Hatten wir Männer damals Scheuklappen vor den Augen? Haben wir – Jahre vor der #MeToo-Debatte – nicht bemerkt, wie schäbig Frauen im deutschen Unterhaltungsfernsehen behandelt wurden. In ihrem denkwürdigen Dokumentarfilm WAS HABEN WIR GELACHT halten die Regisseurinnen Eva Müller und Isabel Schneider uns den Spiegel vor – nach dem Motto: Schämt euch!
WAS HABEN WIR GELACHT erzählt die Geschichte des Unterhaltungsfernsehens der 1990er- und frühen 2000er-Jahre erstmals aus der Frauenperspektive. Die fünf Protagonistinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihre Anfänge – in einer Zeit, als Frauen im Fernsehen nur Beiwerk waren.
In den 1960er-Jahren, als die Unterhaltungsshows im deutschen Fernsehen so richtig populär wurden, hatten Frauen nur eine Funktion: als Assistentin von Hans-Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal oder Wim Thoelke – Hauptsache schön, Hauptsache unbedeutend. Immerhin: In „Klimbim“ oder „Sketchup“ durften Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen ihren Mut zur Albernheit beweisen. Nicht zu vergessen: Evelyn Hamann als kongenialer Sidekick von Loriot!
Doch bis in die 1990er-Jahre durften „Lichtgestalten“ wie Thomas Gottschalk, Harald Schmidt oder Stefan Raab ungestraft demonstrieren, wie frauenfeindlich das deutsche Fernsehen eigentlich war. Denn was die beiden Regisseurinnen da an Show-Ausschnitten aus den Archiven geholt haben, entpuppt sich als das reinste Gruselkabinett.
Da hatte Thomas Gottschalk auf der berühmt-berüchtigten „Wetten, dass..?“-Couch nichts Besseres im Sinn, als jedem weiblichen Stargast erst einmal seine Hand aufs Knie zu legen oder die Frau anderweitig zu betatschen. Und das haben wir männlichen Zuschauer damals einfach so hingenommen..? Jahrelang durfte Herr Gottschalk diese Nummer abziehen – unglaublich!
Den widerlichsten Moment der deutschen Fernsehgeschichte mussten wir erleben, als Harald Schmidt in seiner Show die Talkmasterin Bettina Böttinger auf das Übelste beleidigte – und das auch noch witzig fand. Noch beim jetzigen Wiedersehen treibt es mir die Schamröte ins Gesicht. In WAS HABEN WIR GELACHT erzählt Bettina Böttinger, wie sie als Ahnungslose am nächsten Morgen in die Redaktion kam und in die betretenen Gesichter ihrer Kollegen blickte. Sie fand tatsächlich den Mut, Wochen später in der „Harald Schmidt Show“ als Gast aufzutreten. In ruhigem Ton verbat sie sich diese unsägliche Beleidigung – und verließ das Studio. Harald machte große Augen – und schluckte. Welch ein Ereignis!
Einen großen Raum nehmen in WAS HABEN WIR GELACHT Esther Schweins’ Rolle in „RTL Samstag Nacht“ und Hella von Sinnens Figur als anarchische Ulknudel in „Alles Nichts Oder?!“ ein. Maren Kroymann und Gaby Köster erzählen davon, wie lange es dauerte, sich als weibliche Comedians durchzusetzen.
Der Titel des Films ist natürlich reinste Ironie: Gelacht haben die Frauen damals mit Sicherheit nicht.
Mein Tipp: Hingehen und fremdschämen!
Was haben wir gelacht (Deutschland 2026)
103 Minuten
Dokumentation
Eva Müller und Isabel Schneider
Eva Müller und Isabel Schneider
Thomas Lütz
Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Esther Schweins, Bettina Böttinger, Gaby Köster
Port au Prince Pictures GmbH