Frau Winkler verlässt das Haus

01.10.2026

Wie lebe ich mit einem Roboter? Diese Frage muss sich eine ältere Frau stellen, als sie nach einem Sturz zum Pflegefall wird. Die Tragikomödie FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS von Doris Dörrie zeigt uns eine Welt in nicht allzu ferner Zukunft, in der die KI das Leben bestimmt. Wie komisch dieses Zusammenleben sein kann, beweist uns die deutsche Erfolgsregisseurin mit ihrem wohl besten Film der jüngsten Zeit.

Hamburg, 2030. Die 80-jährige frühere Schauspielerin Frau Winkler (Angela Winkler) lebt allein in ihrem Haus in Nienstedten. Die einzigen Kontakte sind die gelegentlichen Besuche ihrer Tochter Emi (Laura Tonke), die endlich die Kraft gefunden hat, sich von ihrer dominanten Mutter abzunabeln, und ihrer Enkelin Billie (Zoë Baier). Per Vorhang-auf-und-zu-Ritual stellt sie eine nonverbale Verbindung zu ihrer Nachbarin gegenüber her.

Ihre Spaziergänge zum „Alten Schweden“ am Elbufer enden jedes Mal im Restaurant. Als sie einen Wodka bestellen will, verlangt der Kellner-Roboter die Vorlage ihrer Gesundheitskarte. Zu dumm: Auf dem Chip ist jeglicher Alkoholkonsum untersagt. Beim Richten ihrer Gardinen stürzt Frau Winkler schwer und bedarf nach dem Krankenhausaufenthalt täglicher Pflege. Da die Gelegenheits-Schauspielerin Emi – sie agiert vor Medizinstudierenden als Krebspatientin, der die tödliche Diagnose präsentiert wird und sie darauf ziemlich bizarr reagiert – sich keinen Platz im Heim leisten kann und zudem ein Engagement am Theater in Lübeck angenommen hat, überredet sie ihre Mutter, einen Pflege-Roboter ins Haus zu lassen.

Gesundheitsdienst-Mitarbeiterin Selma (Via Jikeli) preist das Modell in den höchsten Tönen an – doch erst als der Roboter Frau Winklers Lieblingssong („Blaue Augen“ von Ideal) spielt und sich den alten Bademantel ihres geliebten, früh verstorbenen Ehemanns Bruno umhängt, ist das Eis gebrochen: Der Roboter darf bleiben und erhält den Namen Pawlowitsch, nach einer Figur aus Frau Winklers Lieblings-Theaterstück „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow. In der Rolle hatte Bruno einst geglänzt.

Doris Dörries Casting-Coup: Pawlowitsch und der junge Bruno in den Rückblenden werden beide von Josef Ellers gespielt. Die Rolle der jungen Frau Winkler übernimmt Laura Tonke (allerdings mit Angela Winklers Stimme). Spiegelungen wie diese sind typisch für diesen Film. Denn was probt Emi in Lübeck? „Drei Schwestern“!

Täglich sendet Pawlowitsch Emi die Vitalfunktionen ihrer Mutter. Was alle wissen: Sollten diese Werte zu niedrig sein, ist der Roboter verpflichtet, der Patientin eine letale Dosis zu verabreichen, falls diese einen Todeswunsch äußert. Doch so weit sind wir noch nicht…

Das Zusammenleben mit Pawlowitsch wird immer erfreulicher: Der Roboter steckt voller Empathie. Nur seine Feinmotorik lässt zu wünschen übrig: Frau Winkler möchte so gern ein Spiegelei essen – doch Pawlowitsch scheitert beim Eieraufschlagen. So serviert er kurzerhand eine Bratpfanne mit einen Handspiegel und einem ganzen Ei. Mir scheint: Der Roboter hat Humor! Und eines Tages verlässt Frau Winkler an der Seite von Pawlowitsch das Haus – Filmtitel! –, um die Nachbarin gegenüber zu besuchen: Frau Siebrecht (Doris Kunstmann). Sie spielen ihr eine Szene aus „Drei Schwestern“ vor…

In „Ich bin dein Mensch“ (2021) von Maria Schrader spielte Maren Eggert an der Seite eines humanoiden Roboters (Dan Stevens), in FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS fehlt dem Wesen noch menschliche Gestalt. Aber warmherzig ist er schon – und das Finale rührt uns alle zu Tränen!

Mit FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS ist Doris Dörrie, die auch das Drehbuch verfasste, mal wieder ein richtig guter Film gelungen – mit einer Angela Winkler in Hochform. Doch ein paar Tschechow-Szenen weniger hätten auch gereicht.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Frau Winkler verlässt das Haus (Deutschland 2026)

Länge

112 Minuten

Genre

Drama / Komödie

Regie

Doris Dörrie

Drehbuch

Doris Dörrie

Kamera / Bildgestaltung

Leah Striker

Darsteller

Angela Winkler, Laura Tonke, Josef Ellers, Via Jikeli, Eugene Boateng, Zoë Baier, Sabrina Amali, Yvonne Yung Hee Bormann, Doris Kunstmann, Bettina Stucky, Klara Lange, Cathérine Seifert, Greta Sänger

Verleih

Wild Bunch Germany GmbH

Filmwebsite

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