Film über die Jugend-Boxabteilung des TV 1860 München: Es geht um Selbstzweifel, den inneren Schweinehund überwinden und die Liebe zu diesem harten Sport – aber vor allem um den Teamgeist einer verschworenen Truppe. Weiterlesen

Schachnovelle

Viele von uns kennen die Erzählung noch als Schullektüre: „Schachnovelle“ gilt als das beste Werk von Stefan Zweig, der sich kurz nach der Vollendung des Textes 1942 in Brasilien gemeinsam mit seiner zweiten Frau das Leben nahm. Maria Schrader hatte darüber mit „Nach der Morgenröte“ einen sehr bewegenden Film gedreht. Der Münchner Regisseur Philipp Stölzl, dessen Desaster mit „Ich war noch niemals in New York“ wir noch gut in Erinnerung haben, hat sich jetzt an das berühmte Buch herangetraut. Seine SCHACHNOVELLE ist eine erstaunlich gut gelungene Literaturverfilmung. Dieses Genre scheint zur Zeit in Deutschland einen regelrechten Boom zu erleben – siehe „Fabian“ und „Felix Krull“.  Weiterlesen

The Sunlit Night

Nach den Erfolgen mit „Kriegerin“, „Feuchtgebiete“ und der Hitler-Satire „Er ist wieder da“ hat Regisseur David Wnendt mit THE SUNLIT NIGHT seinen ersten englischsprachigen Film gedreht. Das Werk lief zwar schon beim Filmfest Hamburg 2019, kommt aber erst jetzt ins Kino. Corona lässt grüßen! Frei nach dem Roman von Rebecca Dinerstein Knight hat Wnendt mit internationaler Besetzung eine leichtfüßige Komödie im Stil von Noah Baumbach gedreht – Independent-Kino vom Feinsten!  Weiterlesen