Und morgen die ganze Welt

Kinostart: 29.10.2020

ab12 OT: Und morgen die ganze Welt (Deutschland / Frankreich 2020)
Länge: 101 Minuten
Genre: Drama
Regie: Julia von Heinz
Drehbuch: Julia von Heinz, John Quester
Darsteller: Mala Emde, Noah Saavedra, Tonio Schneider, Luisa-Céline Gaffron, Andreas Lust
Verleih: Alamode Filmdistribution OHG

In Zeiten von AfD und Donald Trump kann es nicht ganz falsch sein, einen politischen Film aus der linken Ecke ins Kino zu bringen. Der Titel bezieht sich ironisch auf eine Zeile eines berüchtigten Nazi-Liedes: „Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt.“ 

Die 20-jährige Luisa (Mala Emde), Tochter aus gutem Hause, studiert im ersten Semester Jura in Mannheim. Durch ihre Jugendfreundin Batte (Luisa-Céline Gaffron) bekommt sie Kontakt zur örtlichen Antifa-Bewegung. Das erklärte Feindbild der Truppe ist die rechte „Liste 14“, deren Logo unübersehbar der AfD nachempfunden ist. Beim ersten Aufeinanderprallen mit den Rechten muss Luisa schwere Blessuren einstecken. Als sie es in ihrem spießigen Elternhaus nicht mehr aushält, zieht sie in Battes Kommune ein, wo sie den charismatischen Alfa (Noah Saavedra) und dessen Freund Lenor (Tonio Schneider) näher kennenlernt. Durch ein geklautes Handy erfahren die Antifa-Leute, dass die Neofaschisten eine besondere Aktion planen. Die Gewalt zwischen Rechts und Links droht immer mehr zu eskalieren – und Luisa ist mittendrin.

Das Besondere am Film von Julia von Heinz ist, dass die Regisseurin ganz bewusst keine direkte Stellung bezieht. Er ist nie plakativ, die alte Frage nach gewaltfreiem Widerstand oder erlaubter Gewalt steht ständig im Raum. Natürlich wird auch über den Artikel 20.4 des Grundgesetzes diskutiert, der eindeutig das Recht zum Widerstand gegen einen Unrechtsstaat legitimiert.

Das klingt auf den ersten Blick nach einem langweiligen Thesenfilm. Doch „Und morgen die ganze Welt“ ist beinhartes, aufwühlendes Kino. Die hektische Handkamera von Daniela Knapp ist immer nah an den Gesichtern dran, und der Zuschauer fühlt sich, als wäre er einer aus der Menge. Der Film steht und fällt mit der genialen Leistung von Mala Emde („303“), die praktisch ständig im Bild ist. Man kann dem Film vorwerfen, dass die Rechten allzu schablonenhaft in Szene gesetzt sind. Doch das ist nur ein kleiner Wermutstropfen. Ein wichtiger, notwendiger Film in diesen schweren Zeiten!

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Filmplakat

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