Die andere Seite

22.10.2026

Die in München geborene deutsche Regisseurin Mariko Minoguchi liefert nach ihrem gefeierten Spielfilmdebüt „Mein Ende. Dein Anfang.“ (2019) jetzt mit DIE ANDERE SEITE einen dystopischen Survival-Thriller ab, der uns mit seiner kammerspielartigen Reduktion, seiner Lakonie und Archaik wohl alle überrascht – und an unseren Nerven zerrt.

Eine Frau im Kampf gegen die Natur und gegen den Rest der Welt. Zu Beginn sehen wir eine wie ein moderner Robinson gekleidete Frau, Hanna (Nina Hoss), die mitten im Wald verzweifelt versucht, ein erlegtes Wildkaninchen zu häuten. Sie wird durch lautes Hundegebell gewarnt und muss fliehen, um ihre nächste Mahlzeit zu retten. Bei der Hatz durchs Gestrüpp verletzt sie sich schwer am Bein und muss dem Hund die Beute überlassen.

Das ist doch mal ein Filmanfang! Erst allmählich wird klar, warum sich Hanna im Wald verstecken muss. Die ehemalige Ärztin hat während einer Pandemie durch eine ansteckende, meist tödlich verlaufende Krankheit ihre Familie verloren. Sie selbst hat zwar überlebt, ist aber als Infizierte und Überträgerin des Virus eine tickende Zeitbombe und wird deshalb von der Gesellschaft ausgeschlossen. Um nicht interniert zu werden, hat sie sich für ein Versteck in den bayerischen Alpen entschieden und hält nur noch zu ganz wenigen Menschen Kontakt.

Alle europäischen Länder haben ihre Grenzen dichtgemacht und sich polizeistaatlich organisiert. Doch angeblich sollen in Italien noch Menschen in Freiheit leben – und Hanna macht sich auf den weiten Weg über die Berge. Als sie in einer Scheune heimlich übernachten will, wird sie von einer alten Frau (Barbara Petritsch) erwischt, aber dann doch herzlich aufgenommen. In einer zutiefst anrührenden Szene überlässt Hanna der Frau ihr Gewehr…

An der österreichisch-italienischen Grenze trifft Hanna in einem Camp auf Gleichgesinnte, auf ebenfalls Ausgestoßene. Immerhin: Alle halten brav Abstand, wie wir es noch von der Corona-Pandemie her kennen. Als das Camp von wütenden Dorfbewohnern angegriffen wird, gelingt nur wenigen die Flucht. Gemeinsam mit der hochschwangeren Lila (Precious Mariam Sanusi), mit der sie sich angefreundet hatte, macht Hanna sich auf den beschwerlichen Weg über den Pass. Doch als die beiden oben ankommen, setzen bei Lila die Wehen ein…

Was jetzt passiert, übertrifft alle Erwartungen. Für dieses Finale hat sich Mariko Minoguchi, die auch das Drehbuch schrieb, etwas absolut Spektakuläres ausgedacht. Eine Szene von fast biblischer Dimension, die uns wohl alle heftig schlucken lässt…

Natürlich ist DIE ANDERE SEITE eine Corona-Parabel, natürlich ist der Film eine „One-Woman-Show“ von Nina Hoss, die jede Szene dominiert. Sie kann das! Ich möchte nur nicht wissen, wie anstrengend die Dreharbeiten in den Alpen waren.

Man kann es im Kino mit Symbolen und Metaphern auch übertreiben. Doch hier sind sie eingebettet in die archaische Aura dieses rätselhaften Films. Und es ist schön, die Drei Zinnen im Kino zu sehen!

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Die andere Seite (Deutschland 2026)

Länge

106 Minuten

Genre

Abenteuer / Thriller

Regie

Mariko Minioguchi

Drehbuch

Mariko Minioguchi

Kamera / Bildgestaltung

Felix Pflieger

Darsteller

Nina Hoss, Precious Mariam Sanusi, Barbara Petritsch

Filmwebsite

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