Nulpen

18.06.2026

Ein Sommertag im heißen Berlin, zwei Freundinnen nach dem Abi auf Sinnsuche, ein freigelassener, seltener Vogel und jede Menge Statements zum Thema Klimawandel: Das alles packt die Regisseurin Sorina Gajewski in die 81 Minuten ihres Spielfilmdebüts NULPEN.

Das Überraschendste an diesem Coming-of-Age-Film ist der Titel selbst: Der Begriff „Nulpe“ ist nun wirklich total obsolet und stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Laut Wikipedia „wird damit umgangssprachlich eine Person bezeichnet, die vom Sprecher für einen Dummkopf, Versager, Nichtskönner oder einen energielosen oder wunderlichen Menschen gehalten wird“. Dass wir hier keinem Historienfilm beiwohnen, wird erst deutlich, als endlich das Wort „Digga“ fällt.

Das Thermometer in der Berliner Plattensiedlung zeigt knapp 40 Grad. Die beiden Freundinnen Ramona (Bella Lochmann) und Nico (Pola Geiger) haben gerade ihr Abi hinter sich und lassen sich eher lustlos treiben. Null Bock auf irgendetwas – schon gar nicht auf die Zukunft. Wegen der unerträglichen Hitze reichen ihre Dialoge nur für Themen wie Silberfische und Spinnen. Aber Hauptsache sie reden. Aus purer Langeweile schießen sie eine Zwille Richtung Häuserzeile gegenüber. Man hört das Scheppern, ein Fenster ist hin. Kurz darauf klingelt der erboste Leidtragende an ihrer Tür, doch die Mädels geben keinen Mucks von sich.

Der ältere Mann vor der Tür kehrt seine pädagogische Seite hervor, schiebt das Programm seiner Partei unter der Tür durch und stellt seinen Vogelkäfig auf die Fußmatte. „Jetzt habt ihr eine Aufgabe, kümmert euch ein paar Tage um diesen seltenen Vogel.“ Doch Ramona und Nico haben nichts Besseres im Sinn, als das Tier freizulassen. Als dann auch noch Ramonas Mutter auftaucht, ist der Ärger groß. Die beiden Mädels reißen aus und stürzen sich in den Berliner Alltagstrubel – mit Ramonas kleinem, nervigen Bruder Noah (Rio Kirchner) im Schlepptau, der unbedingt den Vogel einfangen will.

Was folgt, ist eine Odyssee über den heißen Asphalt. Die drei begegnen Demonstranten gegen den Klimawandel, zwei zaubernden Clowns, einer Tänzerin, gewaltbereiten Jugendlichen, die Noah dabei beobachtet, wie sie einen Molotowcocktail herstellen – und immer wieder Erwachsenen, die meinen, ihren Senf dazugeben zu müssen. Mir ist das alles zu aufdringlich!

Eine Szene ist wirklich spektakulär und kommt total unerwartet: Ramona und Nico stehen auf dem Dach eines Hochhauses und blicken zum Horizont. Plötzlich stehen sie mitten in der Natur und schauen in ein grünes Tal mit bizarren Felsformationen (offenbar in der Sächsischen Schweiz gedreht). Hier geht die Fantasie mit den beiden Teenagern durch. Völlig unspektakulär endet der Film dann am Abend mit einer Umarmung von Ramona und Nico. Sinnsuche geht auch anders.

Sorina Gajewski ist Absolventin der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Diesen akademischen Look sieht man dem Film an. Hier trifft lakonische, improvisierte Lockerheit auf ein Drehbuch, das ebenfalls von der Regisseurin selbst verfasst wurde, mit Anliegen. Warum diese ständigen Radiomeldungen im Off über den Klimawandel…? Immerhin: Mit dem Einsatz der Handkamera und den vielen Jump-Cuts verbeugt sich Sorina Gajewski vor den Anfängen der Nouvelle Vague um 1960.

Trailer

ab12

Originaltitel

Nulpen (Deutschland 2025)

Länge

81 Minuten

Genre

Tragikomödie

Regie

Sorina Gajewski

Drehbuch

Sorina Gajewski

Kamera / Bildgestaltung

Hannes Schulze

Darsteller

Bella Lochmann, Pola Geiger, Rio Kirchner, Carl Bagnar, Katrine Eichberger, Eva Medusa Gühne, Cleo Holder, Lara-Sophie Milagro, Marc Philipps, Marisa Wojtkowiak, Bärbel Tech, Laura Zemke

Verleih

UCM.ONE GmbHr

Filmwebsite

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