Der junge belgische Regisseur Valéry Carnoy liefert mit WILD FOXES seinen ersten abendfüllenden Spielfilm ab. Ein realitätsnahes Boxerdrama, das ungewohnt tief schürft – und das packend vom Coming-of-Age eines talentierten Nachwuchssportlers nach einem Schicksalsschlag erzählt. In der Hauptrolle überzeugt Jungstar Samuel Kircher („Im letzten Sommer“) vollends.
Der Filmemacher Valéry Carnoy hatte sich bereits in seinem international ausgezeichneten Abschlussfilm „Ma Planéte“ (u.a. der Best Film Award bei den Tallin Black Nights) mit Aspekten von Maskulinität und Körperlichkeit auseinandergesetzt. Das Drehbuch zu seinem Spielfilmdebüt WILD FOXES, das Carnoy zusammen mit Jacques Akchoti verfasste, sollte sich auch mit fragiler Männlichkeit beschäftigen. Außerdem ging es bei dem Projekt darum, Körper zu zeigen, die nicht unbedingt dem Ideal entsprechen: Fett, dürr, untrainiert, muskulös. Das sieht man im Film selten.
Wir erleben ein Sportdrama der anderen Art, keine Heldengeschichte, wie sie uns von Filmen wie der „Rocky“-Reihe immer wieder erzählt werden. Im Zentrum von WILD FOXES steht ein zerbrechlicher Junge, der als talentierter Nachwuchsboxer ein Sportinternat im ländlichen Frankreich besucht. Camille ist ehrgeizig und trainiert hart für anstehende Wettkämpfe. Die Szenen im Ring hat Carnoy zusammen mit seinem Kameramann Arnaud Guez lebensnah in Szene gesetzt. Nur der Hauptdarsteller Samuel Kircher hatte vorher keine Berührungspunkte zum Boxsport. Der Rest des Casts besteht vor allem aus Laien, die den toughen Sport kennen. Deshalb wirkt alles so echt.
Camille füttert heimlich Füchse im angrenzenden Wald. Er hängt rohes Fleisch an die Äste der Bäume und wartet geduldig auf die Tiere. Doch bei einem seiner Waldausflüge stürzt Camille von einem Felsen. Sein bester Freund Matteo (Fayçal Anaflous) rettet ihn zwar, doch die Boxhoffnung ist fortan traumatisiert. Die körperliche Genesung schreitet zwar gut voran, aber Camille wird zunehmend von unerklärlichen Schmerzen heimgesucht, die sein Training beeinträchtigen. Ist der Traum von einer Karriere nun etwa vorbei?
Während seine Altersgenossen im Internat weiter trainieren, um ihren Körper zur Waffe zu machen, muss sich Camille mit der eigenen Verletzlichkeit auseinandersetzen. Nur die Tae-Kwon-Do-Kämpferin Yas (Anna Heckel) zeigt Verständnis. Die beiden nähern sich an. Die Beziehung zu seinen Teamkollegen verschlechtert sich aber zusehends, da diese keine Schwäche kennen. Eine schwierige Situation für Camille, dessen Erwachsenwerden Valéry Carnoy in WILD FOXES sensibel und hautnah schildert. Selbst die Freundschaft zu Matteo ist nun gefährdet. In der Männerwelt des Boxsports gilt halt das Gesetz des Stärkeren.
Findet Camille wieder in den Alltag zurück? Kann er fortan sein Leben meistern? Carnoy bringt uns das Coming-of-Age des jungen Sportlers, der mit sich selbst hadert, dynamisch und nuancenreich nahe. Die titelgebende Rahmenhandlung mit den Füchsen, die ums Internat streifen, macht WILD FOXES zum Naturschauspiel. Ein kleiner, feiner Film mit einem sensationellen Samuel Kircher in der Hauptrolle!
Das ungewöhnliche Boxerdrama feierte im Mai 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes seine Premiere und lief im selben Jahr beim Filmfest Hamburg in der Jugendfilm-Sektion „Michel“. WILD FOXES ist aber für Groß und Klein geeignet. Echtes Kino, handfest und ohne Klischees erzählt. Es geht zudem um wichtige Werte wie Freundschaft, Mut und die Kraft, für sich einzustehen.
La danse des renards (Belgien / Frankreich 2025)
94 Minuten
Drama
Valéry Carnoy
Valéry Carnoy, Jacques Akchoti
Arnaud Guez
Samuel Kircher, Fayçal Anaflous, Anna Heckel, Jef Jacobs, Hassane Alili, Salahdine El Gharchi, Jean Baptiste Durand, Raphaël Thierry, Yoann Blanc
Grandfilm GmbH