Cyberpunk Romance

18.06.2026

Dass Science-Fiction aus Deutschland nicht funktionieren würde, hört man leider immer öfter. Joscha Douma zeigt mit CYBERPUNK ROMANCE eindrucksvoll, wie überholt diese Aussage inzwischen ist…

Wir befinden uns in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. Mit Hilfe sogenannter Ports können sich menschliche Gehirne direkt mit Computern verbinden. Mal eben eine weitere Fremdsprache lernen oder sich neues Wissen aneignen – all das und noch viel mehr ist nur einen kurzen Download entfernt. Doch können wir denjenigen trauen, die diese Technologie überwachen?

Ein junges Hacker-Kollektiv hat sich zum Ziel gesetzt, die Ports des Tech-Riesen „QMind“ von dessen Netz abzutrennen, um das Risiko zu minimieren. Doch als Milo (Jannik Schümann) in ein neurotechnisches Koma fällt, ist guter Rat teuer. Soll sich ein Mitglied der Hackergruppe direkt mit ihm verbinden und dabei das Risiko eingehen, einen potenziellen Virus zu verbreiten?

Als ihnen die Zeit davonrennt, entschließt sich seine Freundin Mona (Naemi Florez), die eigentlich strikt gegen die neue Technologie ist, doch noch zum Setzen eines eigenen Ports. Denn um Milo zu retten, muss sie sich in seinen Kopf begeben…

Immer wieder hadere ich selbst mit Science-Fiction-Filmen, wenn die Begriffe, die im Film fallen, völlig frei erfunden sind. Das fällt mir als hauptberuflichem IT-Entwickler natürlich besonders auf. Doch bei CYBERPUNK ROMANCE hatte mich bereits der Trailer angesprochen, und so war eine Sichtung beim Filmfest Emden-Norderney gesetzt, wo der Film im Programm lief. Und was soll ich sagen? Selten hat mich ein Sci-Fi-Werk aus deutschen Landen so sehr überzeugt wie in diesem Fall. Je weiter die Story voranschritt, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass Autor und Regisseur Joscha Douma dem Ganzen ein verdammt hohes Maß an Recherche vorausgehen ließ.

CYBERPUNK ROMANCE erzählt eine starke Geschichte, die inzwischen gar nicht mehr so weit von der Gegenwart entfernt ist. So arbeitet die Firma „Neuralink“ von Elon Musk bereits seit Längerem an einer solchen Computer-Gehirn-Schnittstelle. Aber wollen wir dem reichsten Menschen der Welt den Zugriff auf unser Gehirn überlassen? Ich denke nicht, vor allem nach seinen faschistischen Gebärden der letzten Zeit. Genau dieser Problematik widmet sich Joscha Douma in seinem Film mit einem bemerkenswerten Gespür für gesellschaftliche Relevanz.

Dass Douma und sein Team diesen Film mit einem äußerst geringen Budget gedreht haben, mag man kaum glauben. Gleich zu Beginn wird man als Zuschauer förmlich in eine Welt aus flackerndem Neonlicht hineingezogen, die gleichermaßen beeindruckt und erschreckt. Das Szenenbild von Christian Strang liefert eine eindrucksvolle Kulisse, die mehr als stimmig wirkt und so detailreich ausgestattet ist, dass man sich darin durchaus – im positiven Sinne – verlieren könnte.

Aber auch mit seinen Darsteller:innen ist Douma eine Meisterleistung gelungen. Naemie Florez überzeugt mit ihrer unfassbaren Natürlichkeit. Kaum zu glauben, dass CYBERPUNK ROMANCE ihr Spielfilmdebüt als Schauspielerin ist. Dass sie ursprünglich für die Rolle der Jules vorgesprochen hat, Joscha Douma aber in ihr vielmehr eine „Mona“ gesehen hat, zeigt, dass der Autor und Regisseur auch ein gutes Händchen für das Casting hat, wie er mir im Interview verraten hat. Jannik Schümann hingegen ist kaum wiederzuerkennen, passt aber ebenfalls perfekt zu seiner Rolle.

Bleibt zu hoffen, dass CYBERPUNK ROMANCE sein Publikum in den deutschen Kinos finden wird. Verdient hätte es der Film allemal. Und wenn mir Joscha Douma am Ende unseres Gesprächs beim Filmfest Emden-Norderney von seinem nächsten spannenden Projekt erzählt, dann ist es umso wichtiger, dass CYBERPUNK ROMANCE jetzt zum Erfolg wird, damit die Finanzierung des Nachfolgers überhaupt erst möglich wird…

Interview

Beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney konnte ich meine Eindrücke von CYBERPUNK ROMANCE in einem ausführlichen Gespräch mit Autor und Regisseur Joscha Douma vertiefen:

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Cyberpunk Romance (Österreich / Deutschland 2025)

Länge

99 Minuten

Genre

Drama / Science-Fiction

Regie

Joscha Douma

Drehbuch

Belo Schwarz

Kamera / Bildgestaltung

Sebastian Thaler

Darsteller

Naemi Florez, Jannik Schümann, Thomas Mraz, Paula Hans, Eleonore Weisgerber, Anna Wagner, Nicklas Kingo, Valentin Hagg

Verleih

Salzgeber & Co. Medien GmbH

Filmwebsite

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