Eva Trobischs Familiendrama ETWAS GANZ BESONDERES konzentriert sich im Kern eigentlich auf eine spannende Frage: Was macht ein Individuum aus? Unsere Protagonistin hat darauf nur eine bescheidene Antwort: nichts. Leider entwickelt sich der Film zu einem Äquivalent dieses Achselzuckens…
Die siebzehnjährige Lea (Frida Hornemann) möchte gerne an einer Castingshow teilnehmen. Als sie dort gefragt wird, was denn das Besondere an ihr sei, fällt der jungen Frau nichts Gescheites ein – schließlich ist ihr Leben in der thüringischen Provinz alles andere als aufregend. Während das örtliche Museum auf EU-Kosten aufwendig saniert wird, kämpft die Pension ihrer Familie ums wirtschaftliche Überleben. Leas Eltern Matze (Max Riemelt) und Rieke (Gina Henkel) haben sich gerade erst getrennt, da Rieke von einem anderen Mann schwanger ist. Leas Großeltern haben ebenfalls genug mit ihren eigenen Problemen zu tun, und ihre Tante Kati (Eva Löbau), in der Lea zwar ein Vorbild sieht, macht sich mit ihrem kulturhistorischen Anspruch derzeit nicht gerade Freunde – nicht einmal in der eigenen Familie. Selbst Leas beste Freundin Bonny (Ida Fischer) ist anderweitig beschäftigt, denn sie ist frisch verliebt in Leas aktivistischen Cousin Edgar (Florian Geißelmann). In all diesem Durcheinander versucht Lea nun ihren ganz eigenen Weg zu gehen – doch welche Home Story lässt sich daraus machen?
Schon die Inhaltsangabe von ETWAS GANZ BESONDERES deutet eher auf gepflegte Tristesse als auf großes Kino hin. Aber Eva Trobischs ersten Spielfilm „Alles ist gut“ habe ich immer noch in sehr guter Erinnerung. Ihr inzwischen dritter Film hat mich leider maßlos enttäuscht – oder anders ausgedrückt: Ich habe partout keinen Zugang gefunden.
Der fast schon dokumentarische Stil des Films lässt uns als Zuschauer an banalen Gesprächen teilhaben, wobei die Kamera von Adrian Campean in unangenehmen Momenten minutenlang in derselben Einstellung verharrt. Wo man im normalen Leben schleunigst versucht, den Raum zu verlassen, ist man in ETWAS GANZ BESONDERES immer wieder zum Ausharren gezwungen. Das mag als Stilmittel legitim sein, entfaltet für mich jedoch vor allem Ermüdung. Die Figuren verharren in ihrer Lethargie, und das überträgt sich ungefiltert auf den Kinosaal.
Und so bleibt am Ende nicht viel übrig als die Erkenntnis, dass dieser Film leider alles andere als ETWAS GANZ BESONDERES ist.
Etwas ganz Besonderes ()
116 Minuten
Drama
Eva Trobisch
Eva Trobisch
Adrian Campean
Frida Hornemann, Max Riemelt, Eva Löbau, Rahel Ohm, Gina Henkel, Peter René Lüdicke, Florian Lukas, Florian Geißelmann, Thomas Schubert, Ida Fischer, Yvon Sable Moltzen
Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG