The Irishman

Kinostart: 14.11.2019

ab16 OT: The Irishman (USA 2019)
Länge: 209 Minuten
Genre: Thriller
Regie: Martin Scorcese
Drehbuch: Steven Zaillian, basierend auf dem Buch von Charles Brandt
Darsteller: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci, Jesse Plemons, Anna Paquin, Stephen Graham, Bobby Cannavale, Harvey Keitel, Jack Huston, Ray Romano,
Verleih: Filmwelt Verleihagentur GmbH / Netflix

Wer hat Jimmy Hoffa getötet? Der Gewerkschaftsführer und berüchtigte Chef der Teamsters-Gewerkschaft, dessen Verbindungen zur organisierten Kriminalität weitreichend waren, beendete seine Karriere mit einer Verurteilung wegen Geschworenenmanipulation, versuchter Bestechung und Betrug. 1971 wurde er jedoch von Präsident Nixon begnadigt. Kurz darauf verschwand er spurlos und wurde 1982 legal für tot erklärt. Es kursierten verschiedene Theorien darüber, was mit ihm geschah, doch nur wenige überzeugen so wie die von Frank „The Irishman“ Sheeran, die er dem Journalisten Charles Brandt gegenüber enthüllte… 

Start bei Netflix: 27.11.2019

Kritik

Zwei Wochen vor ihrer Veröffentlichung bei Netflix kommt das neue Mafia-Epos THE IRISHMAN für wenige Screenings in die deutschen Kinos.

Im Oktober war THE IRISHMAN der große Abschlussfilm des BFI London Film Festival, bei dem Regisseur Martin Scorsese gemeinsam mit seinen Hauptdarstellern Robert De Niro und Al Pacino den Film vorstellte. Alle drei waren sichtlich stolz auf das, was sie da abgeliefert haben, auch wenn die Lauflänge von knapp dreieinhalb Stunden sicherlich nicht jedermanns Sache ist. 

Direkt nach der Vorführung in London waren erste Stimmen zu hören, die kritisieren, dass der Film viel zu lang und viel zu zäh sei. Das mag durchaus der Fall sein, aber man sollte nicht vergessen, dass das genau das Ansinnen des Regisseurs war. Bereits im Vorfeld und auch bei der anschließenden Pressekonferenz ließ sich Scorsese zudem dazu hinreißen, sich negativ über die regelrechte Invasion der Marvel- und DC-Comic-Verfilmungen auszulassen, die in seinen Augen kein wirkliches Kino sind. Vielleicht bringt genau diese Aussage einige der Besucher des Festivals, THE IRISHMAN per se als schlecht zu befinden, weil er ja gegen ihre ach so tollen Avengers-Filme gemeutert hat. Bitte nicht nicht falsch verstehen: Auch ich mag die Filme des Marvel-Universums, sehe aber auch die Problematik, dass das Überangebot dieser Filme wiederum andere verhindert, bzw. Sichtbarkeit nimmt. Ich halte es aber für ein falsche Signal, einen Film nur aufgrund dieser Meinungsäußerung zu verteufeln. 

Ja, THE IRISHMAN ist mit 209 Minuten wirklich extrem lang und ja, über weite Strecken passiert tatsächlich herzlich wenig. Darauf muss man sich einlassen und ich verstehe jeden, der das nicht möchte. Wenn man aber erst einmal einen Zugang gefunden hat, dann fasziniert die Erzählweise Scorseses ungemein. Er nimmt sich nun mal einfach die Zeit die Geschichte so zu erzählen, wie er es für richtig hält. Ob seine Variante des Verschwindens des Gewerkschafts-Bosses Jimmy Hoffa nun die richtige ist, lässt der Film aus, schließlich ist der Fall nach wie vor ungeklärt. Er hofft, jedoch, dass durch den Film vielleicht endlich neue Ermittlungen eingeleitet werden, so Scorsese auf der Pressekonferenz.

Im Film kommt zudem eine neue Technik zum Einsatz, die die Charaktere in einigen Einstellungen digital verjüngt. So konnten Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci – der für diesen Film seinen Ruhestand ausgesetzt hat – ihre Figuren in allen Alterslagen spielen. Erstaunlicherweise ist diese Technik bereits ziemlich ausgereift, so dass sie nur kurzzeitig beim Zuschauer für Irritationen sorgt, dann aber sehr schnell in Vergessenheit gerät. Für die Darsteller führte das allerdings zu einem neuen Problem, wie De Niro auf der Pressekonferenz sagte. Schließlich muss man sich anders verhalten und ein anderes Gangbild haben, wenn man einen Dreißigjährigen spielt, was für den 76-jährigen De Niro nicht gerade einfach war.

Im Gegensatz zu seinen bisherigen Mafia-Filmen setzt Scorsese hier zudem auf eine differenzierte Darstellung der Gangster. Statt ihre Taten zu glorifizieren, stellt er sie als im Grunde traurige Individuen vor, die sich in ihrem Leben nie wirklich auf andere verlassen können und sich ihren Lebensabend durch ihre Taten selbst verdorben haben. Das unterscheidet THE IRISHMAN deutlich von GODFELLAS, CASINO oder DEPARTED.

THE IRISHMAN zeigt eine Form des Kinos, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. Gerade deshalb lohnt es sich, auf diesen Film einzulassen. Vielleicht muss man ihn nicht zwingend auf der großen Leinwand sehen, es schadet aber auch nicht, den Gang ins nächstgelegene Kino zu wagen. Denn wenn man dazu bereit ist, dann wird man durchaus mit einem Meisterwerk belohnt. 

Bildergalerie der Pressekonferenz

Im Rahmen des BFI London Film Festivals stellten Martin Scorsese, Robert De Niro und Al Pacino ihren Film THE IRISHMAN vor: 

 

Bildergalerie

 

Trailer

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Filmplakat

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