Der Film der Woche

A House Of Dynamite

09.10.2025

Niemand kann politisches Kino so eindrucksvoll on Szene setzen wie Kathryn Bigelow. Das zeigt die Regisseurin eindrucksvoll in A HOUSE OF DYNAMITE, der jetzt kurz in den deutschen Kinos zu sehen ist, bevor er am 24.10.2025 auf Netflix startet.

„Am Ende des Kalten Krieges hat sich die Menschheit darauf geeinigt, dass ein Leben ohne Atombomben besser sei. Diese Ära ist jetzt vorbei.“ Mit dieser Botschaft in Form einer Texteinblendung beginnt A HOUSE OF DYNAMITE von Kathryn Bigelow und stößt den Zuschauer direkt in einen Strudel der Entscheidungsfindung diverser US-Machtzentren. Vom Situation Room im Weißen Haus über den Katastrophenschutz bis hin zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gilt: Eine falsche, voreilige Entscheidung und die Welt, wie wir sie kennen, würde im totalen Chaos versinken. Aber können Menschen in einer extrem angespannten Situation überhaupt rational vorgehen, egal wie oft sie diese bereits in Simulationen durchgespielt haben?

Am Anfang ist es nur eine kleine Beobachtung: Eine vermutlich mit atomaren Sprengköpfen bemannte Rakete wurde im chinesischen Meer gestartet. Wo genau lässt sich nicht mehr feststellen, hier haben die Beobachtungssatelliten der USA offenbar versagt. Doch die Flugbahn gleicht der von vorherigen Raketentests, und so liegt die Vermutung nahe, dass es sich auch hier nur um eine Übung handelt. Als der Flugkörper jedoch nicht wie erwartet ins Meer stürzt, beginnen die Mitarbeiter im Situation Room langsam den Ernst der Lage zu begreifen. Wer steckt dahinter? Was ist das Ziel? Lässt sich die Rakete noch abfangen? Immer mehr Behörden und Kontrollzentren werden einbezogen, und letztendlich steht der Präsident vor der schwierigen Entscheidung: Abschießen oder einen Gegenschlag starten und einen dritten Weltkrieg auslösen? Oder hoffen, dass es sich nur um einen großen Irrtum handelt? Je näher der befürchtete Einschlag rückt, desto hitziger werden die Debatten…

Kathryn Bigelow hat schon mehrfach bewiesen, dass sie wie kaum eine andere Regisseur:in ein Händchen für Filme hat, die sich in den Machtzentren der USA abspielen. Man denke beispielsweise an „Zero Dark Thirty“ (2012) über die Gefangenname von Al-Qaida-Führer Osama bin Laden, „The Hurt Locker“ (2008) oder zuletzt „Detroit“ (2017). In A HOUSE OF DYNAMITE treibt sie es aber auf die Spitze. Obwohl sie in knapp zwei Stunden eine fast schon unüberschaubare Menge an Figuren einführt, gelingt es ihr, die Geschichte anhand ausgewählter Charaktere so zu erden, dass wir zu ihnen eine emotionale Bindung ausbauen. Dass es dabei auch jede Menge Namen gibt, die blitzschnell wieder unseren Gedankenströmen entfleuchen, spiegelt dabei die wahre Situation wider. Denn auch hier tauchen immer wieder neue Informationslieferanten oder Entscheidungsträger auf, die ihren Teil zur Aufklärung der Situation beitragen, die aber nur in diesem einen Moment wichtig sind.

Und dann kommt Bigelow mit einem grandiosen Trick um die Ecke: Sie spult die Erzählung zurück und zeigt uns das Ganze aus einer anderen Perspektive, einer anderen Behörde. So werden aus Stimmen am Telefon plötzlich echte Menschen mit Gesichtern und einem Background. Doch Bigelow erzählt nicht einfach alles noch einmal, nein, sie verknüpft die Episoden so geschickt, dass wir als Zuschauer den Faden zu keinem Zeitpunkt verlieren. Im Gegenteil: Selten konnte man einer solch komplexen Handlung so problemlos folgen, ohne dass darunter die Spannung leidet. Das ist Regie auf allerhöchstem Niveau.

Filmexperten fühlen sich zudem vielleicht an den Film „Angriffsziel Moskau“ („Fail Safe“, 1964) von Sidney Lumet erinnert, in dem ein US-Atom-Bomber durch eine Fehlfunktion in Richtung Moskau gestartet war und sich vom Präsidenten (Henry Fonda) nicht mehr zurückrufen ließ. Auch hier hängt alles vom Verhandlungsgeschick der Protagonisten ab.

Natürlich ist es schade, dass A HOUSE OF DYNAMITE nur kurz in den Kinos zu sehen sein wird und dass sich etliche Kinos aufgrund des viel zu kurzen Auswertungsfensters gegen eine Aufnahme ins Programm entschieden haben. Aber vielleicht sollten wir trotzdem dankbar sein, dass der Film überhaupt auf einer großen Leinwand zu sehen sein wird, denn dort gehört er meines Erachtens ganz klar hin.

Trailer

ab12

Originaltitel

A House Of Dynamite (USA 2025)

Länge

112 Minuten

Genre

Thriller

Regie

Kathryn Bigelow

Drehbuch

Noah Oppenheim

Kamera / Bildgestaltung

Barry Ackroyd

Darsteller

Idris Elba, Rebecca Ferguson, Gabriel Basso, Jared Harris, Tracy Letts, Anthony Ramos, Moses Ingram, Jonah Hauer-King, Greta Lee. Jason Clarke, Malachi Beasley, Brian Tee, Brittany O’Grady, Gbenga Akinnagbe, Willa Fitzgerald, Renée Elise Goldsberry, Kyle Allen, Kaitlyn Dever

Verleih

Netflix

Veröffentlichung

Anch dem Kinostart am 09.10.2025 ist der Film ab dem 24.10.2025 bei Netflix verfügbar

Filmwebsite

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