Hier verbinden sich Literatur und Film auf wunderbare Weise. Die Komödie JANE AUSTEN UND DAS CHAOS IN MEINEM LEBEN von Laura Piani ist eine Hommage an eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts und gleichzeitig eine moderne zarte Liebesgeschichte.
Die Mittdreißigerin Agathe (Camille Rutherford) – hübsch, schüchtern, ein bisschen unbeholfen und leider immer noch alleinstehend – arbeitet in der wohl berühmtesten Buchhandlung der Welt: Shakespeare & Company in Paris. In den 1920er- und 1930er-Jahren gingen hier Autoren wie Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald, T. S. Eliot und vor allem James Joyce ein und aus. Für alle Lebensfragen hat Agathe immer ein passendes Zitat ihrer Lieblingsautorin Jane Austen (1775-1817) parat – wenn sie nicht gerade die neueste Dating-Story ihres Kollegen und besten Freundes Félix (Pablo Pauly) frustriert über sich ergehen lassen muss.
Agathe träumt davon, Schriftstellerin zu werden und schreibt heimlich an ihrem ersten Roman. Doch Félix kommt ihr auf die Schliche und reicht die ersten Kapitel ohne ihr Wissen bei einem Schreibwettbewerb ein. Die junge Frau fällt aus allen Wolken, als sie als Gewinnerin eine Einladung zu einem mehrwöchigen Aufenthalt in der „Jane Austen Writers Residency“ in England erhält. Bei freier Kost und Logis soll sie dort in gelöster Atmosphäre weiter an ihrem Roman arbeiten und den fertigen Text am letzten Tag öffentlich vorlesen. Für die schüchterne Agathe nicht gerade ein erstrebenswertes Ziel.
Erst nach langem Zögern lässt sie sich von Félix zur Reise überreden, der sie persönlich zur Ärmelkanalfähre kutschiert und ihr am Hafen einen Abschiedskuss gibt – was sie sichtlich irritiert. Auf der Insel angekommen, wird sie vom gutaussehenden, aber total versnobten Oliver (Charlie Anson) in Empfang genommen, einem nach eigenen Worten Ur-Ur-Ur-Ur-Großneffen von Jane Austen. Der blasierte Großkotz präsentiert ihr seinen schicken Sportwagen – zu dumm, dass dieser mitten im Wald seinem Geist aufgibt und das ungleiche Paar zu einem unfreiwilligen Landaufenthalt gezwungen wird. Beide spüren sofort: Sie können sich nicht ausstehen.
Auf dem historischen Landsitz angekommen, wird Agathe zur Begrüßung von einem im Park grasenden Lama ins Gesicht gespuckt – das kann ja heiter werden. Doch von der Hausherrin und anderen Gewinnern wird sie herzlich aufgenommen. Nur ein leicht debiler älterer Herr, auch ein Jane-Asten-Nachfahre, der gern mal seine Hose vergisst, sorgt für Unruhe.
Im Laufe der Tage laufen sich Agathe und Oliver ständig über den Weg – und sie entdeckt plötzlich positive Seiten an diesem Schönling; denn so geistlos ist er dann doch nicht. Außerdem muss sie immer wieder an den romantischen Kuss am Hafen denken. Kein Wunder, dass Agathe auf einmal mitten in einer Schreibblockade steckt. Und dann taucht Félix auf dem Landsitz auf…
Beim festlichen Ball in historischen Kostümen, auf dem Agathe sowohl mit Oliver als auch mit Félix tanzt, trifft sie die Erkenntnis wie ein Blitz: Ich stehe ja zwischen zwei Männern – wie in einem klassischen Jane-Austen-Roman!
In ihrem eigenen Drehbuch har es die Regisseurin Laura Piani meisterlich verstanden, Literatur und Leben zu verzahnen. JANE AUSTEN UND DAS CHAOS IN MEINEM LEBEN spielt im Hier und Jetzt – doch der Geist der britischen Autorin ist immer zu spüren. Die Verbindung dieser zwei Ebenen wirkt nie aufdringlich oder prätentiös – der entspannt inszenierte Film ist durchzogen von typisch französischem Charme. Éric Rohmer hätte der Film gefallen. Und das Ende ist dann keine Überraschung mehr…
Jane Austen a gâché ma vie (Frankreich 2024)
98 Minuten
Komödie / Romantik
Laura Piani
Laura Piani
Pierre Mazoyer
Camille Rutherford, Pablo Pauly, Charlie Anson, Annabelle Lengronne, Liz Crowther, Alan Fairbairn, Lola Peploe, Alice Butaud, Roman Angel, Frederick Wiseman, Pierre-François Garel
Splendid Film GmbH