Nahschuss

Kinostart: 12.08.2021

ab12 OT: Nahschuss (Deutschland 2021)
Länge: 116 Minuten
Genre: Drama
Regie: Franziska Stünkel
Drehbuch: Franziska Stünkel
Darsteller: Lars Eidinger, Devid Striesow, Luise Heyer, Paula Kalenberg, Peter Benedict, Victoria Trauttmansdorff, Andreas Schröders, Moritz Jahn, Kai Wiesinger, Peter Lohmeyer, Christian Redl, Hedi Kriegeskotte, Hendrik Heutmann, Florian Anderer, Inka Löwendorf, Aida Philine Stappenbeck, Leon Hoge, Daniel Drewes, Thomas Schendel, Hannes Hellmann, Dirk Böhling
Verleih: Alamode Filmdistribution OHG

Der Wissenschaftler Dr. Werner Teske war 1981 der letzte Mensch in der DDR, der zum Tode verurteilt und durch einen „überraschenden Nahschuss“ (so nannte man das damals) in den Hinterkopf hingerichtet wurde. Regisseurin und Drehbuchautorin Franziska Stünkel nahm diesen authentischen Fall zum Anlass, um mit NAHSCHUSS einen aufwühlenden, bitterbösen Film über einen Unrechtsstaat mitten in Europa zu drehen. Drei grandiose Schauspieler halfen ihr dabei, ein sehr dunkles Kapitel deutsch-deutscher Geschichte aufzublättern – 30 Jahre nach dem Ende der DDR.

Der frisch promovierte Franz Walter (Lars Eidinger) erhält das verlockende Angebot, die Nachfolge seiner Professorin anzutreten – als Gegenleistung muss er zuvor für ein paar Jahre bei der HVA, der Hauptverwaltung Aufklärung der Staatssicherheit, arbeiten. Franz akzeptiert, darf seiner Verlobten Corina (Luise Heyer) aber nichts von seinem Job verraten. Als sie seine neue, für DDR-Verhältnisse hochmodern eingerichtete Wohnung inspiziert, reagiert sie zu Recht stutzig: Ein „normaler“ DDR-Bürger lebt nicht in diesem Luxus – zumal nicht in Franz’ Alter.

Angeleitet und begleitet von seinem Vorgesetzten Dirk Hartmann (Devid Striesow) darf Franz seinen ersten Auslandseinsatz absolvieren – beim „Feind“ BRD. Es geht nach Hamburg. Franz soll den in den Westen übergelaufenen Ex-DDR-Fußballer Horst Langfeld bespitzeln, der beim HSV spielt. Ein Abend in einer Strip-Bar auf dem Kiez gibt ihm den ersten Vorgeschmack des „dekadenten“ Westens – Hartmanns joviales Angebot, mit einer Prostituierten zu verschwinden, lehnt er dankend ab. Und auch dessen süffisanten Tipp, wie man Spesen manipulieren kann, findet er nicht witzig. Doch allmählich bekommt Franz’ Vertrauen in die DDR Risse. Als Langfelds Frau fälschlich eine Krebserkrankung untergeschoben wird, um den Fußballer in die DDR zurück zu locken, versucht er, beide zu warnen. Doch das geht schief. Franz wird verhaftet – angeblich wegen seiner Kontakte zum BND. Doch das stimmt nicht. Die Staatsanwaltschaft will ein Zeichen setzen und beantragt die Todesstrafe – obwohl Franz Walters Vergehen auch nach DDR-Strafrecht eher läppisch waren.

Wie Lars Eidinger diesen Mann spielt, der lange an die DDR geglaubt hatte und erst beim Plädoyer des Staatsanwalts in sich zusammenfällt, ist phänomenal. Die gesamte Tragik dieses Unrechtsregimes ist während des ganzen Films an seinem Gesicht abzulesen. Er ist eben ein begnadeter Schauspieler.

Doch das Besondere an „Nahschuss“ ist der Look. Wie Regisseurin Franziska Stünkel es geschafft hat, die ganze Hässlichkeit eines Staates nur durch die Einrichtung der Büros und Wohnungen zu dokumentieren, ist einzigartig. Diese grässlichen Brauntöne treiben jedem Kinozuschauer die Schweissperlen auf die Stirn: Spießigkeit in Reinkultur. Hier bilden Form und Inhalt eine wunderbare Einheit. Das ist intelligentes Kino vom Feinsten! Und am Ende, beim „überraschenden Nahschuss“, möchte wohl jeder vor Grauen die Augen schließen. Ein beinharter Film, der lange nachwirkt.

Interview

Im Rahmen der Hamburg-Premiere des Films haben wir die Regisseurin und Drehbuchautorin Franziska Stünkel, sowie den Schauspieler Devid Striesow zum Interview getroffen.

Trailer

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