Die Wütenden

Kinostart: 23.01.2020

FSK noch unbekannt OT: Les Misérables (Frankreich 2019)
Länge: 102 Minuten
Genre: Drama
Regie: Ladj Ly
Drehbuch: Ladj Ly, Giordano Gederlini, Alexis Manenti
Darsteller: Damien Bonnard, Alexis Manenti, Djebril Zonga, Issa Perica, Steve Tientcheu, Jeanne Balibar
Verleih: Wild Bunch Germany GmbH

Es brennt in den Vorstädten… Schon bei seinem ersten Einsatz spürt Polizist Stéphane, der Neuling in der Einheit für Verbrechensbekämpfung in Montfermeil, die Spannungen im Viertel, in dem es immer wieder zu hitzigen Auseinandersetzungen zwischen Gangs und Polizei kommt. Seine erfahrenen Kollegen Chris und Gwada, mit denen er Streife fährt, haben ihre Methoden den Gesetzen der Straße angepasst. Hier herrschen eigene Regeln, die Kollegen überschreiten selbst die Grenzen des Legalen, sehen sich dabei aber stets im Recht. 

Als im Viertel ein Löwenbaby, lebendes Maskottchen eines Clan-Chefs, gestohlen wird, droht die Situation zu eskalieren. Bei der versuchten Verhaftung eines jugendlichen Verdächtigen werden die Polizisten mit Hilfe einer Drohne gefilmt. Ihr fragwürdiges Vorgehen droht öffentlich zu werden, und aus den Gesetzeshütern werden plötzlich Gejagte…

Kritik

Mit seinem Spielfilmdebüt DIE WÜTENDEN zeigt Ladj Ly eindrucksvoll, dass sich am Schausplatz von Victor Hugos Roman „Les Misérables“ wenig geändert hat…

Als ich das erste Mal vom Originaltitel LES MISÉRABLES gehört habe, war mein erster Gedanke, dass es eine erneute Verfilmung des Musicals gibt. Doch zum Glück entpuppte sich das schnell als Irrtum. Denn das Regiedebut von Ladj Ly, der selbst in Montfermeil aufgewachsen ist, referenziert lediglich den berühmten Roman von Victor Hugo über den Pariser Juniaufstand von 1832. Jetzt, etwas mehr als 150 Jahre nach der Veröffentlichung des Romans zeigt der Film, dass sich recht wenig geändert hat. 

Jugendliche mit Migrationshintergrund befinden sich in einer Art Krieg mit der Polizei, die sich selbst nicht ganz legaler Mittel bedient. Ohne Kompromisse zeigt Ly eine Welt voller sozialer Ungerechtigkeit und sein Blick auf eine Jugend ohne Zukunft zeigt deutlich, was passiert, wenn man solche rechtsfreien Räume zulässt bzw. sich selbst überlässt. In einer Welt voller Gewalt ist jeder sich selbst der Nächste – ohne Rücksicht auf Verluste. Das zeigt Ly durch eine verdammt realistische Betrachtungsweise und durch schnelle, rasante Schnitte. 

Zu Recht hat DIE WÜTENDEN den Preis der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen. Außerdem wurde er als bester Erstlingsfilm bei Europäischen Filmpreis ausgezeichnet und erhielt Nominierungen als bester fremdsprachiger Film bei den Golden Globes und beim Oscar. 

Die Entscheidung des Verleihs, nicht den Originaltitel beizubehalten, halte ich für äußerst clever. DIE WÜTENDEN bildet zudem einen perfekten Kontrast zum deutschen Titel des Romans, der hier unter „Die Elenden“ bekannt wurde. Bleibt nur zu hoffen, dass der Film hier auch das Publikum findet, dass er verdient. Und dass sich vielleicht irgendwann die Politik einmal besinnt, die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich effektiv zu bekämpfen. Es bleibt spannend… 

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Filmplakat

Neustarts am 23.01.2020

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