Wann kann man schon mal einen Film in nur einem einzigen Satz zusammenfassen? Im Kriegsdrama PRESSURE von Anthony Maras dreht sich alles um die Frage. Wie wird das Wetter am D-Day? Das spricht aber nicht gegen die Qualität dieses Films. Denn obwohl wir die Antwort längst kennen, ist das, was wir sehen, unglaublich spannendes Kino.
Südengland, Juni 1944: Unter dem Oberbefehl von US-General Dwight D. Eisenhower (Brendon Fraser) steht die größte See-Invasion der Menschheitsgeschichte kurz bevor. Doch die geplante Landung der Alliierten an der Normandie-Küste hängt von einer entscheidenden Bedingung ab – dem richtigen Wetter. 72 Stunden vor diesem geplanten D-Day am 5. Juni holt Eisenhower den britischen Chefmeteorologen Captain James Stagg (Andrew Scott) in sein Team.
Frühmorgens verabschiedet sich Stagg im zerbombten London von seiner hochschwangeren Frau Liz (Tamsin Topolski), wird ins Hauptquartier der Alliierten chauffiert und landet in einem feudalen Schloss. Beim ersten Treffen mit Eisenhower stellt Stagg unmissverständlich klar, dass kein seriöser Meteorologe drei Tage im Voraus eine verlässliche Wettervorhersage machen kann. Der General erwidert, dass er sich bislang immer auf seinen Chefmeteorologen Irving P. Krick (Chris Messina) verlassen konnte. „Das mag für die Sahara gelten, aber nicht für das nördliche Europa“, ist Staggs knappe Antwort.
Im Arbeitsraum der Meteorologen lernt Stagg sein Team, das viel lieber zu Klaviermusik singt und tanzt, und den arroganten Krick kennen, der am liebsten analoge Karten – also die Wetterkarten vergangener Jahre – benutzt. Frei nach dem Motto: Das Wetter wiederholt sich. Der entsetzte Stagg kanzelt Krick knallhart ab und verdonnert sein Team zu Höchstleistungen. „Ich verlange exakte Daten von jeder Wetterstation – von Kanada bis Südeuropa.“
Staggs einzige Vertraute ist Eisenhowers Assistentin Kay Summersby (Kerry Condon), die Staggs Einsamkeit und Isolation inmitten der US-Soldaten spürt. Außerdem weiß sie um Staggs Kummer: Liz ist mit Wehen in ein Krankenhaus eingeliefert worden, das kurz danach bombardiert wurde. Niemand weiß, ob Liz noch lebt.
Beim entscheidenden Treffen mit Eisenhower sagt Stagg für den 5. Juni heftige Stürme und hohe Wellen voraus und rät davon ab, die Invasion zu wagen. Dagegen verkündet Krick strahlenden Sonnenschein und ruhige See. Wie wird sich der Oberbefehlshaber entscheiden? Es ist kein Geheimnis: Der D-Day war letztendlich am 6. Juni!
Im eigentlichen Sinne ist PRESSURE ein Kammerspiel über zwei willensstarke Personen in ihrem Ringen um Entschlossenheit und Selbstzweifel – ein Psychoduell auf Augenhöhe. Dem Film sieht man an, dass er auf einem Theaterstück basiert. Dieses stammt von David Haig, der auch zusammen mit Anthony Maras das Drehbuch verfasste. Bei den an der Normandie-Küste spielenden, aufwendig inszenierten Szenen fühlt man sich natürlich an Steven Spielbergs erste halbe Stunde von „Der Soldat James Ryan“ erinnert. Das tut PRESSURE aber keinen Abbruch. Großes Kino!
Pressure (Großbritannien 2026)
100
Historie / Krieg / Thriller
Anthony Maras
David Haig , Anthony Maras, basierend auf dem Theaterstück von David Haig
Jamie D. Ramsay
Andrew Scott, Brendan Fraser, Kerry Condon, Chris Messina, Damian Lewis
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