Wer war der Mann, bevor er zum legendären österreichischen Bundeskanzler, Staatsmann und Reformer wurde? Das Biopic BRUNO – DER JUNGE KREISKY widmet sich den politischen Erweckungsjahren des jungen Bruno Kreisky und versucht, dieser Frage auf den Grund zu gehen.
Wien in den späten 1920er-Jahren: Als Schüler aus reichem, jüdischem Elternhaus wird Bruno Kreisky (Nils Arztmann) von der sozialistischen Arbeiterjugend nur widerwillig aufgenommen. Als die politische Spannung im Land immer mehr eskaliert, riskiert der junge Bruno mit seinen Kamerad:innen jedoch einiges. Sie organisieren verbotene Treffen, verteilen Flugblätter und lehnen sich so gegen das faschistische Regime auf. Doch egal, wie groß das Risiko auch ist, Bruno verteidigt seine Ideale und geht entschlossen seinen Weg…
Eigentlich ist das ein spannender und immer noch relevanter Stoff, den Regisseur Harald Sicheritz hier verfilmt hat. Doch das Drehbuch, das er zusammen mit Fritz Schindlecker und Helene Maimann verfasst hat, fühlt sich auf der Leinwand an wie ein stures Abhaken von Stationen. Dazu unterlässt es BRUNO – DER JUNGE KREISKY auch noch, ein wenig mehr über die Hintergründe dieser Zeit zu erzählen. Wer mit der österreichischen Geschichte nicht allzu vertraut ist, dem dürfte die Zuordnung einiger Namen schwerfallen.
Warum sich BRUNO – DER JUNGE KREISKY nicht mehr mit der Frage auseinandersetzt, wie dieser Mann tickt, was ihn bewegt oder woran er zweifelt, ist für mich absolut schleierhaft. Der Person Bruno Kreisky nähert sich der Film nämlich so gut wie gar nicht. Stattdessen wirkt das Ganze wie eine Schulstunde auf TV-Niveau, bei der die hinterste Reihe mal wieder mehr mit dem Bau von Papierfliegern beschäftigt ist. Kann ich verstehen, ist ja auch interessanter.
Besonders ärgerlich ist die eingestreute Liebesgeschichte zur Sängerin Adele Holzer (Maya Unger), denn diese ist rein fiktiv und führt dazu, dass sich BRUNO – DER JUNGE KREISKY erst recht wie ein Samstagabend-Unterhaltungsfilm anfühlt. Warum macht man überhaupt einen biografischen Film, wenn man sich dann doch fiktiven Elementen zuwendet?
Dabei sieht der Film ansonsten sehr hochwertig aus. Kulissen und Kostüme sehen hochwertig aus und die Darsteller geben durchaus ihr Bestes. Dass die Verdienste Kreiskys am Ende mit ein paar kurzen Tafeln abgehandelt werden, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Nein, ein solch weichgespültes „Biopic“ braucht nun wirklich kein Mensch.
Bruno – Der junge Kreisky (Deutschland / Österreich 2025)
116 Minuten
Biographie / Drama / Historie
Harald Sicheritz
Harald Sicheritz, Fritz Schindlecker, Helene Maimann
Fritz Schindlecker
Thomas Kürzl
Nils Arztmann, Maya Unger, Soi Schüssler, Noah Perktold, Simon Morzé, Juergen Maurer, Marie-Therese Futterknecht, Maresi Riegner, Lucas Englander, Thomas Stipsits, Proschat Madani, Tobias Resch, Gerhard Liebmann, Michael Steinocher, Johannes Silberschneider, Gerti Drassl, Adele Neuhauser
Alamode Filmdistribution OHG