Die französische Komödie „Was ist schon normal?“ von Regisseur Artus war 2024 einer der erfolgreichsten Filme im eigenen Land. Bereits kurz nach dem Kinostart sicherte sich Constantin Film damals die Rechte für das deutschsprachige Remake. Unter der Regie von Marc Rothemund kommt dieser Film unter dem Titel DAS GEWISSE ETWAS jetzt in unsere Kinos. Da „Was ist schon normal?“ auch bei uns ziemlich gut lief, fragt man sich zu Recht: Warum dieses Remake schon nach gerade mal zwei Jahren? Und: Warum überhaupt?
Denn Regisseur Marc Rothemund und Drehbuchautor Murmel Clausen haben das Original Szene für Szene und Dialogzeile für Dialogzeile eins zu eins kopiert. Das war zumindest mein Eindruck bei der Sichtung. Dreister geht’s ja wohl kaum? Immerhin zwei Unterschiede habe ich bemerkt: Aus Dalida wurde Milva, aus CR7 Jamal Musiala!
Nach einem erfolgreichen Juwelenraub müssen Alex (Max von der Groeben) und sein Vater Karlo (Florian Lukas) feststellen, dass ihr Fluchtauto abgeschleppt wurde – es stand auf einem Behindertenparkplatz. Wie dämlich ist das denn? Glücklicherweise macht sich eine Gruppe junger Erwachsener mit Beeinträchtigung bereit, in einen Reisebus einzusteigen. Mit ihren drei Betreuer:innen Polly (Mala Emde), Mona (Jasmin Schwiers) und Marko (Lorenzo Germeno) wollen sie zu ihrem Sommerurlaub in einem oberbayerischen Landheim aufbrechen. Nur Neuzugang Otto fehlt noch.
Als Alex vor dem Bus ziemlich hilflos herumsteht, wird er von Polly angesprochen: „Bist du Otto?“ Sofort wittert Karlo seine Chance, doch noch unerkannt zu entkommen. Er drängt seinen Sohn, in den Bus einzusteigen, und folgt ihm als dessen persönlicher Betreuer gleich hinterher. Mit großem Hallo wird „Otto“ von den Mitreisenden begrüßt. Aber Alex hat ein echtes Problem: Wie spiele ich einen Menschen mit geistiger Behinderung, damit der Schwindel nicht auffliegt?
Wie lange können – in Oberbayern angekommen – Vater und Sohn die Scharade aufrechterhalten? Zudem sitzt Hehler Rico (Dieter Landuris) Karlo im Nacken – und der Handyempfang ist in den Bergen lausig. Aber am Ende haben alle Heimbewohner „Otto“ in ihr Herz geschlossen, und Alex hat sich in Polly verliebt…
Eine Frage habe ich mir schon in meiner Kritik des Originals gestellt: Darf man eine inklusive Komödie drehen? Macht man sich womöglich lustig über diese Menschen, die sich so „anders“ und jenseits der Norm verhalten? Lachen wir auf Kosten dieser wunderbaren Menschen? Ich habe dabei ein ungutes Gefühl.
Mithilfe von Sven Harjes, der hier für das Casting und als inklusiver Co-Regisseur tätig war, und seiner Plattform „Talentwerk-InkluVision“ wurde ein großartiges Team zusammengestellt. Einige dieser Menschen mit Beeinträchtigung haben schon in „Weil wir Champions sind“ (2022) an der Seite von Wotan Wilke Möhring mitgespielt.
Für diese Art Kino gibt es einen passenden Begriff: „gut gemeint“!
Das gewisse Etwas (Deutschland 2025)
105 Minuten
Drama / Komödie
Marc Rothemund
Murmel Clausen, basierend auf „Un P’etit Truc En Plus“ von Artus, Clément Marchand und Milan Mauger
Ahmet Tan
Max von der Groeben, Mala Emde, Florian Lukas, Jasmin Schwiers, Lorenzo Germeno, Frangiskos Kakoulakis, Antonia Riët, Simon Rupp, Natalie Kim Lehmann, Jan Bobke, Ferdinand Kuner, Linn Bade, Timon Heinzl, Luca Davidhaimann, Paul Kögler, Dieter Landuris, Bettina Mittendorfer, Johannes Berzl
Constantin Film Verleih GmbH