Toy Story 5

23.07.2026

Zum fünften Mal purzeln die weltbekannten Spielzeuge um Woody, Buzz, Jessie und Co aus der Spielzeugtruhe und müssen das Leben ihrer Kinder besser machen. Dieses Mal bedroht die Technik in Form eines Tablets die Harmonie im Kinderzimmer. Gute Unterhaltung, aber weit entfernt von der Liebe und der Sorgfalt der vorherigen Abenteuer.

1995 veröffentlicht das damals noch weitestgehend unbekannte Filmstudio Pixar mit „Toy Story“ seinen ersten abendfüllenden, animierten Spielfilm. Wer hätte gedacht, dass knapp 30 Jahre später daraus nicht nur eines der größten und wichtigsten Filmstudios der Welt werden würde, sondern die Geschichte um Cowboys, Space-Ranger und das Erwachsenwerden und Loslassen bereits in die fünfte Runde gehen würde? Dabei wurde in den Fortsetzungen ein erstaunlich hoher Qualitätsstandard gehalten. In vielen Listen übertreffen die Bewertungen von „Toy Story 2“ und „Toy Story 3“ sogar die des ersten Teils. Selbst „Toy Story 4“, dem, nach dem perfekt zu nennenden Ende der Urtrilogie, eigentlich überflüssigen Nachklapp, wusste mit seiner existenzialistischen Grundthematik über „Göffel“ Forky (Stimme: Marc Oliver Schulz), der ungewollt zum Spielzeug wird und der leichten Horrorfilmgrundstimmung um Puppe Gabby Gabby noch gut zu unterhalten. Doch die emotionale Dringlichkeit der ersten Teile war größtenteils abwesend.

Teil 5 gibt sich erstaunlich zeitgeistig und der Gegenwart zugewandt: Während auf der ganzen Welt über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche diskutiert wird und die Aufmerksamkeitsspannen der Gen Z und Gen Alpha durch TikTok und Co. ruiniert sind, die Lesekompetenzen es sowieso sind, schaltet sich Pixar in diesen hochbrisanten Konflikt ein und lässt ein Tablet in das Kinderzimmer von Bonnie einziehen. Das Lily-Pad (Laura Maire), im drolligen Frosch-Design, hilft der schüchternen Bonnie auf der einen Seite, dank an „Club Pinguin“ angelehnte Chatrooms endlich Anschluss an gleichaltrige zu finden, doch verbringt die aufgeweckte und eigentlich so fantasievolle Zehnjährige nun jede freie Minute vor dem blau leuchtenden Bildschirm. Jessie (Carolin Hartmann), Buzz Lightyear (Walter von Hauff), Pferd Bully und Co. sind ratlos: Wie können sie die Aufmerksamkeit der Kleinen zurückerlangen? Kinder sollen doch spielen!

Leider vermag „Toy Story 5“, seine Geschichte nicht auf demselben hohen Drehbuchniveau wie die Vorgänger zu erzählen. Gerade wer sich die Teile 1 bis 3 heuer erneut anschaut, wird überrascht sein, mit welch einer erzählerischen Ökonomie die Filme ihre Figuren von A nach B bringen. Eindeutig geschult am Stummfilm- und nicht unbedingt kinderfreundlichen Actionkino erzählen sie auf den ersten Blick simple und für Kinder greifbare Rettungsmissionen, bieten aber gerade im Unausgesprochenen eine Tiefendimension, von der Arthouse Zuckerbäcker der Marke Iñárritu nur zu träumen vermögen. Doch blieben sie simple Filme. Buzz wird entführt, Woody muss ihn retten. Teil 2: Woody wird entführt, Buzz muss ihn retten. Teil 3: Wir brechen aus dem Kindergarten aus. Die Filme begannen klein und zogen dann ihre Denkkreise.

Zwar ist der Grundgedanke von Toy Story 5 ebenfalls simpel und schnell zusammenzufassen, doch wo in den ersten Teilen zuerst die Handlung stand und sich daraus organisch die philosophische Ebene ergab (die man auch bequem ignorieren kann) gibt es bei Teil 5 eigentlich nur die philosophische Bedeutungsebene. Digital gegen Analog. Hier muss um die Bedeutungsebene eine Geschichte herumgezimmert werden und nicht umgekehrt. Das Drehbuch ist holprig konstruiert und schwer nachzuerzählen. Wie genau jetzt Jessie und Bully auf der Farm von Jessies altem Kind Emily landen (dazu mehr im nächsten Abschnitt) und wie der eigentlich in Teil 4 verabschiedete Woody (Michael „Bully“ Herbig) wieder zurück in den Film findet: Da knirscht es etwas im Gebälk. Erst nach gut einer Stunde hat „Toy Story 5“ seine Plotlinien halbwegs kongruent zueinander gebracht und gibt auf den letzten Metern nochmal Gas.

Wir haben uns die „Toy Story“ Filme gerade als Actionfilme angesehen, doch sind natürlich vor allem Coming-of-Age-Filme, mit dem genialen Kniff, dass wir das Erwachsenwerden von Andy (in Teil 1 bis 3) durch die Augen der eigentlich stummen Betrachter verfolgten. Der Junge hat in allen Teilen sicher nicht mehr als 20 Minuten Screen Time aufaddiert, doch prägt seine Adoleszenz spürbar alles: Der Wandel von der altmodischen Cowboy- zur coolen Weltraumphase in Teil Eins, das langsame Aussortiertwerden weil man zum Teenager wird in Teil 2 und der Aufbruch zur Universität gehen in Teil 3. All das funktionierte natürlich auch, weil die Filme mit ihren Zuschauer:innen erwachsen wurden, oder anderes gesagt, wie alle mit Andy erwachsen wurden.

Am eindrücklichsten illustriert wurde dies natürlich im zweiten Teil, als wir untermalt von dem Song „When she loved me“ das Schicksal von Puppe Jessie erfahren. Wie ihre Besitzerin und sie so eng verbunden waren, wie aber plötzlich Make-up und Telefon im Kinderzimmer Einzug halten, wie Jessie unters Bett fällt und verstaubt. Das ist ganz große erzählerische Kunst.

Wer 1995 Kind war, der zog eben um das Jahr 2010, als Teil 3 erschien, so langsam von zu Hause aus und konnte sich auch auf der Leinwand metaphorisch von seiner Kindheit verabschieden (nicht umsonst veranstaltete Pixar damals die ersten Preview-Screenings von „Toy Story 3“ an Colleges). Das Erwachsenwerden von Andy erschien zunächst immer als Bedrohung, wurde dann aber als Gang des Lebens gesehen. Bonnie lässt man leider nicht wirklich erwachsen werden. Zum einen ist sie für ein Kind in einem „Toy-Story“-Film fast zu präsent, hat Dialoge mit ihren Eltern und anderen Kindern. Zum anderen gibt es hier keine wirklichen Konsequenzen und auch keine finale Erkenntnis, die die Spielzeuge über das Leben oder die Natur des Spielens haben. Zwar darf Jessie an einer Stelle einen sehr schönen Unterschied zwischen dem digitalen und dem analogen Spiel machen, der so wohl nur im englischen Original funktioniert („That is a game, but it is not playing“) aber auf ein richtiges Ziel läuft „Toy Story 5“ nicht hinaus. Immerhin wird der anfangs diabolisch gezeichneten Technik auch etwas Positives abgewonnen, und man kommt zu einem zwar versöhnlichen, aber auch etwas zahnlosen Schulterschluss. Dass der Film zudem nicht komplett auf seine eigenen Handlung vertrauen kann und für leere Emotionalität die Emily Story aus Teil 2 wieder aufgreift, stimmt zusätzlich verärgert.

All dies klingt zunächst negativ. Heruntergebrochen kann man wohl sagen: „Toy Story 5“ fehlt ein bisschen die Liebe und das Gefühl der Epik der ersten drei Teile. Doch sind die liebgewonnen Figuren eben so charmant, dass das contenthafte dieses Filmes gar nicht so sehr stört. Pferd Bully war seit seinem ersten Auftritt in Teil zwei ja schon der heimliche Star dieses Franchises und bekommt hier endlich den richtig großen Auftritt. Man würde sich ein Spin-Off wünschen, in dem es mit Hund Grommit zusammen Abenteuer erlebt.

Die Animation ist auf erwartbar hohen Niveau, und die meisten Lacher erklingen, wenn „gespielt“ wird, also die Kinder die Spielzeuge in die Hand nehmen und mit ihnen herrlich abstruse „James Bond“ trifft auf „Cinderella“ Abenteuer erspinnen.

Für die Großen gibt es dieses Mal allerhand Anspielungen aus dem Horrorkino (da leuchten die von den Lilly-Pads beleuchteten Kinderzimmer wie in „Der Exorzist“ oder ein Pferd gibt den „Godzilla“) und einen im Originalton gut aufgelegten, prominenten Sprecher:innen-Cast.

Vielleicht ist „Toy Story 5“ schlicht und einfach kein Kinderfilm mehr, sondern richtet sich zum ersten Mal in der Reihe primär an die Eltern im Saal. Diese bekommen ein technisch perfektes, aber erzählerisch holpriges Abenteuer erzählt, das immerhin versucht, auf erzieherische Fragen ein paar Antworten zu geben. So lautet das Urteil zum Glück nicht „Ich hab ‘ne Schlange im Schuh“, aber eben auch nicht „Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter“, sondern liegt irgendwo dazwischen. „Du musst loslassen“, lautete die Botschaft von „Toy Story 2“. Vielleicht sollte Disney dies mit diesem Franchise nun auch so langsam tun.

Trailer

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Originaltitel

Toy Story 5 (USA 2026)

Länge

102 Minuten

Genre

Abenteuer / Animation / Familie

Regie

Andrew Stanton, Kenna Harris

Drehbuch

Andrew Stanton, Kenna Harris

Story

Andrew Stanton

Kamera / Bildgestaltung

Matt Aspbury, Jean-Claude Kalache

Original-Stimmen

Tom Hanks, Tim Allen, Joan Cusack, Conan O’Brien, Scarlett Spears, Greta Lee, Shelby Rabara, Mykal-Michelle Harris, Craig Robinson, Lori Alan (Bonnie’s Mom), Jay Hernandez, Bonnie Hunt, Kristen Schaal, Tony Hale, John Hopkins, Wallace Shawn, Ernie Hudson, Krys Marshall, Jeff Bergman, Blake Clark, Anna Vocino, Benito Antonio Martínez Ocasio - Bad Bunny, Jerome Ranft, Annie Potts, Matty Matheson, John Ratzenberger, Keanu Reeves, Melissa Villaseñor, Alan Cumming

Deutsche Stimmen

Michael "Bully" Herbig, Rick Kavanian, Gery Seidl , Zeki Bulgurcu, Radio Teddy Moderatorin Cristina

Verleih

Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Filmwebsite

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