Die Geschichte von Robin Hood wurde schon unzählige Male auf der Leinwand erzählt. Der Regisseur Michael Sarnoski wählt mit THE DEATH OF ROBIN HOOD aber einen gänzlich anderen Ansatz.
Im Jahre 1247 wandert Robin Hood (Hugh Jackman) als alternder Einzelkämpfer und heimatloser Plünderer durch die entlegenen Gebiete der keltischen Randzonen. Er ist vom Leben gezeichnet, und seine einstigen fröhlichen Gesellen, die „Merry Men“, hat er längst nicht mehr um sich – sofern es sie überhaupt gegeben hat. Inzwischen wird Robin Hood als Außenseiter und Geächteter gejagt, der mit den Konsequenzen seiner Taten leben muss. Er findet Zuflucht in einem Kloster, wo ihn eine gütige Schwester namens Brigid (Jodie Comer) versorgt, während er sich auf sein nahendes Ende vorbereitet. Von seiner Pflegerin mit unerwartetem Mitgefühl aufgenommen, erahnt Robin die Möglichkeit eines alternativen Lebenswegs – vorausgesetzt, dass er ihn noch vor seinem Ende für sich annimmt. Losgelöst von seinem früheren Leben voll sinnlosem Terror, stellt sich der gebrochene Krieger seinen Sünden und erkennt, wer er eigentlich ist – jenseits der verfälschenden Lieder und Geschichten, die ihn zur Legende gemacht haben.
Wir alle kennen die Geschichte, die Legende – doch wie viel Wahrheit steckt eigentlich in der klassischen Robin-Hood-Überlieferung? Wie sehr wurde sie im Laufe der Jahrhunderte verändert? War Robin Hood vielleicht gar kein Held, der es den Reichen nahm und den Armen gab?
Für THE DEATH OF ROBIN HOOD stützt sich Autor und Regisseur Michael Sarnoski auf die historisch ältesten Originalquellen, darunter die Gedichtsammlung „A Gest of Robyn Hode“ sowie die Ballade „Robin Hood’s Death“. Darin war Robin Hood kein Edelmann, sondern ein Freibauer der Unterschicht, der als extrem rauer und brutaler Gesetzloser in Erscheinung trat. Erst später fand eine Romantisierung der Figur statt, teilweise sogar von Robin Hood selbst, damit die Menschen ihm blind in die Dunkelheit folgten. Diesen Ansatz nutzt Sarnoski nun, um mit THE DEATH OF ROBIN HOOD seine ganz eigene Version der Geschichte zu erzählen.
Autor und Regisseur Michael Sarnoski über seine Beweggründe für den Film
Ich hoffe, dass wir durch die Neuerzählung der Robin-Hood-Geschichte ein stärkeres Bewusstsein für die Geschichten entwickeln, die wir uns selbst erzählen und deren Bedeutung wir oft als selbstverständlich hinnehmen – ebenso dafür, warum sie ursprünglich überhaupt erzählt wurden.
Ich muss zugeben, dass ich während der Sichtung durchaus befremdlich reagiert habe, schließlich hatte auch ich ein Bild von Robin Hood im Kopf, das dem Film überhaupt nicht entsprach. Erst die spätere Recherche machte mir klar, dass Sarnoski nicht bloß eine Gegenversion erfindet, sondern bewusst zu den ursprünglichen, raueren Wurzeln der Figur zurückkehrt.
Hugh Jackman füllt die ambivalente Figur des Robin Hood mit bemerkenswerter Tiefe und der Wucht eines Mannes, den die eigene Vergangenheit längst aufgefressen hat. Verstärkt wird das gleich zu Beginn durch das phänomenale Kostümbild, das ihn fast wie ein verwittertes Monster aussehen lässt. In seiner Körpersprache spiegeln sich dabei nicht nur Härte, sondern auch Erschöpfung, Reue und ein Leben voller innerer Verwüstung. Gerade dadurch gewinnt seine spätere Öffnung für Mitgefühl und mögliche Erlösung umso mehr Gewicht.
Hugh Jackman über den Reiz der Rolle des Robin Hood
THE DEATH OF ROBIN HOOD zeichnet meiner Meinung nach ein berührendes und zutiefst menschliches Porträt von Robins Leben in seiner ganzen Fülle: auch mit Dunkelheit, Reue, Schmerz und Verlust. Gewalt fordert immer ihren Preis – unabhängig davon, auf welcher Seite man steht. Aber was genau ist dieser Preis? Und gibt es Gnade und Erlösung für jemanden, der von solchen Schatten verfolgt wird?
Mit THE DEATH OF ROBIN HOOD ist Michael Sarnoski ein starker Film gelungen, der eine Legende eindrucksvoll hinterfragt, die selbst in der heutigen Zeit noch als gesetzt gilt. Auch wenn die brutale Gewalt des Films gewöhnungsbedürftig ist, bleibt am Ende doch eine Erkenntnis: Welchen Preis hat es, ein Leben zu führen, das von eigennützigen Motiven bestimmt ist?
The Death of Robin Hood (USA 2026)
122 Minuten
Abenteuer / Action
Michael Sarnoski
Michael Sarnoski
Pat Scola, ASC
Jodie Comer, Hugh Jackman, Bill Skarsgård, Katie Breen, Fintan Shevlin, Michael Hanna, Andrew McCracken, Alfie Lawless, Faith Delaney, Noah Jupe, Clive Russell, Amy McElhatton, Maeve Connelly, Maggie Hayes, Richie Wilson, Elijah Ungvary, Murray Bartlett, Tabitha Smyth, Beau Thompson, Jade Croot
DCM Film Distribution GmbH