George Michael: The Faith Tour

12.11.2026

Manche Konzertfilme dokumentieren einen guten Abend, andere hingegen konservieren eine ganze Epoche. GEORGE MICHAEL: THE FAITH TOUR zählt definitiv zu den Letzteren. Fast vier Jahrzehnte nach den Auftritten im Pariser Palais Omnisports de Paris-Bercy im Mai 1988 kommt das lange für verschollen gehaltene Material erstmals ins Kino. Das Ergebnis überzeugt nicht nur akustisch, sondern auch visuell.

GEORGE MICHAEL: THE FAITH TOUR beginnt mit dem achtminütigen Kurzfilm „Finding Faith“, in dem die Regisseurin Mary McCartney der Stimme von George Michael Raum gibt. Unterlegt von Bildern und kurzen Videos hört man den Ausnahmemusiker, wie er über das Leben und seine Rolle als Popstar sinniert. McCartney fängt den enormen öffentlichen Erwartungsdruck ein, unter dem der damals erst 24-jährige Künstler stand, während er sich endgültig von der Teenie-Pop-Vergangenheit mit Wham! emanzipierte und zum globalen Solo-Superstar reifte.

Auf den Kurzfilm folgt das eigentliche Konzert-Highlight: Die an zwei aufeinanderfolgenden Abenden mit einem aufwendigen 14-Kamera-Setup auf 35-mm-Film festgehaltenen Auftritte verleihen GEORGE MICHAEL: THE FAITH TOUR eine beeindruckende optische Brillanz. Noch schöner ist der Blick ins Publikum: kein einziges hochgerecktes Handy, sondern Menschen, die ganz im Moment aufgehen. Für die Älteren unter uns ist das auch eine Erinnerung an die eigene Konzertjugend.

Die lange für verschollen gehaltenen Aufnahmen in GEORGE MICHAEL: THE FAITH TOUR entstanden 1988 an zwei Abenden in Paris auf 35-mm-Film – ursprünglich ausschließlich für ein dynamisches Musikvideo zur Single “Monkey”. Nach Fertigstellung des Videos wurden die originalen Filmrollen (insgesamt über 30 Dosen mit jeweils über 600 m Film) im persönlichen Archiv von George Michael eingelagert.

Erst als George Michaels engster Freund und Manager David Austin gemeinsam mit Regisseur Andy Morahan das Archiv sichtete, kamen die zahlreichen Filmrollen wieder zum Vorschein. Morahan hatte bereits damals Musikvideos für den Sänger inszeniert. Testrollen gingen an ein Labor – mit einem überraschenden Ergebnis: Das Material war nicht nur hervorragend erhalten, sondern deckte auch fast alle Songs so lückenlos ab, dass sich daraus ein ganzer Konzertfilm zusammensetzen ließ.

Das aufwendig restaurierte Material in GEORGE MICHAEL: THE FAITH TOUR bewahrt seinen analogen Charakter und macht zugleich jede Schweißperle, jeden ikonischen Hüftschwung und die Energie der Arena spürbar. Die enorme Präsenz des gerade einmal 24-jährigen Sängers führt uns aber auch schmerzlich vor Augen, wie früh wir dieses Ausnahmetalent verloren haben. Kaum zu glauben, dass sich sein Tod im Dezember bereits zum zehnten Mal jährt.

Ob „Father Figure“, „Faith“ oder das ekstatische Stück „Monkey“ – seine Live-Stimme wackelt zu keinem Zeitpunkt. Und bei „Careless Whisper“ oder „One More Try“ spürt man die Verletzlichkeit in seiner Stimme. Die stilistische Bandbreite von George Michael und seiner Band wird zusätzlich in Cover-Songs wie „Lady Marmalade“ oder „Play That Funky Music“ deutlich.

Mein einziger Kritikpunkt betrifft die visuelle Präsentation der Band: Obwohl die Musiker einen Großteil der Bühne einnehmen, bleiben sie meist im Dunkeln. Selbst bei Soli werden sie häufig nur von hinten beleuchtet, sodass ihre Gesichter kaum zu erkennen sind. Dass im Film zudem eine vollständige Vorstellung der Bandmitglieder fehlt, hinterlässt bei mir einen schalen Beigeschmack. Vielleicht fiel eine solche Passage allerdings auch dem Schnitt zum Opfer…

Trotzdem ist GEORGE MICHAEL: THE FAITH TOUR weit mehr als eine nostalgische Fan-Bedienung. Der Film ist ein kulturhistorisches Dokument, das einen Ausnahmekünstler auf dem Höhepunkt seiner jugendlichen Energie unsterblich macht. Dank der phänomenalen technischen Restaurierung gehört dieses Musikerlebnis zwingend auf die größtmögliche Kinoleinwand. Ein absolutes Pflichtprogramm für Pop-Liebhaber und Cineasten gleichermaßen.

Trailer

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Originaltitel

George Michael: The Faith Tour (USA 2026)

Länge

114 Minuten

Genre

Dokumentation / Konzert / Musik

Regie

Mary McCartney (Finding Faith), David Austin, Andy Morahan

Kamera / Bildgestaltung

Michael Southon, BSC, Peter Mackay

Verleih

Universal Pictures International Germany GmbH

Weitere Neustarts am 12.11.2026