So klingt das Leben

16.07.2026

Daniel Sánchez Arévalo verbindet in SO KLINGT DAS LEBEN die Trauer einer galicischen Küstengemeinde mit der Wiederbelebung einer fast vergessenen Musiktradition. Nach einem schweren Fischerunfall soll die „Rondalla“ den Menschen helfen, wieder zueinanderzufinden – doch sie reißt auch alte Wunden auf.

Seit zwei Jahren liegt über dem galicischen Küstendorf A Guarda eine spürbare Schwere. Damals ging ein Fischerboot im Sturm unter, wobei fast die ganze Besatzung den Tod fand. Nur zwei Männer konnten sich retten. Seitdem ist das Leben hier nicht mehr dasselbe. Kaum einer spricht über das Unglück, und wenn, dann nur oberflächlich.

Die Leerstelle, die das Unglück hinterlassen hat, ist überall sichtbar. Einer der Überlebenden ist Luis (Javier Gutiérrez), der eng mit dem Kapitän verbunden war, dessen Verhältnis zur Familie sich aber signifikant verändert hat. Zwischen ihm und Carmen (María Vázquez), der Witwe des Kapitäns, hat sich eine heimliche und vorsichtige Beziehung entwickelt, die Andrea (Judith Fernández), der Tochter des Kapitäns, ein Dorn im Auge ist.

Vor dem Unglück gehörte die „Rondalla“ zum festen Bestandteil des Dorflebens: Eine große musikalische Gemeinschaft, in der Menschen aller Generationen zusammenkamen, um zu musizieren, zu proben und gemeinsam bei Wettbewerben anzutreten. Nach der Katastrophe verstummte sie. Zu eng war alles mit den Verstorbenen verbunden, zu schwer wog die Erinnerung.

Jetzt möchte Luis diese Tradition wieder aufleben lassen, trifft dabei aber im Dorf auf gemischte Reaktionen. Für die einen ist es ein Hoffnungsschimmer, für die anderen eine Konfrontation mit dem, was verloren ging. Langsam aber sicher gelingt es ihm, eine neue Gruppe zu organisieren, doch als es in die finalen Proben vor dem großen Wettbewerb geht, wird das Wrack gefunden und die Schuldfrage erfährt eine neue Wendung…


Ich habe immer geglaubt, dass man das Universelle nur erreicht, wenn man vom Lokalen ausgeht, von etwas Einzigartigem und Konkretem. Die Entdeckung dieser Welt eröffnete mir ein ganzes Universum, und ich verspürte den starken Wunsch, etwas so Besonderes auf die große Leinwand zu bringen.

Autor & Regisseur Daniel Sánchez Arévalo über seine Beweggründe, diesen Film zu machen.

Alles begann mit einem kleinen Video, das ihm sein Produzent Ramón Campos zeigte. Man sieht darin einen Auftritt der „Rondalla“ von Santa Eulalia de Mos, einem Ort südlich von Vigo, mit einer Coverversion von AC/DCs „Thunderstruck“. Dudelsäcke, Trommeln, Basstrommeln, Rasseln, Kreuze, Tamburine, Kastagnetten, Muscheln … und natürlich ihre Fahnenträger in traditioneller Kleidung. Das war gleichermaßen folkloristisch und modern. Schnell reifte daraus der Wunsch, darüber einen Film zu machen.

Diese „Rondallas“ sind nicht einfach nur galicisch, sondern stammen aus einem winzigen Gebiet in Pontevedra und sind der breiten Öffentlichkeit nahezu unbekannt. Auch ich hatte davon bislang noch nichts gehört, und das ist ja das Schöne am Kino: Man erhält immer wieder Einblicke in Welten, die einem zuvor verborgen blieben.

Ich muss zugeben: Diese Kombination aus Dudelsäcken, anderen altertümlichen Instrumenten, Tänzen und Fahnenträgern hat es mir tatsächlich angetan. Aber: Ich kann auch verstehen, dass man SO KLINGT DAS LEBEN wenig abgewinnen kann, wenn einem diese Art von Musik nicht zusagt. Denn Autor und Regisseur Daniel Sánchez Arévalo stellt die außergewöhnliche Kultur dieser Region in den Fokus seines Films.

Alle anderen Handlungsebenen bleiben dagegen etwas blasser. Besonders der Emanzipierungsprozess des Zwillingspaars wirkt eher angerissen als wirklich ausgearbeitet und fügt sich nicht immer organisch in die zentrale Geschichte um Trauer, Schuld und die Wiederbelebung der „Rondalla“ ein.

Auch Andreas Verhalten bleibt nicht immer glaubhaft: Ihre Reaktionen auf die Beziehung zwischen Luis und ihrer Mutter wirken mitunter sprunghaft und emotional nicht ausreichend vorbereitet. Dadurch verliert diese eigentlich wichtige Konfliktebene etwas an Wirkung.

Aber das stört nicht so sehr, da die Tradition hier eben die Hauptrolle spielt. Zudem kommt Sánchez Arévalo immer mal wieder mit wunderschönen Regieeinfällen um die Ecke, beispielsweise wenn sich Andrea und der vom Auslandsstudium zurückgekehrte Sandkastenfreund Elías (Fer Fraga) langsam über ihre Flötenmelodien annähern. Und besonders zum Ende hin, wenn Cutter Miguel Sanz die von Kameramann Rafa García eingefangenen Bilder des Wettbewerbs mit denen der Proben verwebt, dann wohnt SO KLINGT DAS LEBEN ein gewisser Zauber inne, der all die kleinen Unzulänglichkeiten sofort vergessen macht.

Mit SO KLINGT DAS LEBEN gelingt Daniel Sánchez Arévalo ein warmherziger, atmosphärisch dichter Film, dessen Nebenhandlungen nicht immer überzeugen. Seine größte Stärke liegt in der liebevollen Annäherung an eine kaum bekannte galicische Tradition: Wenn die „Rondalla“ erklingt, werden Trauer, Gemeinschaft und Lebensfreude unmittelbar spürbar.

Trailer

ab12

Originaltitel

Rondallas (Spanien 2025)

Länge

113 Minuten

Genre

Tragikomödie

Regie

Daniel Sánchez Arévalo

Drehbuch

Daniel Sánchez Arévalo

Kamera / Bildgestaltung

Rafa García

Darsteller

Javier Gutiérrez, María Vázquez, Judith Fernández, Tamar Novas, Carlos Blanco, Fer Fraga, Xosé A. Touriñán, Marta Larralde, Lola López Rodríguez

Verleih

Alamode Filmdistribution OHG

Filmwebsite

» zur Filmwebsite

Weitere Neustarts am 16.07.2026