Manchmal reicht eine einzige verschlossene Tür, um das Fundament einer Gesellschaft zu entlarven. Im pakistanischen Drama GHOST SCHOOL ist es das Tor einer Dorfschule, in der plötzlich kein Unterricht mehr stattfinden soll…
Als die zehnjährige Rabia (Nazualiya Arsalan) erfährt, dass die einzige Schule ihres Dorfes plötzlich geschlossen wird, beginnt sie nach den Gründen zu suchen. Denn während die Jungs künftig eine Schule im Nachbardorf besuchen dürfen, bleibt den Mädchen diese Möglichkeit verwehrt. Doch Rabia gibt sich mit dieser Tatsache nicht zufrieden und sucht im Dorf nach Antworten, trifft aber nur auf kollektives Schweigen. Und auf ein Gerücht: Die Schule sei verflucht und der Lehrer von einem Dschinn besessen. Doch je mehr sie dieser Geschichte auf den Grund geht, desto stärker beginnt sie daran zu zweifeln. Ist an dem Gerücht überhaupt etwas dran? Oder will man damit eine ganz andere Wahrheit verschleiern?
Sogenannte „Geisterschulen“ existieren in Pakistan tatsächlich. Dabei handelt es sich um real existierende Schulen, für die Gelder fließen, in denen aber nie unterrichtet wird. Korruption und wirtschaftliche Not werden hier einfach hinter religiösem Aberglauben versteckt. Hinzu kommt noch die Angst einer patriarchalischen Gesellschaft, die in der Bildung für Mädchen eine Bedrohung sieht.
Die Regisseurin Seemab Gul, die auch das Drehbuch verfasst hat, trifft in GHOST SCHOOL eine kluge Entscheidung, indem sie die Geschichte konsequent aus Rabias Perspektive erzählt und damit die Widersprüche der Gemeinschaft sichtbar macht. Dass sie dabei auf eine eindrucksvolle Hauptdarstellerin zurückgreifen kann, ist ein absoluter Glücksgriff. Nazualiya Arsalan spielt die zehnjährige Rabia mit einer solchen Weisheit, dass es eine wahre Freude ist, ihr beim Entlarven der Lügen der Erwachsenen zuzusehen.
Die Kamera von Zamarin Wahdat fängt das ländliche Pakistan in ruhigen, fast schon dokumentarischen Bildern ein und zeigt Rabia entweder allein im Bild oder inmitten einer ganzen Gruppe von Männern. GHOST SCHOOL erinnert an David gegen Goliath. Und wenn Rabia nachts die angeblich verfluchte Schule aufsucht, nutzt der Film zwar eine Art magischen Realismus, ohne dabei jedoch in Horror-Klischees abzudriften. Die echte Bedrohung ist hier nicht der Dschinn, sondern ein System, das Mädchen systematisch den Zugang zu Bildung verschließt und somit auch ihre Teilhabe an der Welt verhindert.
GHOST SCHOOL ist ein emotional tief berührendes Drama, das die Mechanismen von Ausgrenzung und patriarchaler Macht präzise analysiert. Wer politisches Arthouse-Kino schätzt, das mit leisen Bildern große Missstände offenlegt, sollte sich diesen wunderbaren Film auf gar keinen Fall entgehen lassen.
Ghost School (Pakistan, Deutschland, Saudi-Arabien 2025)
88 Minuten
Drama
Seemab Gul
Seemab Gul
Zamarin Wahdat
Nazualiya Arsalan, Samina Seher, Adnan Shah Tipu, Vajdaan Shah, Muhammad Zamaan, Muhammad Zayan, Kehan Naqvi, Taha Khan, Ziarat Gul, Tariq Raja, Tutu Baba
jip film & verleih GbR