In der Welt der Animationsfilme sind queere Charaktere eher in der Unterzahl. Der australische Film LESBIAN SPACE PRINCESS möchte das ändern und liefert ein Feuerwerk der Komik gepaart mit Absurditäten en masse. We like!
Prinzessin Saira (im Original: Shabana Azeez, in der deutschen Fassung: Genet Zegay) ist am Boden zerstört. Gerade erst hatte die Tochter der lesbischen Königinnen des Planeten Clitopolis die scharfe Kopfgeldjägerin Kiki (OV: Bernie Van Tiel, DF: Lana Cooper) klargemacht, da ist auch schon wieder Schluss. Die Begründung: Saira sei einfach zu langweilig. Und das obwohl sie ihr ein solch schönes Beziehungsalbum gebastelt hat. Doch dann wird Kiki von den Straight White Maliens entführt, den Incels der Zukunft. Jetzt ist Saira gezwungen, ihren queren Safe Space zu verlassen, um Kiki binnen 24 Stunden freizukaufen. Für die Freilassung verlangen die Entführer die Übergabe der berühmten königlichen Labrys, einer goldenen Doppelaxt von schier unglaublicher lesbischer Macht. Einziges Problem: Saira hat das Ding gar nicht. Aber soll nicht das Problem sein…
Klingt absurd? Ist es auch – und das ist gut so. Denn in den Filmen der großen Animationsstudios tauchen queere Figuren so gut wie überhaupt nicht auf, abgesehen von winzigen Ausnahmen wie beispielsweise „Strange World“ aus dem Hause Disney. Doch selbst wenn wie in diesem Fall queeres Leben gar nicht Teil der eigentlichen Handlung ist, formiert sich umgehend ein absurder und vollkommen unnötiger Shitstorm. Das dürfte bei LESBIAN SPACE PRINCESS nicht der Fall sein, denn schon aufgrund des Titels dürften die meisten dieser kruden Köpfe einen Bogen um den Film machen. Das wiederum ist wahrlich schade, denn der Film ist ein herrlich absurdes kleines Meisterwerk, das nur so vor wahnwitzigen Einfällen sprüht, Ich hatte jedenfalls als heterosexueller Mann meine helle Freude.
Was sich die beiden Macherinnen Leela Varghese und Emma Hough Hobbs, die zusammen das Drehbuch geschrieben und Regie geführt haben, hier haben einfallen lassen, ist so voller kreativer Energie, dass man als Zuschauer*in aus dem Staunen gar nicht wieder raus kommt. Denn LESBIAN SPACE PRINCESS ist eben nicht schon wieder eine Coming-of-Age-Geschichte, in der die Heldin mit ihrer Queerness klar kommen muss, sondern eine fantastische Reise zu sich selbst, in der sich eine introvertierte Figur nach außen öffnen muss.
Hinzu kommen unzählige Anspielungen auf all die Männer, die sich in ihrer sexuellen Ehre gekränkt fühlen, wenn eine Frau einmal nicht einem Mann verfällt. Und dass Varghese und Hough Hobbs das inszenieren, ohne im Dauer-Stakkato auf die Männerwelt einzudreschen, macht LESBIAN SPACE PRINCESS zusätzlich zu einem ganz exquisiten Film.
Wer also nicht zu den ewig Gestrigen gehört, der dürfte mit LESBIAN SPACE PRINCESS einen Wahnsinnsspaß haben. Und alle anderen können vielleicht sogar noch etwas dazulernen. Toleranz zum Beispiel.
Lesbian Space Princess (Australien 2025)
87 Minuten
Animation / Fantasy / Komödie
Leela Varghese, Emma Hough Hobbs
Leela Varghese, Emma Hough Hobbs
Shabana Azeez, Bernie Van Tiel, Gemma Chua-Tran, Jordan Raskopoulos, Madeleine Sami, Kween Kong, Mark Samual Bonanno, Zachary Ruane, Broden Kelly
Genet Zegay, Lana Cooper, Lena Urzendowsky, Katy Karrenbauer, Jasmin Tabatabai, Kelly Heelton, Marius Claren, Philipp Lind, Yannik Raiss
Salzgeber & Co. Medien GmbH