Von Hinterzimmer zu Hinterzimmer. Hässlich gelbe Decken und Wände. Bedrohliches Flackerlicht. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen in den BACKROOMS, die Möbelhausbesitzer Clark eher zufällig durch einen Spalt in der Wand betritt. Der blutjunge Regisseur Kane Parsons, der den Mythos der „Backrooms“ bereits seit 2019 sehr erfolgreich auf YouTube zum Internetphänomen machte, überzeugt in seinem Spielfilmdebüt mit einer ungemütlichen Lynch-Atmosphäre.
Clark (Chiwetel Ejiofor) arbeitet gemeinsam mit seiner Therapeutin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) seine gescheiterte Existenz auf. Die beruflichen Träume hat er aufgegeben, um seiner Frau das Studieren zu ermöglichen. Sein Sonderposten-Möbelmarkt macht ihn nicht glücklich, die Frau hat ihn mittlerweile auch verlassen, weil er zu tief in die Flasche geschaut hat. Und auch die Rollenspiele, zu denen ihn Dr. Mary Kline animiert, scheinen keine Besserung zu bringen. Frau Doktor hat zudem eine eigene Vergangenheit aufzuarbeiten.
Im Möbelhaus gibt es nicht nur Probleme mit der Elektrik, Clark entdeckt auch einen Lichtspalt in der Wand. Erst streckt er nur die Hand hindurch, dann entschwindet er komplett in die BACKROOMS: Auf den ersten Blick sieht es hier ähnlich aus wie im Sonderpostenmarkt. Die Wände sind in einem hässlichen Gelbton gehalten, das Deckenlicht flackert. Viele leere Flure führen von Hinterzimmer zu Hinterzimmer. Doch irgendetwas stimmt hier nicht. Zunächst sind es nur Möbel, die haufenweise gestapelt sind. Dann gesellen sich bedrohliche Töne und andere Anomalitäten dazu.
Clark begibt sich auf eine Expedition mit seinen Mitarbeitern Bobby (Finn Bennett) und Kat (Lukita Maxwell), die sie in die unendlichen Weiten der Hinterzimmer führt. Was da passiert, sei an dieser Stelle aber nicht verraten. Nur so viel: Dr. Mary Kline macht sich Sorgen um ihren Patienten und sucht das Möbelhaus auf. Da ist Clark nicht zu finden, aber an der Wand ist eine Tür eingezeichnet. Natürlich schlüpft Frau Doktor dort durch in die andere Dimension. Dort trifft sie auf einen Clark, der sich in den BACKROOMS scheinbar häuslich eingerichtet hat. Probleme im sozialen Umgang mit Menschen hat er dort zumindest nicht. Doch Dr. Mary Kline will ihm auch da ins Gewissen reden. Spätestens hier kippt die Stimmung endgültig ins Unheimliche und Horrorelemente tauchen vereinzelt auf.
Der US-amerikanische Science-Fiction-Horrorfilm BACKROOMS basiert auf der gleichnamigen urbanen Legende und Creepypasta, die Parsons in seiner YouTube-Serie „Backrooms“ verarbeitet hat. Der Mythos entstand 2019 als Internetphänomen, fand schnell weltweit Anhänger und wurde über die Jahre weiterentwickelt. Parsons erster Beitrag dazu entstand vor vier Jahren: Mit dem Kurzfilm „The Backrooms (Found Footage)“, der auf YouTube über 71 Millionen Mal aufgerufen wurde, gelang dem damals 16-jährigen ein Riesenhit. Den Kinofilm drehte Parsons nun für A24 nach einem Drehbuch des renommierten Autors Will Soodik („Westworld“, „Homeland“, „Ash vs Evil Dead“).
Parsons nutzte zuvor die 3D-Software Blender und Adobe After Effects, um seine ursprünglichen YouTube-Videos zu erstellen. Für sein Spielfilm-Regiedebüt wurden nun auf einer Fläche von 2.800 m² Kulissen gebaut, was Berichten zufolge dazu führte, dass sich Leute am Set verirrten. Der Soundtrack zu BACKROOMS wurde von Edo Van Breemen und Kane Parsons komponiert. Der Kino-Newcomer schafft labyrinthartige Welten, die mit einer bedrohlichen Atmosphäre überzeugen, zu der die Filmmusik und die restliche Tonspur maßgeblich beitragen. Hat Parsons etwa die Lynch-Meisterklasse besucht?
Außerdem kann es nicht schaden, dass die Oscar-nominierten Chiwetel Ejiofor („12 Years A Slave“, „The Life of Chuck“) und Renate Reinsve („Sentimental Value“, „Der schlimmste Mensch der Welt“) die Hauptrollen in BACKROOMS übernommen haben. Ihre durchdringenden Schauspielkünste sorgen definitiv dafür, dass das unterschwellige Grauen noch glaubhafter vermittelt wird. In einer Nebenrolle tritt auch der US-amerikanische Tausendsassa Mark Duplass (Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Musiker) in Erscheinung. Das wird einige sicherlich erfreuen, schließlich hat Duplass gemeinsam mit seinem Bruder Jay das Independent-Genre Mumblecore entscheidend mitgeprägt. Und Kane Parsons liefert mit gerade einmal 21 Jahren ein bemerkenswert souveränes Spielfilmdebüt ab. Was mag da noch kommen? Wir sind zumindest gespannt. Die jungen YouTuber (u. a. auch die Australier Danny und Michael Philippou, die dort mit ihrem Kanal „RackaRacka“ gestartet sind) setzen auf jeden Fall gerade die Akzente im Horrorfilmgenre.
Backrooms (USA 2025)
111 Minuten
Horror / Science-Fiction
Kane Parsons
Will Soodik
Jeremy Cox
Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett, Lukita Maxwell
Constantin Film Verleih GmbH