Die für ihre gesellschaftlich relevanten Themen bekannten Brüder Jean-Piere & Luc Dardenne nehmen uns in JUNGE MÜTER – JEUNES MÉRES mit in ein Heim für Jugendliche vor oder kurz nach einer Schwangerschaft.
Jessica (Babette Verbeek), Perla (Lucie Laruelle), Julie (Elsa Houben), Ariane (Janaina Halloy Fokan) und Naïma (Samia Hilmi) haben eines gemeinsam: Sie leben in einem Heim für junge Mütter und hoffen auf eine besser Zukunft für sich und ihre Babys. Dabei könnten ihre Geschichten gar nicht unterschiedlicher sein. Während die hochschwangere Jessica verzweifelt ihre Mutter sucht, die sie seinerzeit nach der Geburt weggegeben hat, versucht Julie zusammen mit ihrem Freund, von den Drogen loszukommen. Perla hingegen hat ihr Kind bereits zu Welt gebracht und hofft nun auf eine gemeinsame Zukunft mit ihrem Freund und Kindesvater. Der scheint jedoch von der Idee überhaupt nicht angetan zu sein und geht mehr und mehr auf Distanz. Die fünfzehnjährige Ariane ist derweil fest entschlossen, ihr Kind zur Adoption freizugeben – ganz gegen den Willen ihrer alkoholkranken Mutter, die in dem Kind so etwas wie ihre eigene zweite Chance sieht. Im Kontrast du den vier Mädchen steht Naïma, die den Absprung aus dem Heim so gut wie geschafft hat. Sie hat ihre Ausbildung abgeschlossen und einen Job als Zugbegleiterin bei der Bahn gefunden. Allerdings hat sie als muslimische Mitbürgerin nach wie vor mit Scham und der Ablehnung durch ihre Familie aufgrund der frühen Schwangerschaft zu kämpfen.
Die beglischen Brüder Jean-Piere und Luc Dardenne, auch hier wieder für Regie und Drehbuch verantwortlich, haben seit ihrem großen Durchbruch 1999 mit dem Film „Rosetta“, der in Cannes mit der Goldene Palme ausgezeichnet wurde, immer wieder den Finger in die Wunden der Gesellschaft gelegt. Dabei haben sie überwiegend mit Laiendarstellern gearbeitet, hin und wieder aber auch auf bekannte Schauspieler:innen gesetzt, wie beispielsweise Marion Cotillard in „Zwei Tage, eine Nacht“. Auch in JUNGE MÜTTER – JEUNES MÉRES weichen sie nur unwesentlich von ihrer bisherigen Arbeitsweise ab. Auch hier ist die Handkamera wieder extrem nah dran an den Protagonisten und lässt uns Zuschauern erneut eine intensive Teilhabe erleben. Einziger Unterschied: Der Film folgt nicht mehr nur einer einzigen Figur, sondern gleich mehreren. Dadurch gelingt die Figurenzeichnung nicht so tief wie in ihren bisherigen Filmen, aber vielleicht steht hier auch einfach die Institution des Heimes für werdende und frischgebackene Mütter im Vordergrund. Vor allem aber zeigt der Film, dass es nicht „die eine“ Geschichte über schwangere Jugendliche aus prekären Verhältnissen gibt, sondern dass die Erlebnisse und Ausgangssituationen vielfältig sind.
Nachdem JUNGE MÜTTER – JEUNES MÉRES in Cannes mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde und zudem den Preis der Ökumenischen Jury gewann, stellen Jean-Piere und Luc Dardenne ihren Film im Oktober beim Filmfest Hamburg vor, wo sie außerdem mit dem Douglas-Sirk-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden. Bleibt zu hoffen, dass der Film nicht letzte der Mittsiebziger sein wird. Sozialkritische Themen gibt es schließlich nach wie vor zuhauf.
Die belgischen Drehbuchautoren, Regisseur und Brüder Jean-Pierre & Luc Dardenne haben beim Filmfest Hamburg 2025 nicht nur ihren neuen Film JUNGE MÜTTER – JEUNES MÉRES vorgestellt, sondern wurden auch mit renommierten Douglas-Sirk-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. In einem Gespräch haben sie mir verraten, wie die Idee für ihren aktuellen Film entstanden ist, wie es ihnen gelingt, sowohl professionallen Schauspieler:innen als auch Laiendarstellern immer wieder Höchstleistungen zu entlocken und was sie machen würden, wenn ihnen für einen Film einmal mehr Budget zur Verfügung stehen würde sie benötigen.
Jeunes Mères (Frankreich 2025)
106 Minuten
Drama
Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Benoit Dervaux
Babette Verbeek, Elsa Houben, Janaina Halloy Fokan, Lucie Laruelle, Samia Hilmi
Wild Bunch Germany GmbH