Honey Don‘t!

11.09.2025

Trashig, wild, herrlich obszön und saukomisch – genau das ist die schwarze Neo-Noir-Komödie HONEY DON’T! von Ethan Coen. Nach „Drive-Away Dolls“ (2024) liefert der Regisseur hier den zweiten Teil seiner geplanten lesbischen B-Movie-Trilogie ab – als ob er sich von den in den letzten Jahren eher ambitionierten Filmen seines Bruders Joel absetzen will.

Eine langbeinige junge Frau steigt wagemutig in ihren High Heels einen steilen Schotterhang hinab, um in einem Autowrack einer toten Frau heimlich einen Ring abzuziehen. Der ermittelnde Polizist Marty Metakawich (Charlie Day) stellt sie natürlich zur Rede: „War die Tote deine Klientin?“ Die Angesprochene heißt Honey O’Donahue (Margaret Qualley) und arbeitet als Privatdetektivin im kalifornischen Bakersfield.

Unterstützt von ihrer Assistentin Spider (Gabby Beans) sitzt die bekennende Lesbe – wir können sie auch „Miss Marlowe“ nennen – in ihrem Büro und wartet auf Aufträge. Doch anders als in den Roman-Klassikern von Raymond Chandler und Dashiell Hammett platzt nicht eine blonde Femme fatale herein, sondern ein eifersüchtiger Schwuler. Honeys lakonische Reaktion: „Wozu brauchen Sie mich, der Seitensprung Ihres Lovers steht doch schon fest. Sparen Sie Ihr Geld.“

Die Tote im Autowrack war tatsächlich Honeys Klientin – doch sie verunglückte unter ungeklärten Umständen genau einen Tag vor dem ersten Treffen. Honey fühlt sich verantwortlich und ermittelt auf eigene Kosten. Bei ihren Recherchen lernt sie die Polizistin MG Falcone (Aubrey Plaza) kennen, die in der Asservatenkammer arbeitet. Abends an der Bar kommen sie sich näher. Während sie über den Unterschied von Stricken und Häkeln diskutieren, befingern sie sich gegenseitig unter der Gürtellinie. Absurder geht’s kaum! Nach der wilden Nacht werden dann brav Dildo und Liebeskugeln in der Küche abgewaschen.

Allmählich rückt der zwielichtige und sexsüchtige Reverend Drew Devlin (Chris Evans), der die sektenähnliche „Vier-Wege-Kirche“ leitet, in Honeys Fadenkreuz. Evans legt diesen unersättlichen Sex-Maniac, der reihenweise Frauen vernascht, fast als Parodie der berüchtigten Rolle in „Magnolia“ an, für die Tom Cruise 2000 einen Golden Globe erhielt. Dabei war sich Evans für eine ziemlich ekelhafte Szene nicht zu schade, fast alles zu zeigen. Und dann verschwindet Honeys Teenager-Nichte spurlos…

Typisch für Film Noirs ist das eher zufällige Ende. Da gilt auch für HONEY DON’T!, denn die Auflösung ist doch reichlich hergeholt. Dazu passt die berühmte Anekdote zum Klassiker „Tote schlafen fest“ von 1946: Bei den Dreharbeiten fragte Humphrey Bogart Regisseur Howard Hawks, wer denn nun wen umgebracht hat. Der fragte beim Autor Raymond Chandler nach. Dessen Antwort: „Keine Ahnung.“ Auch für den Neo-Noir HONEY DON’T! gilt: „Mehr Stil als Story.“

Wie im Rausch und todesmutig spielt Margaret Qualley, die schon in „Drive-Away Dolls“ die Hauptrolle übernommen hatte, diese Honey O’Donahue als furchtlose und trotzige Feministin, die ihren Körper offensiv einsetzt. Und sie ist ständig dabei, Trump-Aufkleber („Make America Great Again“) mit provokanten Lesben-Parolen zu überkleben. So viel steht fest: Die Tochter von Andie MacDowell ist der neue Jungstar Hollywoods.

Beim Abspann erklingt endlich der Song, auf den wir alle gewartet haben: „Honey Don’t!“. Ethan Coen und seine Ehefrau Tricia Cooke, die gemeinsam das Drehbuch geschrieben haben, ließen sich nach eigener Aussage von Carl Perkins’ Rockabilly-Klassiker (1956) inspirieren. Die berühmteste Coverversion stammt übrigens von den „Beatles“ (1964) mit Ringo Starr als Sänger. Doch Coen wollte unbedingt eine Frauenstimme. Und so singt hier Wanda Jackson.

Diese schwarze Komödie aus der US-amerikanischen Provinz wirkt als B-Movie fast wie hingerotzt. Doch sie macht unglaublich viel Spaß.

Trailer

ab16

Originaltitel

Honey Don't (USA 2025)

Länge

90 Minuten

Genre

Komödie / Krimi

Regie

Ethan Coen

Drehbuch

Tricia Cooke, Ethan Coen

Kamera / Bildgestaltung

Ari Wegner

Darsteller

Margaret Qualley, Chris Evans, Aubrey Plaza, Charlie Day, Lera Abova, Billy Eichner, Jacnier, Kristen Connolly, Lena Hall, Don Swayze, Josh Pafcheck, Kale Browne

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