The Love That Remains

18.06.2026

Kunst, Natur, vier Jahreszeiten, das Ende einer Ehe – der isländische Regisseur Hlynur Pálmason erzählt in THE LOVE THAT REMAINS eine Trennung auf Raten, die sich fast ausschließlich in Bildern vollzieht. Dieser melancholische Film überrascht mit seinem skurrilen Humor und seinem lakonischen Stil. Das hermetische Meisterwerk entfaltet eine fast reine Poesie.

Die aufstrebende Künstlerin Anna (Saga Garðarsdóttir) muss mit ansehen, wie ein Kran das Wellblechdach einer leeren Halle abreißt – das war mal ihr Atelier. Da das neue Atelier noch nicht bezugsfertig ist, hat sie sich auf Land Art spezialisiert und arbeitet im Freien – inmitten der wilden Natur Islands. Ihre Materialien sind Leinwände und bizarr geformte Metallteile, die sie verrosten lässt.

Anna lebt mit ihren drei Kindern Ída (Ída Mekkín Hlynsdóttir), Grímur (Grímur Hlynsson) und Þorgils (Þorgils Hlynsson) sowie Familienhund „Panda“ in einem einsam gelegenen Haus. Ihr Noch-Ehemann Magnús (Sverrir Guðnason) arbeitet auf einem Fischereitrawler und ist meist wochenlang auf hoher See. Innerhalb der Familie wirkt er bei seinen wenigen Landgängen wie ein Gast – fast wie ein Fremder.

Gemeinsam wandern sie mit den Kindern in den Bergen, angeln Fische, laufen Schlittschuh, schießen mit Pfeil und Bogen, sammeln Heidelbeeren oder beobachten Wildpferde und Wale. Doch diese heile Welt hat längst Risse. In einer symbolträchtigen Einstellung halten die beiden Söhne einen riesigen gefangenen Fisch in ihren Armen – jeder eine Hälfte. Und was für eine Rolle spielt die Vogelscheuche in Ritterrüstung?

Der Zuschauer muss sich auf die vielen Symbole und Metaphern sowie die extrem spröde Bildsprache einstellen, um einen Zugang zu THE LOVE THAT REMAINS zu finden. „Die Liebe, die bleibt“ ist ein Versprechen, eine unausgesprochene Hoffnung. Die Ehe ist gescheitert – aber vielleicht bleibt ja eine andere Art der Verbundenheit. Was diesen Film so ungewöhnlich macht: Die Trennung wird nie dialogreich ausdiskutiert – es ist eine Trennung im stillen Einverständnis. Alles daran scheint im Einklang mit der Natur zu stehen.

Wie persönlich THE LOVE THAT REMAINS für den Regisseur war, zeigt sich daran, dass er seine drei eigenen Kinder mit ihren echten Vornamen vor die Kamera holte und die gezeigten Kunstwerke selbst erschuf.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Ástin sem eftir er (Schweden / Frankreich / Island / Dänemark 2025)

Länge

110 Minuten

Genre

Drama

Regie

Hlynur Pálmason

Drehbuch

Hlynur Pálmason

Kamera / Bildgestaltung

Hlynur Pálmason

Darsteller

Saga Garðarsdóttir, Sverrir Gudnason, Ída Mekkín Hlynsdóttir, Grímur Hlynsson, Þorgils Hlynsson

Verleih

Plaion Pictures GmbH

Weitere Neustarts am 18.06.2026