Mit STAATSSCHUTZ liefert Faraz Shariat ein aufwühlendes Justizdrama, das den institutionellen Umgang mit rechter Gewalt ebenso schonungslos wie dringlich hinterfragt.
Kurz nach ihrem bestandenen Staatsexamen ahnt Seyo Kim (Chen Emilie Yan) noch nicht, was ihr erster Job bei der Staatsanwaltschaft noch von ihr abverlangen wird. Sie überlebt nur knapp einen rassistischen Brandanschlag, muss aber feststellen, dass sie bei ihren Kollegen auf taube Ohren trifft. Oberstaatsanwalt Forch (Arnd Klawitter) bagatellisiert die Tat, und so beginnt Seyo selbst in der Sache zu ermitteln – gegen die ausdrückliche Weisung ihrer Vorgesetzten. Doch die junge Frau ist fest entschlossen, den Kampf gegen den scheinbar übermächtigen Justizapparat aufzunehmen. Unterstützung findet sie in ihrer Anwältin Alexandra Tiedemann (Julia Jentsch) und ihrer Freundin Ayten Alican (Alev Irmak), einer Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft. In einem Klima des Misstrauens kämpft Seyo mit allen Mitteln für die Integrität des Rechts – und das nicht nur im Gerichtssaal.
Als STAATSSCHUTZ im Februar 2026 seine Premiere auf der Berlinale feierte, drohte mir der Film irgendwie durch die Lappen zu gehen. Entweder waren die Vorstellungen ausverkauft oder sie kollidierten mit anderen, nicht verschiebbaren Filmsichtungen. Als mir die Sichtung dann in einer der letzten Vorführungen endlich gelang, war schnell klar, warum: STAATSSCHUTZ ist wahrhaft ein Brett von einem Film, der sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlt und eine Wut zutage fördert, die ich im deutschen Kino schon lange nicht mehr gesehen habe. Ich kann mich nur vor dem Regisseur Faraz Shariat und der Drehbuchautorin Claudia Schaefer verneigen, die die Geschichte mit Unterstützung von Dr. Sun-Ju Choi und Jee-Un Kim verfasst haben. Das Schlimme daran: Diese Geschichte ist bei Weitem nicht so weit hergeholt, wie man denken mag.
Mit STAATSSCHUTZ zeigt Faraz Shariat einen dringlichen Appell für den Kampf gegen rechte und rechtsradikale Strukturen, ohne dabei jedoch die Hoffnung zu verlieren. Der Film geht der Frage nach, ob sich ein korrumpiertes System überhaupt von innen heraus retten lässt. Das gelingt ihm mehr als eindrucksvoll, denn STAATSSCHUTZ hat einen ganz entscheidenden Vorteil: seine Hauptdarstellerin Chen Emilie Yan, die in 114 Minuten eine wahre Tour de Force durchläuft und schauspielerisch aus dem Vollen schöpft. Ihre Wut, aber auch ihr Mut sind so ansteckend, dass man zu jedem Zeitpunkt voll auf ihrer Seite steht.
Die Figur der Seyo basiert zwar nicht direkt auf einem wahren Fall, aber Drehbuchautorin Claudia Schaefer hat für ihre Geschichte viele Jahre in allen Bereichen recherchiert: der NSU und die Untersuchungsausschüsse, das Staatsversagen in Hanau oder Halle, der Neukölln-Komplex und die damit verbundenen Befangenheitsvorwürfe gegen den ermittelnden Oberstaatsanwalt – all diese Fälle waren, neben vielen weiteren Inspiration für STAATSSCHUTZ. Und genau diese ausführliche Recherche spürt man in jeder einzelnen Szene des Films. Hinzu kommt die unfassbar starke Bildgestaltung von Lotta Kilian, die uns kaum zur Ruhe kommen lässt und dadurch eine Spannung erzeugt, die ihresgleichen sucht.
Mit STAATSSCHUTZ ist Faraz Shariat ein eindrucksvoller Film gelungen, der noch lange nachhallt – und der zu Recht auf der Berlinale mit gleich drei Preisen ausgezeichnet wurde, u.a. dem Publikumspreis der Panorama-Sektion. Ein Film, den man im Kinojahr 2026 unter absolut keinen Umständen verpassen sollte.
Staatsschutz (Deutschland 2026)
114 Minuten
Drama / Thriller
Faraz Shariat
Claudia Schaefer, Dr. Sun-Ju Choi, Jee-Un Kim
Lotta Kilian
Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawitter, Sebastian Urzendowsky, Kotbong Yang, Kathrin Angerer, Mercy Dorcas Otieno, Max Krause
Plaion Pictures GmbH