Was passiert, wenn die Grundpfeiler unserer Sicherheit über Nacht wegbrechen? MORGEN WAR KRIEG geht dieser Frage nach, verliert sich dann aber in seiner eigenen Geschichte…
Die EU ist zerbrochen, und in Deutschland haben rechtspopulistische Strömungen die Macht übernommen. Als eine Generalmobilmachung erfolgt, desertiert der 33-jährige Jonas (Enno Trebs) und flüchtet mit seiner Halbschwester Leonie (Naila Schuberth), für die er gerade erst das Sorgerecht übernommen hat, zu seinem Vater Stuber (Ulrich Matthes). Da der Kontakt zu diesem seit Jonas’ Kindheit abgebrochen war, läuft die Wiederannäherung nicht gerade problemlos ab. Und auch wenn Jonas mit allen Mitteln versucht, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, eskaliert die Situation, und es kommt zur Katastrophe…
MORGEN WAR KRIEG beginnt äußerst eindringlich. Durch eine düstere Optik fängt Regisseur Nicolas Ehret die Stimmung präzise ein. Geschichtsinteressierte erkennen natürlich sofort die Parallelen zur Machtergreifung der Nazis 1933, und besonders in der aktuell angespannten Situation wirkt das Ganze noch einmal ein Stück bedrohlicher.
Allerdings unterlässt es Ehret, die Bedrohung zu konkretisieren. Für welchen Krieg gegen welchen Gegner die Mobilmachung erfolgt, bleibt unklar. Das mag einerseits die Gefahr bewusst relativieren, andererseits unterstreicht es jedoch auch die Ungewissheit der Protagonisten.
Dann verlässt MORGEN WAR KRIEG aber dieses bedrohliche Szenario und vergräbt sich förmlich in einer problematischen Vater-Sohn-Geschichte. Dadurch wird die Gefahr immer diffuser und somit auch unglaubwürdiger, weil dies der Geschichte die narrative Schlagkraft nimmt. Anstatt die totalitäre Wende mehr und mehr zu sezieren, wendet sich der Film von ihr ab. Doch dafür ist der von Enno Trebs gespielte Protagonist zu blass. Ohne wirkliche Ecken und Kanten gelingt es ihm nicht, die Spannung aufrechtzuerhalten. Ulrich Matthes kann mit seinen schauspielerischen Fähigkeiten zwar vieles auffangen, letztendlich retten kann er den Film jedoch nicht.
Trotz eines starken Starts kann MORGEN WAR KRIEG seine Qualität leider nicht über die vollen 119 Minuten halten. Es ist zu erkennen, dass Nicolas Ehret die Sache zwar sehr ambitioniert angegangen ist, dann aber die fundamentalen Fragen seiner Welt ausklammert, Dadurch behandelt die Inszenierung ihr hochbrisantes Kernthema im Verlauf der zwei Stunden immer stiefmütterlicher. Ein unbequemer Film, der leider zu oft im Ungefähren stecken bleibt.
Morgen war Krieg (Deutschland 2026)
119 Minuten
Drama
Nicolas Ehret
Nicolas Ehret
Fabian Gamper
Enno Trebs, Naila Schuberth, Ulrich Matthes, Susanne Bredehöft
Progress Film GmbH