Im Spielfilmdebüt „Hatching“ der finnischen Regisseurin Hanna Bergholm ging es um das Ausbrüten eines geheimnisvollen Rieseneis, in ihrem zweiten Film NIGHTBORN dreht sich alles um ein geheimnisvolles Baby. Hanna Bergholm hat es mit der Mutterschaft!
„Rosemaries Baby“ von Roman Polański, „Eraserhead“ von David Lynch, „Der Babadook“ von Jennifer Kent, „Mother!“ von Darren Aronofsky, „Die My Love“ von Lynne Ramsay – an Filmen über die toxische Beziehung von Mutter und Kind mangelt es wahrlich nicht. Allen gemeinsam: Die Rätsel bleiben bis zum Schluss. Und auch im Horrorfilm NIGHTBORN schert sich die Regisseurin wenig um die Auflösung eines seltsamen Falles. Auf dem Filmplakat hält die Mutter ein Baby mit ungewöhnlich stark behaartem Rücken in den Armen, das Gesicht des Kindes ist nicht zu erkennen. Und das wird im Verlauf des Films auch so bleiben.
Ein einsam gelegenes Holzhaus in einem verwunschenen Wald, der deutlich anthropomorphe Züge zeigt – als ob die Äste nach den Menschen greifen. Und ein Paar, das sich von der Welt verabschiedet hat. Das sind Motive, aus denen gute Horrorfilme entstehen – wie NIGHTBORN.
Nach fünf Jahren in England zieht es Saga (Seidi Haarla) mit ihrem britischen Ehemann Jon (Rupert Grint, bekannt als „Ron Weasley“ aus den „Harry Potter“-Filmen) zurück in ihre Heimat, um mitten in den finnischen Wäldern im abgelegenen Haus ihrer Großmutter eine Familie zu gründen. Drei Kinder sollten es schon sein. Nach einem Kampf mit dem überwachsenen Weg landen sie vor einer vor sich hin rottenden Bruchbude.
Doch die Renovierung geht zügig voran, und Saga wird schwanger. Aber nach der Geburt ihres Sohnes reagiert die frischgebackene Mutter verstört. Irgendetwas stimme mit ihrem Baby nicht. Zeigt sie Anzeichen einer postpartalen Depression – oder steckt etwas anderes dahinter? Vom Baby sehen wir nur den auffällig behaarten Rücken, und auch beim Stillen ist das Gesicht des Jungen namens Kuura nicht zu erkennen. Leider geschieht beim ersten Stillen ein schreckliches Malheur: Kuura ist nicht an der Milch interessiert, sondern beißt seiner Mutter die halbe Brustwarze ab. Ist Saga dabei, ein kleines, blutrünstiges Monster aufzuziehen?
Bei den wenigen Besuchen reagieren die Gäste beim Blick in das Kinderbett höflich distanziert oder deutlich irritiert. Doch Jon versteht das ganze Getue um Kuura überhaupt nicht, sein Sohn sei doch völlig normal. In der Ehe bilden sich erste Risse – und dann mischt sich der Wald ein…
Bis zum Schluss hält Hanna Bergholm den Spannungsbogen aufrecht und sorgt schließlich für ein paar bizarre und blutige Horrorelemente. Was wir nicht zu hoffen gewagt haben: Ganz am Ende dürfen wir in das Gesicht des Babys schauen. Was für ein Schock!
Yön Lapsi (Litauen / Frankreich / Großbritannien / Finnland 2026)
91 Minuten
Horror
Hanna Bergholm
Ilja Rautsi, Hanna Bergholm
Pietari Peltola, F.S.C.
Seidi Haarla, Rupert Grint, Pamela Tola, Pirkko Saisio, Rebecca Lacey, John Thomson
Alamode Filmdistribution OHG