Alles ist gut

Kinostart: 27.09.2018

ab12 OT: Alles ist gut (Deutschland 2018)
Länge: 94 Minuten
Genre: Drama
Regie: Eva Trobisch
Drehbuch: Eva Trobisch
Darsteller: Aenne Schwarz, Andreas Döhler, Hans Löw, Tilo Nest, Lisa Hagmeister, Lina Wendel
Verleih: NFP Marketing & Distribution GmbH

Alles ist gut – so zumindest der Eindruck, den Janne (Aenne Schwarz) vermitteln möchte. Aber nichts ist gut. Nicht, seitdem ihr neuer Chef ihr seinen Schwager Martin (Hans Löw) vorgestellt hat, der am Abend ihres Kennenlernens gegen ihren Willen mit ihr schläft. Danach lässt Janne erst mal alles seinen gewohnten Gang gehen – wenn man die Dinge nicht zum Problem macht, hat man auch keins. Doch ihr Schweigen über den Vorfall weicht nach und nach einer stillen Ohnmacht. Bis Janne ihr Leben und die Liebe zu ihrem Freund Piet (Andreas Döhler) langsam entgleiten. 

Kritik

Manche Filme entfalten ihre volle Wucht erst lange, nachdem man den Kinosaal wieder verlassen hat – so wie ALLES IST GUT. Ein Film, der nachdenklich macht und den Zuschauer herausfordert.

Direkt nach dem Abspann hat mich ALLES IST GUT noch gar nicht so recht gepackt. Ich war sogar recht unsicher, was ich von dem gerade Gesehenen halten sollte. Die Szene, in der die Hauptfigur vergewaltigt wird, hat mich dabei am allerwenigsten überzeugt. Allein durch ihren lapidaren Kommentar „Ernsthaft?“ hatte ich den Eindruck, dass sie die Situation zwar missbilligt, aber ihr nicht deutlich genug widerspricht. Gerade in Zeiten von #MeToo habe ich das als falsches Signal interpretiert und befürchtet, dass das Ganze eher denjenigen in die Hände spielt, die der Meinung sind, dass es sich nicht um eine Vergewaltigung handelt, wenn die Frau nicht energisch genug widerspricht. 

Doch weit gefehlt, denn je mehr ich über den Film nachgedacht habe, desto mehr hat sich meine Meinung geändert. Und dieser Film hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Schließlich ist auch das leiseste „Nein“ ein Nein, das es zu beachten gilt. Ohne Wenn. Ohne Aber. Aber der Film konzentriert sich auch gar nicht so recht auf die Tat, sondern viel mehr auf das „Danach“. Die Regisseurin Eva Trobisch, die auch das Drehbuch geschrieben hat, zeigt in unfassbar ehrlich wirkenden Bildern, dass sich eine solche Tat nicht „wegignorieren“ lässt. Allein der Versuch, so zu tun, als wäre nichts passiert, verstärkt das Trauma nur umso mehr. 

Mit ALLES IST GUT ist Trobisch ein starker Film gelungen, der auf den ersten Blick so völlig normal wirkt, sein wahres Potential aber erst sehr viel später entfaltet. Ein Film, der nicht wieder loslässt und der förmlich die anschließende Auseinandersetzung einfordert. Genau das ist starkes, deutsches Kino, von dem wir noch viel mehr brauchen. Sehr viel mehr. 

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