Raum

Kinostart: 17.03.2016

ab12 OT: Room (Irland / Kanada 2015)
Länge: 118 Minuten
Genre: Drama
Regie: Lenny Abrahamson
Drehbuch: Emma Donoghue, basierend auf ihrem gleichnamigen Roman
Darsteller: Brie Larson, Jacob Trembley, Joan Allen, Sean Bridgers, Tom McCamus, Amanda Brugel, Cas Anwar, Wendy Crewson, William H. Macy, Matt Gordon
Verleih: Universal Pictures International Germany GmbH

Der fünfjährige Jack (Jacob Tremblay) wird von seiner liebenden und fürsorglichen Mutter (Brie Larson) aufgezogen. Wie jede gute Mutter, will sie, dass ihr Sohn glücklich und sicher ist, zieht ihn mit Liebe und Wärme auf, macht mit ihm typische Dinge wie spielen oder Geschichten erzählen. Aber ihr Leben ist alles andere als gewöhnlich, denn sie sind gefangen, beengt in einem fensterlosen, 9 m2 großen Zimmer, das Ma euphemistisch „Raum“ nennt. Ma hat ein ganzes Universum innerhalb des Raums für Jack erschaffen und wird vor nichts Halt machen, um sicherzugehen, dass Jack auch in dieser tückischen Umgebung in der Lage ist, ein vollkommenes und erfülltes Leben zu führen. Aber als Jack immer mehr Fragen über ihre Situation stellt und Ma an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stößt, beschließen sie eine riskante Flucht, um schließlich dem Erschreckendsten näher zu kommen: der Welt da draußen.

Kritik

Es gibt immer mal wieder Filme, die emotional berühren. Aber kein Film hat mich in den letzten Jahren so auf voller Breitseite erwischt, wie RAUM. Daher ist der Film für mich nicht nur der Film der Woche, sondern bereits jetzt der Film des Jahres. Mindestens.

Im vergangenen Oktober habe ich zum ersten Mal das BFI Film Festival in London besucht. Neben meinem Interview mit Saoirse Ronan, war RAUM der Film, den ich im Lineup am meisten entgegengefiebert habe. Und tatsächlich hielt er den hohen Erwartungen, die ich an ihn gestellt habe, vollends stand. Er entwickelte sich neben BROOKLYN zu meinem Lieblingsfilm des Festival.

Drei Monate später gab es dann die erste Pressevorführung hier in Deutschland. Trotz absoluter Übermüdung packte mich RAUM erneut so sehr, dass ich mich plötzlich am ganzen Körper zitternd ertappte. Ein Phänomen, dass mir in meiner gesamten Zeit als Filmkritiker noch nie passiert ist.

Doch was ist das Besondere an RAUM? Nun, in erster Linie ist das Brie Larson, eine Schauspielerin, von der ich bereits seit längerer Zeit begeistert bin. vor einigen Jahren war sie in ihrer ersten Hauptrolle in SHORT TERM 12 auf dem Filmfest Hamburg zu sehen. Trotz der hohen Qualität des Films wurde er in Deutschland leider nur auf DVD veröffentlicht. Bereits in diesem Film konnte man sich von Larsons Schauspielerqualitäten überzeugen. Für mich war es nur eine Frage der Zeit, bis die Filmwelt dies erkennen würde. Zu Recht wurde sie in diesem Jahr für ihre Darstellung in RAUM bereits mit dem Golden Globe und dem Oscar belohnt, sowie diversen weiteren Filmpreisen.

In RAUM stimmt aber auch die Gesamtkomposition des Werkes. Emma Donoghue, die das Drehbuch nach ihrem eigenen Roman geschrieben hat, findet exakt die richtigen Worte, während der Regisseur Lenny Abrahamson dazu die richtigen Bilder produziert. Daraus hat sich eine perfekte Symbiose entwickelt, die in einem unfassbar eindrucksvollen Film mündet.

RAUM interessiert sich nicht für den Täter. Zwar wird dieser ein paar Mal gezeigt, aber eben nur, weil es sich nicht vermeiden lässt. Für die Story ist er nicht wichtig, nein er ist gar unwichtig, lediglich ein Mittel zum Zweck.

Eine weitere Besonderheit des Filmes ist die Tatsache, dass Abrahamson eigentlich zwei Geschichten erzählt. Zum einen das Leben in Gefangenschaft: Die schier unlösbare Aufgabe einer Mutter, ihrem Kind auf solch engem Raum ein möglichst lebenswertes Leben zu ermöglichen. In jeder einzelnen Sekunde erkennt man in Brie Larsons Darstellung ihre Verzweiflung, die sie aus Liebe zu ihrem Sohn unterdrückt und die nur äußerst selten aus ihr hinausdrängt.

Der andere Teil des Films beleuchtet das Leben danach. Dass ihnen die Flucht gelingt, ist kein Geheimnis und auch kein wirklicher Spoiler. Trotzdem ist die Befreiung genau die Szene, die mich auch bei der Zweitsichtung am meisten gepackt hat. Wie geht man mit der plötzlich wiedergewonnen Freiheit um? Und wie, wenn man sie, wie im Fall von Jack, nie zuvor gekannt hat? Abrahamson findet auch dafür beeindruckende Bilder und Dialoge, genauso wie er die umstehenden Personen analysiert und erforscht, wie sie mit der plötzlichen Veränderung umgehen.

Es gibt viele Gründe, warum RAUM einer der besten und eindrucksvollsten Filme der letzten Jahre ist. Aber erst die brillante Kombination all dieser Punkte macht ihn zu dem Meisterwerk, das er ist. Für mich ist Raum eben nicht nur der Film der Woche oder – bereits jetzt – der Film des Jahres, sondern der Film eines ganzen Jahrzehnts. Könnte ich mehr als fünf Sterne vergeben, ich würde nicht zögern. Ich wünsche mir, dass der Film auch hier in Deutschland die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient. Glauben Sie mir, es wird in diesem Jahr kein besserer Film kommen.

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