Eine demenzkranke Frau, ein unfreiwilliger Besucher und ein verfallenes Anwesen: CRAZY OLD LADY bringt viel für einen beklemmenden Thriller mit. Doch handwerkliche und erzählerische Schwächen verhindern, dass sich die vielversprechende Ausgangslage zu einem packenden Albtraum verdichtet.
Eigentlich wollte Pedro (Daniel Hendler) längst einen Schlussstrich unter die Beziehung zu seiner Ex-Freundin Laura (Augustina Liendo) ziehen. Doch als sie ihn verzweifelt bittet, nach ihrer demenzkranken Mutter Alicia (Carmen Maura) zu sehen, willigt er ein. Alicia lebt allein in einem verfallenen Anwesen und hat offenbar ihre Pflegerin vergrault. Was als kurzer Freundschaftsdienst geplant war, eskaliert schnell: Alicia hält Pedro für ihren früheren Liebhaber und nimmt ihn gefangen. Es folgt eine albtraumhafte Nacht voller Terror und psychischer Exzesse, in der Geheimnisse ans Licht kommen, die besser verborgen geblieben wären. Für Pedro verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn derweil immer mehr…
Das auffälligste Problem von CRAZY OLD LADY liegt in seiner visuellen Gestaltung. Das verfallene Anwesen bietet eine stimmungsvolle Kulisse, die in einigen Szenen durch eine gelungene Ausleuchtung zusätzlich an Wirkung gewinnt. In anderen Teilen des Films ist das Bild hingegen schlichtweg viel zu dunkel geraten. Was vermutlich als atmosphärisches Stilmittel gedacht war, um eine düstere und bedrohliche Stimmung zu erzeugen, sorgt beim Zuschauen eher für Frustration. Statt mitzufiebern, kneift man immer wieder die Augen zusammen, um im visuellen Einheitsbrei überhaupt noch Konturen der Räume oder die Mimik der Schauspieler auszumachen.
Schwerer wiegt jedoch die narrative Fehlentscheidung beim Spannungsaufbau. Das Drehbuch lüftet das zentrale Geheimnis der Geschichte bereits früh, entwickelt aus dieser Enthüllung jedoch kaum neue Spannung. Das Mysterium verliert seinen Reiz, während der Wissensvorsprung des Publikums gegenüber den Figuren weitgehend ungenutzt bleibt. So plätschert die Handlung im Mittelteil ohne echte Höhepunkte vor sich hin.
CRAZY OLD LADY verschenkt eine Menge Potenzial. Durch die
stellenweise zu dunklen Bilder und eine verfrühte Auflösung des zentralen Rätsels bleibt der Thriller-Faktor auf der Strecke. So bleibt von der vielversprechenden Ausgangslage ein Thriller, dessen beklemmende Momente zu selten gegen die visuellen und dramaturgischen Schwächen ankommen.
Vieja Loca (Spanien 2025)
94 Minuten
Horror
Martín Mauregui
Martín Mauregui
Julián Apezteguia
Carmen Maura, Daniel Hendler
Happy Entertainment (MT Trading UG)