Das Ding mit Federn

15.10.2026

Ein frisch verwitweter Vater, zwei kleine Söhne und eine gigantische, menschenähnliche Krähe im Wohnzimmer: In DAS DING MIT FEDERN wagt sich Regisseur Dylan Southern in seinem Spielfilmdebüt an Max Porters Roman „Trauer ist das Ding mit Federn“…

Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau ist ein junger Vater (Benedict Cumberbatch) mit seinen beiden kleinen Söhnen auf sich gestellt. Beim Versuch, eine Art Normalität aufrechtzuerhalten, wird selbst das einfache Schmieren eines Pausenbrots zur Geduldsprobe – schließlich hatte er sich bislang aus der häuslichen Care-Arbeit weitgehend herausgehalten. Während die sechs- und achtjährigen Jungen den Verlust noch nicht richtig zu begreifen scheinen, spürt der Vater eine unheilvolle Präsenz: eine übergroße, menschenähnliche Krähe, die wie aus dem Nichts auftaucht und sich partout nicht mehr vertreiben lässt. Je tiefer sich der Vater in seiner Verzweiflung verliert, desto bedrängender werden seine klaustrophobischen Wahrnehmungen – bis er sich irgendwann die Frage stellt, wovor er seine Kinder eigentlich beschützen will…

Als ich DAS DING MIT FEDERN im Februar 2025 auf der Berlinale sah, kam ich recht verstört aus der Vorführung. Was wollte mir der Film sagen? Warum fand ich trotz schauspielerischer Höchstleistungen keinen wirklichen Zugang? Dass es hier um Trauerbewältigung geht, war zwar schnell klar, aber Dylan Southern verliert sich zu sehr in der fantastischen Überhöhung des Schmerzes.

Benedict Cumberbatch als trauernder und vollkommen überforderter Vater liefert hier eine schauspielerische Höchstleistung. Er ist zweifelsohne das emotionale Zentrum des Films. Ben Fordesmans eindringliche Kamera rückt ihm immer wieder so nah, dass wir jede noch so kleine Regung in seinem Gesicht sehen. So wird sein Verlust für uns Zuschauer unmittelbar greifbar. Auch die beiden Söhne werden von den Brüdern Richard und Henry Boxall trotz deren jungen Alters mit einer beeindruckenden Präsenz dargestellt. Auch die Spezialeffekte lassen keine Wünsche offen.

Doch Dylan Southern verlässt sich zu sehr auf exzessive Schreckmomente und visuelle Reize. Dabei müsste die Krähe gar nicht eindeutig erklärt werden. Was fehlt, ist eine nachvollziehbare Entwicklung ihrer Beziehung zur Familie: Wie verändert ihre Anwesenheit den Umgang des Vaters und seiner Söhne mit dem Verlust? Zu oft bleibt sie ein Mittel der Einschüchterung, statt die widersprüchlichen Gefühle der Trauer erfahrbar zu machen. Doch so dreht sich die fantastische Ebene des Films permanent im Kreis, ohne dabei an erzählerischer Tiefe zu gewinnen. Und wenn der expressionistische Albtraum am Ende in ein lichtdurchflutetes Finale mündet, dann fühlt sich die emotionale Erlösung schlichtweg unverdient an.

DAS DING MIT FEDERN ist ein visuell atemberaubendes Werk, das von der schieren Präsenz seines Hauptdarstellers getragen wird. Doch gegenüber der widersprüchlichen Rolle der Krähe als Störenfried und Helfer in Max Porters Roman wirkt das plakative Horrorspektakel wie eine Verengung. Ein mutiger Film, der letztendlich an seinen eigenen Metaphern scheitert.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab16

Originaltitel

The Thing With Feathers (Großbritannien 2025)

Länge

98 Minuten

Genre

Drama

Regie

Dylan Southern

Drehbuch

Dylan Southern

Kamera / Bildgestaltung

Ben Fordesman

Darsteller

Benedict Cumberbatch, Richard Boxall, Henry Boxall, Eric Lampaert, Vinette Robinson, Sam Spruell

Verleih

Plaion Pictures GmbH

Filmwebsite

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