Die Königin des Nordens

Kinostart: 30.12.2021

FSK noch unbekannt OT: Margrete den første / Margrete - Queen of the North (Dänemark / Schweden / Norwegen / Island / Tschechien 2021)
Länge: 120 Minuten
Genre: Drama / Historie / Biographie
Regie: Charlotte Sieling
Drehbuch: Charlotte Sieling, Jesper Fink, Maya Ilsøe
Darsteller: Trine Dyrholm, Søren Malling, Morten Hee Andersen, Jakob Oftebro, Bjørn Floberg, Thomas W. Gabrielsson, Simon J. Berger, Hallóra Geirharðsdóttir, Tinna Hrafnsdóttir, Paul Blackthorne, Magnus Krepper, Agnes Westerlund Rase, Linus James Nilsson, Annika Hallin, Richard Sammel
Verleih: Splendid Film GmbH

Trine Dyrholm, die derzeit wohl erfolgreichste und populärste Schauspielerin Dänemarks, wurde bei den diesjährigen Nordischen Filmtagen mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Einige ihrer bekanntesten Filme wurden in Lübeck gezeigt – und bei ihrem Besuch in der Hansestadt hatte sie ihr aktuelles Werk dabei: DIE KÖNIGIN DES NORDENS von Charlotte Sieling. Diese vor allem für ihre TV-Serien gefeierte dänische Regisseurin („Kommissarin Lund“, „Die Brücke: Transit in den Tod“, „Homeland“) legte mit diesem aufwändig gedrehten, zweistündigen Historien-Drama einen sehr beachtlichen Spielfilm vor – und eine der teuersten Produktionen Skandinaviens. 

Im Zentrum des Films steht Margarethe I. (1353 – 1412), die Herrscherin von Dänemark, Norwegen und Schweden sowie Begründerin des skandinavischen Reichsverbundes, die aber nie offiziell gekrönt wurde. Inzwischen gilt sie als eine der großen Frauen der Weltgeschichte.

Man muss als nicht-skandinavischer Zuschauer nicht alle Zusammenhänge verstehen – Charlotte Sieling und ihre Drehbuch-Co-Autoren verzichten konsequent auf zu viele Erklärungen. DIE KÖNIGIN DES NORDENS ist kein trockener Geschichtsunterricht, hier soll niemand belehrt werden. Doch so viel ist klar: Nach einer erfolgreichen Schlacht vor den Toren von Visby, der Hauptstadt Gotlands, übernimmt Margarethe die Herrschaft von ganz Skandinavien. Zuvor leitete sie als Regentin ihres minderjährigen Sohnes Olav die Geschicke Dänemarks, und nach dem Tod ihres Mannes Håkon auch die Norwegens. Nach Olavs frühem Tod baut sie ihren Großneffen und späteren Adoptivsohn Erik (eigentlich: Erich von Pommern) erfolgreich zu ihrem Nachfolger auf – und muss sich dabei ständig gegen Hofintrigen wehren.

Die Mischung aus mittelalterlichen Kämpfen und Erbstreitigkeiten ist für dieses Film- und TV-Genre nichts Neues. Doch der Regisseurin gelingt es, uns mit opulenten Tableaus für diese ferne, fremde Welt zu begeistern. Dass ihr dabei kleine Irrtümer passieren, ist verzeihlich: Der Deutschritterorden hatte kein „Gold“ in seinem Wappen, und das oft erwähnte „Tyskland“ gab es damals noch nicht – das heutige Deutschland bestand damals aus der Hanse und unzähligen Kleinstaaten.

Natürlich beherrscht Trine Dyrholm in der Titelrolle den ganzen Film. Wie sie mit all ihrem Können eine ehrgeizige Frau spielt, die sich zwischen ihren persönlichen Gefühlen und dem Streben nach politischer Macht entscheiden muss und dabei fast Opfer einer Verschwörung wird, ist großes Kino. Nicht nur für diesen Film hat sie den Ehrenpreis der Nordischen Filmtage hochverdient.

Wer das Glück hat, DIE KÖNIGIN DES NORDENS beim Kinostart in der Originalfassung (mit Untertiteln) zu sehen, sollte diese Chance nutzen: Die Figuren sprechen in (mindestens) fünf Sprachen – dänisch, norwegisch, schwedisch, deutsch und englisch. Das ist authentische Geschichte!

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