Ganzer halber Bruder

18.09.2025

Mit seinem Film GANZER HALBER BRUDER erzählt uns der Regisseur Hanno Olderdissen eine Geschichte, wie wir sie bereits unzählige Male im Kino gesehen haben…

Gerade erst wurde der Immobilienbetrüger Thomas (Christoph Maria Herbst) aus dem Gefängnis entlassen, da erreicht ihn die Nachricht, dass er von seiner ihm unbekannten Mutter ein Haus geerbt hat. Wenn es ihm gelingen würde, dieses zu verkaufen, dann stünde einem Neuanfang in Spanien nichts mehr im Wege. Das Problem: Im Haus wohnt bereits sein Halbbruder Roland (Nico Randel), ein Fan von Oldies, Gewichtheben und sportlichen Cabrios, mit festem Job und Trisomie 21 – und der genießt lebenslanges Wohnrecht. Das hält den gewieften Thomas natürlich nicht von seinem Plan ab. Also nistet er sich im Haus ein und setzt sein gesamtes manipulatives Repertoire ein, um seinen Halbbruder aus dem Haus zu drängen. Doch der erweist sich als willensstarker und ebenbürtiger Gegner…

Von Anfang an ist klar, worauf diese Geschichte hinausläuft, dafür haben wir das so oder so ähnlich schon unfassbar oft auf der Leinwand gesehen. Anfangs hatte ich noch die Hoffnung, dass Regisseur Hanno Olderdissen und Drehbuchautor Clemente Ferndandez-Gil mit irgendeinem cleveren Einfall um die Ecke kommen, aber Pustekuchen: Sie halten stur an alten Mustern fest und wagen sich nicht einen einzigen Millimeter über den Tellerrand. Das ist schade, ist GANZER HALBER BRUDER ansonsten doch solide inszeniert. Klar, Christoph Maria Herbst spielt wie immer, aber Nico Randel hat sichtlich Spaß an seiner Rolle.

Eine Sache rettet den Film dann aber doch, zumindest ein wenig: GANZER HALBER BRUDER macht zu keinem Zeitpunkt Gags über die Protagonisten, sondern lacht mit ihnen. Das liegt mit Sicherheit daran, dass der Drehbuchautor Clemente Ferndandez-Gil selbst einen Sohn mit Down-Syndrom hat. So unterfüttert er den Film mit allerlei Informationen über Menschen mit Trisomie 21 und zeigt uns beispielsweise, wie wichtig in einem solchen Fall eine tägliche Struktur des Alltags ist.

Am Ende arbeitet die konturlose Handlung jedoch viel zu sehr dagegen. Wer sich nicht einmal ansatzweise überraschen lassen möchte, dem sei GANZER HALBER BRUDER durchaus ans Herz gelegt. Alle anderen machen mal kurz Pause.

Trailer

ab12

Originaltitel

Ganzer halber Bruder (Deutschland 2025)

Länge

110 Minuten

Genre

Drama / Komödie

Regie

Hanno Olderdissen

Drehbuch

Clemente Ferndandez-Gil

Kamera / Bildgestaltung

Carol Burandt von Kameke

Darsteller

Christoph Maria Herbst, Nico Randel, Sesede Terziyan, Tristan Seith, Martin Brambach, Michael Ostrowski, Tanja Schleiff, Rudolf Kowalski

Verleih

Wild Bunch Germany GmbH

Filmwebsite

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