Das Thema ist extrem wichtig – doch der Dokumentarfilm MEMORY WARS hat einen gewaltigen Fehler: Der Regisseur Hendrik Löbbert manipuliert uns Zuschauer. Das ist unschön! Thema des Films ist die Macht (oder Ohnmacht) der Erinnerung – speziell bei Zeugen in Gerichtsprozessen.
Die US-Psychologin Elizabeth Loftus erforscht seit den 1970er-Jahren die Grenzen und Fallstricke der menschlichen Erinnerung und zählt zu den einflussreichsten Psychologinnen weltweit. Ihre Arbeit führt sie in die brisantesten Gerichtsverfahren unserer Zeit, darunter die Fälle um Michael Jackson, Harvey Weinstein und den Serienmörder Ted Bundy. Meist geht es um sexuellen Missbrauch und systematische Gewalt.
Da seit langem in den USA Prozesse live im Fernsehen übertragen werden, ist Loftus längst ein Medienstar. In diesen medial inszenierten Prozessen hinterfragt die Gerichtspsychologin den Wahrheitsgehalt von Zeugenaussagen und regt damit eine grundsätzliche Debatte um die Beweiskraft von Erinnerungen an. Die Frage ist: Können wir unserem Gedächtnis trauen?
Regisseur Hendrik Löbbert stellt Elizabeth Loftus in seinem Film MEMORY WARS als Star in den Mittelpunkt. Und genau das macht das Ganze so fragwürdig. Wir kennen den Klassiker „Zeugin der Anklage“ von Billy Wilder. Elizabeth Loftus ist dagegen eine Zeugin der Verteidigung. Zu dumm, dass auf der Anklagebank Männer wie Harvey Weinstein sitzen…
Sicherlich war das nicht Löbberts Absicht – aber für mich wirkt der Film MEMORY WARS mit seinem wissenschaftlichen Unterbau wie ein Angriff auf die #meToo-Bewegung – nach dem Motto: Nicht jeder Zeugin ist zu trauen. Hauptsache, die Wissenschaft hat immer Recht!
Nein, danke!
Memory Wars (Deutschland 2024)
95 Minuten
Dokumentation
Hendrik Löbbert
Hendrik Löbbert, Caroline Ektander
Hajo Schomerus
mindjazz pictures UG