Nach dem leider in meinen Augen zu Unrecht gefloppten „Supergirl“ kommen die DC Studios mit CLAYFACE wieder ein wenig in die Spur. Wer jetzt allerdings das nächste Superhelden-Abenteuer erwartet, sollte sich anschnallen…
Im Mittelpunkt von CLAYFACE steht Matt Hagen (Tom Rhys Harries), ein aufstrebender Jungschauspieler, dessen Karriere nach einem brutalen Überfall jäh endet. Durch die Attacke des lokalen Gangsterbosses Markos Szabo (David Dencik) im Gesicht schwer entstellt und von seiner Agentur im Stich gelassen, greift er nach einem letzten Strohhalm: Er willigt in eine hochgradig experimentelle Behandlung der Wissenschaftlerin Dr. Caitlyn Corr (Naomi Ackie) ein. Bei diesem Verfahren soll eine bahnbrechende zelluläre Nanotechnologie zum Einsatz kommen, um seine zerstörte Haut vollständig zu regenerieren und ihm sein altes Aussehen zurückzugeben.
Das medizinische Experiment zeigt rasch Wirkung, zieht jedoch gravierende biologische Nebenwirkungen nach sich. Die Nanoteilchen in seinem Körper programmieren seine Zellstruktur um, sodass sich sein Gewebe in eine beliebig formbare Masse verwandelt. Hagen stellt fest, dass er fortan in der Lage ist, beinahe jede beliebige menschliche Gestalt zu imitieren. Während er diese neuen Fähigkeiten nutzt, um Jagd auf die Verantwortlichen für den Überfall zu machen, verliert er zunehmend die Kontrolle über seinen eigenen Geist und seine menschliche Identität.
In erster Linie überrascht CLAYFACE, denn aus dem Hause DC hätte man eigentlich eher einen Superheldenfilm erwartet. Stattdessen entpuppt sich der Film als brutaler Body-Horror, der in seiner Härte immer mal ein kleines Stück zu weit geht. Kein Wunder, dass der Streifen in Deutschland erst ab 16 Jahren freigegeben ist. Die drastischen Bilder sind jedenfalls nichts für ein empfindliches Publikum. Da wird Haut abgeschabt oder in detailreichen Großaufnahmen zerschnitten – Bilder, die einen immer wieder zum Wegsehen bringen. Die expliziten Gewaltdarstellungen wirken oft deplatziert und dienen eher dem Schockeffekt als der Weiterentwicklung der Geschichte. Für meine Begriffe wäre hier weniger definitiv mehr gewesen.
Eine Sache ist mir aber immer wieder negativ aufgestoßen: Der Film erklärt explizit, dass die Nanoteilchen nur die Haut der Hauptfigur verändern können. Wenn sich bei einer Verwandlung dann aber wie von Geisterhand auch die komplette Kleidung perfekt an das neue Alter Ego anpasst, verstößt der Film gegen seine eigenen Sci-Fi-Regeln. Dieser Logikfehler reißt einen als Zuschauer leider immer wieder aus der Illusion.
Dabei ist alles andere durchaus sehenswert – wenn man denn auf Body-Horror steht. Schauspielerisch und handwerklich spielt CLAYFACE in der oberen Liga. Die Transformationseffekte sind erstklassig animiert, und die bedrückende, düstere Atmosphäre zieht einen von der ersten Minute an in den Bann. Wer auf bildgewaltiges Sci-Fi-Kino steht, kommt hier definitiv auf seine Kosten.
CLAYFACE ist keineswegs ein schlechter Film, doch seine drastischen Verwandlungen beeindrucken mehr als die Geschichte dahinter. Zu oft bleibt der körperliche Verfall bloßer Schockeffekt, statt Hagens zunehmenden Identitätsverlust spürbar zu machen. So wirkt das Ganze stellenweise wie „The Substance“ für Fußgänger: Die Körper geraten eindrucksvoll aus den Fugen, die Geschichte bleibt dagegen in vertrauten Bahnen. Fans des Body-Horrors sollte CLAYFACE durchaus gefallen – sie sollten jedoch über Logiklöcher hinwegsehen können und einen starken Magen mitbringen.
Clayface (USA 2026)
109 Minuten
Drama / Horror / Thriller
James Watkins
Mike Flanagan, Hossein Amini
Mike Flanagan
Rob Hardy
Tom Rhys Harries, Naomi Ackie, David Dencik, Max Minghella, Eddie Marsan, Nancy Carroll, Joshua James
Warner Bros. Entertainment GmbH