KRAKEN – ERWACHEN DER TIEFE verbindet norwegische Fjordkulisse, ökologisches Unbehagen und klassisches Monsterkino. Doch während Atmosphäre und Landschaft überzeugen, gerät der Film spätestens beim Auftritt seines Titelmonsters ins Straucheln.
Irgendetwas ist im Sognefjord, dem tiefsten Fjord Norwegens, nicht in Ordnung: Menschen verschwinden, Wildlachse sterben in großer Zahl, und dann taucht auch noch ein übergroßer Schädling auf, den man so noch nicht gesehen hat.
Als die Meeresbiologin Johanne (Sara Khorami) eintrifft, um die Vorfälle zu untersuchen, merkt sie schnell, dass das Problem weitaus größer ist. Hat etwa die neuartige Schall-Anlage „Sonic Lice“ etwas damit zu tun, mit der der örtliche Lachsfarm-Betreiber versucht, den Parasiten an den Lachsen zu Leibe zu rücken? Dann verschwinden plötzlich zwei junge Urlauber auf einem Jetski, und kurz darauf tauchen verstümmelte Leichen auf…
Dann entdeckt Johanne, dass die eingesetzte Schalltechnologie einen alten Riesen in den Tiefen des Fjords erweckt hat. Und dieser mystische Krake macht Jagd auf alles, was sich bewegt oder einen Laut von sich gibt…
Im Prinzip ist KRAKEN – DAS ERWACHEN DER TIEFE ein typischer Genre-Vertreter. Der Mensch probiert eine neue Technologie aus, bedenkt aber aus Gewinnabsichten nicht die weitergehenden Folgen und erweckt damit ein altes Monster. So weit, so bekannt. Wäre das hier eine Hollywood-Produktion, würde man ihr vorwerfen, dass das in der heutigen Zeit nicht mehr ausreicht. Doch für einen kleinen norwegischen Film ohne großes Budget sind die Maßstäbe etwas anders.
Zuerst einmal wäre da die atemberaubende Landschaft der norwegischen Fjorde, die Kameramann Sjur Aarthun mustergültig einfängt. Diese naturnahe Welt wirkt nicht nur wie eine Kulisse, sondern wie eine eigenständige Figur in der Geschichte: wunderschön und bedrohlich zugleich. Diese visuelle Stärke hebt KRAKEN – DAS ERWACHEN DER TIEFE wohlwollend vom Genre-Einheitsbrei hervor.
Auch die Darsteller können allesamt überzeugen und liefern eine solide und glaubwürdige Vorstellung ab. Auch der Soundtrack von Roy Westad unterfüttert die Geschichte zusätzlich mit wirkungsvollen Klängen.
Doch das alles kann seine Wirkung nur so lange bewahren, bis das Biest letztendlich nicht mehr nur durch Schatten angedeutet wird, sondern tatsächlich auf der Bildfläche erscheint. Jetzt fallen die mittelmäßigen Spezialeffekte leider extrem negativ auf. Sie zerstören die vorher mühevoll aufgebaute Spannung und nehmen der Bedrohung jeglichen Schrecken.
Ein weiteres Problem ist das Timing im letzten Drittel: Obwohl KRAKEN – DAS ERWACHEN DER TIEFE mit 94 Minuten relativ kompakt ist, fühlt sich das Finale elendig in die Länge gezogen an. Dadurch geht dem ohnehin schon angeschlagenen Spannungsbogen noch mehr die Puste aus.
Eine Sache muss man den Machern um Regisseur Pål Øie jedoch lassen: Sie haben sich immerhin eine Geschichte ausgedacht, die nicht vollkommen an den Haaren herbeigezogen ist. Diese Schall-Technologie gibt es nämlich wirklich, um das Problem der parasitären Lachsläuse zu bekämpfen. Allerdings findet sie vor allem im Larvenstadium Anwendung. Unternehmen nutzen akustische Kavitation (Schallwellen im Wasser), um die winzigen Membranen der frei schwimmenden Lachslaus-Larven zu zerstören, bevor sie die Fische überhaupt befallen können.
So ist die Art der Anwendung im Film zwar kein kompletter Nonsens, sondern lediglich eine übertriebene Interpretierung einer vorhandenen Technologie. Und was bleibt am Ende vom Film übrig? Nun, zumindest ist KRAKEN – DAS ERWACHEN DER TIEFE keine Vollkatastrophe. Aber für den ganz großen Wurf hätte es entweder bessere Spezialeffekte gebraucht – oder aber eine weitere Fortführung der subtileren Erzählweise der ersten zwei Drittel.
Kraken (Norwegen 2025)
94 Minuten
Action / Horror / Thriller
Pål Øie
Vilde Eide, Kjersti Helen Rasmussen, Natasha Arthur
Pål Øie, Sjur Aarthun
Sjur Aarthun
Sara Khorami, Mikkel Bratt Silset, Øyvind Brandtzæg, Jenny Evensen, Ingvild Holthe Bygdnes
Splendid Film GmbH