„Luja, sog i“: Denjenigen, denen dieser Spruch noch bekannt ist, werden bei der Sichtung von EIN MÜNCHNER IM HIMMEL vermutlich sämtliche Nackenhaare hochstehen. Alle anderen erwartet eine zutiefst konservative Komödie…
Wiggerl (Maximilian Brückner) arbeitet als Taxifahrer und ist ein echtes Münchner Original. Nach einem Unfall landet er im Himmel und muss dort erst einmal feststellen, dass die Wirklichkeit nicht im Geringsten seinen Vorstellungen entspricht. Statt Bier und Blasmusik gibt es Soja-Manna und Yoga zu Harfenklängen. Für Wiggerl ein absolutes No-Go! Und so protestiert er lauthals, bis man ihn schließlich wieder zurück auf die Erde schickt. Im Himmel soll schließlich Ruhe und Frieden herrschen. Sollte es ihm gelingen, sein Karma-Konto zu verbessern, darf er auf der Erde bleiben…
Die ganze Sache hat jedoch einen Haken: Nur seine Tochter Toni (Momo Beier) kann ihn sehen, für alle anderen ist er unsichtbar. Problem: Zu Lebzeiten hat er sich kaum um sie und ihre Mutter (Hannah Herzsprung) gekümmert. Kein Wunder also, dass Toni wenig gewillt ist, ihm zu helfen. Nur mit einer ordentlichen Portion Selbsterkenntnis gelingt es ihm langsam, das Vertrauen seiner Tochter zurückzugewinnen. Doch jetzt läuft ihm langsam aber sicher die Zeit davon…
1911 veröffentlichte der bayerische Schriftsteller Ludwig Thoma die humoristische Satire EIN MÜNCHNER IM HIMMEL. Darin erzählte er mit einem Augenzwinkern liebevoll von einem typisch bayerischen Grantler. Dieser Alois Hingerl, ein Dienstmann am Münchner Hauptbahnhof, landet, nachdem er vor Erschöpfung tot umfällt, im Himmel. Dort bekommt er eine Wolke und eine Harfe zugeteilt und soll fortan frohlocken und Hosianna singen. Doch mit seinem „Luja, sog i!“ nervt er alle Anwesenden und wird daher mit dem Auftrag zurück auf die Erde geschickt, der bayerischen Regierung die göttlichen Ratschläge übermitteln. Zurück in München kehrt er jedoch als erstes ins Hofbräuhaus ein, leert eine Maß nach der anderen und vergisst seinen Auftrag, weshalb die bayerische Regierung bis heute auf eine göttliche Eingebung wartet.
Von dieser Geschichte, die 1962 vom Künstler-Ehepaar Traudl und Walter Reiner als 10-minütiger Zeichentrickfilm umgesetzt wurde, hat sich Regisseur David Dietl mit seiner Real-Verfilmung EIN MÜNCHNER IM HIMMEL weit entfernt. Geblieben ist der Tod, der Himmel und die Rückkehr auf die Erde. Und aus dem Grantler wurde ein Hallodri. Alles andere hat Dietl dem heutigen Zeitgeschehen angepasst.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als Kind irgendwann diesen kurzen Zeichentrickfilm gesehen zu haben. Dieses markante „Luja, sog i“ hatte sich seitdem felsenfest in meinem Hinterkopf eingenistet. Als ich jedoch den ersten Trailer zur Neuverfilmung sah, lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Irgendwie sah das alles verdammt übertrieben und albern aus. Aber als Filmkritiker sollte man trotzdem jedem Film unvoreingenommen entgegentreten, und siehe da: So schlimm wie befürchtet war EIN MÜNCHNER IM HIMMEL dann zum Glück doch nicht – ein wirkliches Meisterwerk hingegen auch nicht vor.
Eingangs orientiert sich die recht konventionell und ohne große Überraschungen umgesetzte Verfilmung noch am Original, verlässt dann aber schnell die vertrauten Pfade und kommt mit der Moralkeule um die Ecke. Während die norddeutsche Sängerin und Moderatorin Ina Müller als Gott und der Hamburger Musiker Olli Schulz als Schutzengel mit Burnout noch ein wenig Anarchie durchscheinen lassen, verlässt sich das von Marcus Pfeiffer („Beckenrand Sheriff“) verfasste Drehbuch dann doch lieber auf die bewährten Zutaten eines Läuterungsdramas.
Es ist verdammt schade, dass hier aus einer anarchischen satirischen Vorlage nur eine glattgebügelte konservative Komödie hervorgegangen ist. Dabei hätte die Geschichte durchaus das Potential für sehr viel mehr. Da fällt die Tatsache, dass EIN MÜNCHNER IM HIMMEL aus Fördergründen statt in München überwiegend in Wien gedreht wurde, gar nicht mehr ins Gewicht. Es hätte aber auch noch viel schlimmer kommen können…
Ein Münchner im Himmel (Deutschland 2025)
94 Minuten
Komödie
David Dietl
Marcus Pfeiffer
Holly Fink
Maximilian Brückner, Hannah Herzsprung, Momo Beier, Michaela May, Heiner Lauterbach, Marcel Mohab, Maxi Schafroth, Simon Pearce, Sigi Zimmerschied, Robert Palfrader, Olli Schulz, Ina Müller
Leonine Distribution GmbH