Nachdem letztes Jahr mit Lesbian Space Princess bereits ein queerer Animationsfilm auf der Berlinale auf sich aufmerksam gemacht hat, folgt mit dem belgisch-französischen JIM QUEEN nun ein ebenso selbstbewusster Vertreter. JIM QUEEN ist ein buntes und schrilles Erlebnis, das kaum Rücksicht auf ein heterosexuelles Publikum nimmt.
Titelheld Jim Parfait ist ein überaus erfolgreicher, schwuler Fitness-Influencer, der eines Tages eine schreckliche Diagnose erhält: Er hat sich mit Heterose angesteckt. Dabei handelt es sich um ein Virus, das gutaussehende und gepflegte Gays schrittweise in unkultivierte, heterosexuelle Männer verwandelt. Auf der Suche nach einem Heilmittel trifft er auf seinen schüchternen Superfan Lucien. Gemeinsam begeben sie sich auf eine wilde Schnitzeljagd durch die französische Schwulenszene. Seine Premiere feierte JIM QUEEN dieses Jahr bei den Filmfestspielen von Cannes und wurde dort begeistert aufgenommen. Dabei ist das Animationsspektakel definitiv kein Film für alle. JIM QUEEN ist ein filmisches Ausrufezeichen, das in einem irren Tempo durch seinen wilden Plot rast.
Bereits die ersten Minuten zeigen, was für ein filmisches Erlebnis das Publikum erwartet. Mit einer basslastigen Musical-Einlage werden Jim und seine Gym Queens vorgestellt: eine Welt voller hypersexueller, durchtrainierter Körper. Im weiteren Verlauf präsentiert der Film unterschiedliche Communities innerhalb der schwulen Szene. Dabei werden munter Klischees bedient und bis ins Extreme überspitzt. Das wirkt stellenweise etwas didaktisch, ergibt im Kontext des Films aber durchaus Sinn. Schließlich begibt sich das Publikum gemeinsam mit dem jungen Lucien erstmals in den schwulen Dschungel.
Während die Reise der lesbischen Weltraumprinzessin eine zarte Coming-of-Age-Komödie im Sci-Fi-Gewand war, ist JIM QUEEN ein völlig überdrehter Genremix. Brachialer Humor trifft auf unterschiedlichste Genremotive, verpackt in einen knallbunten visuellen Overkill, der die Grenze zur Überforderung mehr als einmal streift. Ein Film voller großer theatralischer Gesten und bewusst platter Gags, die auch mal den guten Geschmack hinter sich lassen.
Das ist Stärke und Schwäche zugleich. JIM QUEEN ist ein herrlich überdrehtes Erlebnis für die schwule Community: ein echter Crowdpleaser, der extrem viel Spaß machen kann und unter all dem Prunk eine klare politische Haltung besitzt. Alle anderen müssen einiges schlucken – aber das ist vielleicht auch gut so. Wieso sollte sich der Film auch an ein gesittetes und biederes Publikum anbiedern? JIM QUEEN ist laut und bunt, richtig laut und richtig bunt, vielleicht zu laut, zu bunt – und das ist gut so!
Jim Queen (Belgien / Frankreich 2026)
86 Minuten
Animation / Komödie
Marco Nguyen, Nicolas Athané
Marco Nguyen, Nicolas Athané, Brice Chevillard, Simon Balteaux
Capelight Pictures Gerlach Selms GbR