Digger

01.10.2026

Die Filmwelt scheint über Alejandro G. Iñárritus neuesten Streifen DIGGER gespalten zu sein. Auch innerhalb unserer Redaktion gehen die Meinungen weit auseinander – von Meisterwerk bis Vollkatastrophe…

DIGGER erzählt von dem exzentrischen und skrupellosen Erdölmagnaten Digger Rockwell (kaum wiederzuerkennen: Tom Cruise), der durch eine illegale Bohrung in Grönland eine gigantische Erdspalte aufreißt und damit eine weltweite Klimakatastrophe auslöst. Als die Polkappen schmelzen und die Menschheit von Tsunamis bedroht wird, überzeugt ausgerechnet Rockwell den US-Präsidenten (John Goodman) davon, dass nur er die Krise eindämmen könne. Doch eigentlich ist Rockwell viel mehr damit beschäftigt, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Und so setzt er im Hintergrund alles daran, seine Firmenmacht zu sichern, jegliche Verantwortung von sich zu weisen und aus dem drohenden Weltuntergang sogar noch Profit zu schlagen. Ihm entgegen stellt sich sein Regierungsberater Ganesh (Riz Ahmed), der im lauten Chaos als moralisches Gewissen des Films fungiert. Doch je größer die Katastrophe wird, desto mehr Chaos bricht aus…

Wer die geteilten Meinungen zu „Digger“ als Scheitern verbucht, verkennt die DNA eines der visionärsten Regisseure unserer Zeit. Alejandro G. Iñárritu hat noch nie sicheres Kino gemacht. Schon mit seiner legendären Trilogía de la muerte („Amores Perros“, „21 Gramm“, „Babel“) revolutionierte er das episodische Erzählen durch rohe Emotionalität und ein unvergleichliches Gespür für das menschliche Drama. Später bewies er mit dem oscarprämierten „Birdman“, dass er die Grenzen des filmischen Raums durch scheinbar endlose Plansequenzen komplett sprengen kann, nur um kurz darauf mit „The Revenant“ ein physisch bis an die Schmerzgrenze gehendes Natur-Epos zu erschaffen. Iñárritus Genialität lag schon immer darin, das Publikum spürbar in die Enge zu treiben und das Kino als radikale, immersive Grenzerfahrung zu nutzen. DIGGER reiht sich nahtlos in dieses kompromisslose Lebenswerk ein – er transportiert diese gewohnte Intensität lediglich in die anarchische Form einer zutiefst zeitgemäßen Groteske.

Für Tom Cruise ist es definitiv eine seiner stärksten Rollen, wenn nicht gar die eindrucksvollste überhaupt. Mit Plauze, einer Trump-Gedächtnisfrisur und fiesem texanischem Akzent spielt er komplett gegen sein ewig jung gebliebenes Actionstar-Image an und legt dabei alles in die Waagschale.

Man könnte DIGGER vorwerfen, er sei inszenatorisch und soundtechnisch total over the top – aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Denn genau so sieht unsere heutige Welt aus, die Iñárritu in seiner Maßlosigkeit zu kritisieren versucht. Bei mir hat DIGGER einen unfassbaren Sog erzeugt, dem ich mich kaum entziehen konnte. Die apokalyptischen Tsunamis, das absolute Chaos im Weißen Haus und die Schlammschlachten entfalten besonders auf der großen Leinwand eine unbändige Wucht.

Zusätzlich arbeitet Iñárritu auf mehreren Meta-Ebenen, die sich in seiner vollen Gänze bei einer einzigen Sichtung gar nicht erfassen lassen. Denn in DIGGER steckt so viel mehr, als man im ersten Moment zu denken vermag.

DIGGER ist ein Film, der wehtut, ohne dabei eine Art Sicherheitsnetz zu liefern: Eine bitterböse, nihilistische Komödie über die Gier des Kapitalismus sowie die Selbstüberschätzung und den Narzissmus einiger Männer. Ein unberechenbares Brett von einem Film, den man einfach gesehen haben muss.

Trailer

ab12

Originaltitel

Digger (Großbritannien / Mexico / USA 2026)

Länge

129 Minuten

Genre

Action / Abenteuer / Komödie

Regie

Alejandro G. Iñárritu

Drehbuch

Alejandro G. Iñárritu, Alexander Dinelaris, Nicolás Giacobone, Sabina Berman

Story

Sabina Berman, Alejandro G. Iñárritu, Jez Butterworth

Kamera / Bildgestaltung

Emmanuel Lubezki

Darsteller

Tom Cruise, Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller, Michael Stuhlbarg, Jesse Plemons

Verleih

Warner Bros. Entertainment GmbH

Filmwebsite

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