Im Reich der Sinne

11.06.2026

Seit es das Kino gibt (seit 1895), reizt es so manchen Regisseur, pornografische Elemente in seinen Film einzubauen. Doch die Zensur hatte etwas dagegen. Zunächst beschränkte sich das Kino bei der nackten Hedwig Kiesler alias Hedy Lamarr in „Ekstase“ (1933) auf eine angedeutete Orgasmusszene. Anfang der 1970er-Jahre wurde Pornografie in einigen Ländern legalisiert. Das nutzte 1976 der japanische Meisterregisseur Nagisa Ōshima, als er sein auf einer wahren Begebenheit beruhendes Melodram IM REICH DER SINNE mit expliziten Szenen anreicherte. Jetzt kommt der Film in einer restaurierten 4K-Fassung wieder in unsere Kinos.

Der Film beruht auf der wahren Geschichte der Japanerin Abe Sada, die am 18. Mai 1936 im Rahmen einer extremen Sexualpraktik („erotische Asphyxiation“) ihren Geliebten beim Orgasmus strangulierte, ihm anschließend seinen Penis und seine Hoden abschnitt und diese Teile dann tagelang in ihrer Handtasche mit sich herumtrug.

Nagisa Ōshima inszenierte dieses drastische Drama in poetischen Bildern ganz im Stil von Mizoguchi und Ozu. Den beiden Hauptdarstellern war vor Drehbeginn klar, dass sie den gezeigten Sex nicht simulieren würden. Und der erigierte Phallus von Tatsuya Fuji ist auch ständig im Blick.

Kichizō Ishida (Tatsuya Fuji) ist der Besitzer eines Geisha-Hauses, in dem Abe Sada (Eiko Matsuda) als Dienerin und Prostituierte arbeitet. Zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung. Kichizō verlässt schließlich seine Familie, um ganz bei Sada zu sein – mehr und mehr verfällt er ihr. Abgeschottet von der Außenwelt geben sich die beiden ganz der grenzenlosen sexuellen Begierde hin. Dann kommt der finale Liebesakt…

Fellatio und sichtbare Penetration – auf das muss sich der Zuschauer einstellen. Doch IM REICH DER SINNE ist kein pornografischer Film – er ist ein zeitloses Kunstwerk. Zwischen Ekstase und Zerstörung hinterfragt der Film die Grenze zwischen Liebe, Obsession und dem Verlust des eigenen Selbst. Und das qualvoll in die Länge gezogene Ende geht uns immer noch an die Nieren. Dieses grandiose Meisterwerk erschüttert noch immer!

Eine persönliche Anmerkung: Bei der Berlinale 1978 sorgte der Film für einen Eklat und wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Noch vor der endgültigen Freigabe 1978 (ohne Schnittauflagen) hatte ich in einer Sondervorführung die Gelegenheit, den Film zu sichten – musste aber vorweg in einem Formular der Staatsanwaltschaft unterschreiben, dass mir bewusst war, einen verbotenen Film anzuschauen. So war das damals!

Trailer

ab18

Originaltitel

L'Empire des Sens / Ai No Corrida (Japan / Frankreich 1976)

Länge

102 Minuten

Genre

Drama / Erotik

Regie

Nagisa Oshima

Drehbuch

Nagisa Oshima

Kamera / Bildgestaltung

Hideo Itô

Darsteller

Eiko Matsuda, Tatsuya Fuji, Aoi Nakajima, Yasuko Matsui, Meika Seri, Kanae Kobayashi, Mariko Abe, Taiji Tonoyama, Kyôji Kokonoe, Naomi Shiraishi, Shinkichi Noda, Komikichi Hori, Kikuhei Matsunoya, Akiko Koyama, Tomi Misubishi

Verleih

Rapid Eye Movies HE GmbH

Filmwebsite

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